Lebensdaten
1866 - 1938
Geburtsort
Bernburg (Anhalt)
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Elektroingenieur ; Lichttechniker
Konfession
-
Normdaten
GND: 101258223X | OGND | VIAF: 171902941
Namensvarianten
  • Teichmüller, Joachim Julius Friedrich Heinrich
  • Teichmüller, Joachim
  • Teichmüller, Joachim Julius Friedrich Heinrich
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Teichmüller, Joachim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101258223X.html [18.06.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1828–1913), Apotheker, Fabrikbes. in B., S d. Theodor (1786–1852), Advokat u. Prokurator in Helmstedt, u. d. Karoline Jürgens (1793–1862);
    M Hedwig Brin(c)kmann (1838–1915), aus Pattensen;
    Urur-Gvv Joachim Andreas (1705–78), Oberfaktor in Goslar (s. Gen. 1);
    Ur-Gvv Christian Andreas (1734–1809), Justizamtmann in Greene b. Einbeck;
    Ov Heinrich (1812–91), Pastor in Holzminden, Oelber u. Delligsen, Hermann Theodor (1816–91), Landwirt in Hohenziatz b. Möckern, Ernst (1824–1908), ev. Theol., Gen.sup. in Dessau (s. BJ 13, Tl.; Biogr. Lex. Burschenschaft; Anhalt. Pfarrerbuch), Ferdinand (1835–1910), Lehrer, Prorektor, Gymn.prof. in Wittstock, Carl (1837–1915), Großkaufm. in Braunschweig;
    2 B Gustav (1862–1919), Architekt, Baurat in Dessau (s. ThB), Ferdinand ( 1939), Kaufm. in B., 1 Schw Elisabeth (1869–1933, N. N. Streithof, Fabrikdir. in B.);
    – ⚭ Auguste Gaule, aus Darmstadt;
    1 S, 4 T;
    Vt Gustav Eisentraut (1844–1926), Gen.major, Privatgel. f. Archäol. u. Gesch., Vors. d. hess. Gesch.ver., Dr. phil. E. h. (Marburg) (s. Lb. Kurhessen I).

  • Leben

    T. verließ das Gymnasium in Bernburg 1884 ohne Abitur und begann im selben Jahr ein Studium der Elektrotechnik an der TH Hannover, das er an der TH Berlin-Charlottenburg und der TH Darmstadt fortsetzte. 1886/87 absolvierte er ein Werkstattpraktikum bei der Berliner Fa. Gebr. Naglo, in die er nach Erlangung des Ingenieurdiploms in Darmstadt 1890 eintrat. 1893 wurde T. Leiter des elektrotechnischen Laboratoriums der Firma Felten & Guillaume in Mülheim bei Köln. 1895 begann er seine akademische Karriere als Assistent am elektrotechnischen Institut der TU Karlsruhe. 1897 an der Univ. Freiburg mit einer Arbeit über „Theorie und Anwendung des Phasometers“ zum Dr. phil. promoviert, habilitierte er sich 1898 an der TH Karlsruhe für Elektrotechnik (Die elektr. Gleichstromleitungen mit Rücksicht auf ihre Elastizität) und wurde dort im folgenden Jahr ao. Professor. Um 1917 wandte er sich der Lichttechnik zu. 1919 wurde in Karlsruhe speziell für T. ein Lehrstuhl für Lichttechnik eingerichtet (em. 1934). 1922 konnte das mit Mitteln der Industrie errichtete und bis heute bestehende „Lichttechnische Institut“ als erstes seiner Art in Deutschland eröffnet werden. In den 1920er Jahren organisierte T. zahlreiche lichttechnische Ausstellungen, u. a. in Karlsruhe, Düsseldorf, Frankfurt/M. und Stuttgart; 1929 beteiligte er sich an der lichttechnischen Abteilung der Weltausstellung in Barcelona.

    T. interessierte sich v. a. für die Lichtanwendung und deren Verbindung zur Physiologie und Psychologie. Grundlegend sind seine Gedanken zur Verbindung von Architektur und Lichttechnik. 1927 prägte er dafür den Begriff „Lichtarchitektur“, bei der künstliche Lichtelemente bei Dunkelheit zu Teilen der Architektur werden. Effektvoll beleuchtete Architektur gab es in den USA und in Frankreich bereits. T. kommt indes das Verdienst zu, mit dem Terminus „Lichtarchitektur“ eine ästhetische Entwicklung eigener Art verstärkt zu haben. Er forderte eine enge Zusammenarbeit von Lichtingenieur und Architekt, und daß Licht als raumgestaltende Kraft den Bauten einen zusätzlichen ästhetischen Stellenwert verschaffen sollte. T.s Ideen wurden während der NS-Zeit für die nächtliche Inszenierung von Großbauten, die Lichtregie bei Reichsparteitagen, den „Lichtdom“ bei den Olympischen Spielen 1936 und für Lichteffekte von Straßenzügen zur Dramatisierung von Politik übernommen, massenpsychologisch geschickt umgesetzt und gigantomanisch gesteigert. Stellungnahmen T.s hierzu sind nicht bekannt. Eingehendere Untersuchungen zu T.s Biographie sowie die Sichtung seines Nachlasses stehen derzeit noch aus, weshalb hinsichtlich einer direkten oder indirekten Rolle T.s im Zusammenhang mit den Lichtinszenierungen der NS-Zeit keine Erkenntnisse vorliegen.

  • Auszeichnungen

    A Gründungsmitgl. d. Verbands Dt. Elektrotechniker (1893), d. Ausschusses f. Einheiten u. Formelgrößen (1908), d. Dt. Beleuchtungstechn. Ges.|(1912) u. d. Südwestdt. Lichttechn. Ges.; Mitgl. d. dt. Delegation d. Internat. Beleuchtungskomm. (1927 in Bellagio, 1928 in Saranae); Ehrenmitgl. d. Illuminating Engineering Soc., London.

  • Werke

    W u. a. Die elektr. Leitungen, 1899;
    Die Erwärmung d. elektr. Leitungen, 1905;
    Lehrgang d. Schaltungsschemata elektr. Leitungen, 2 Bde., 1909–11, 21921–26;
    Die photometr. Grundbegriffe, 1913;
    Das Lichttechn. Inst. d. TH Karlsruhe, in: FF 3, 1927;
    S. 231 f. Lichtarchitektur, in: Licht u. Lampe, 1927, S. 421 f. u. 449–58;
    Moderne Lichttechnik in Wiss. u. Praxis, dargest. an d. Darbietungen d. Lichttechn. Ausst. auf d. Gesolei in Düsseldorf, 1928;
    Die physiol., psychol. u. ästhet. Grundlagen d. Lichttechnik u. ihre kulturellen Ziele, 1928;
    Mitarb.: Dt. Kal. f. Elektrotechniker, 1904–1933;
    Dtld. unter Ks. Wilhelm II., 1914;
    Streckers Hilfsbuch d. Elektrotechnik, 10 1925.

  • Literatur

    L Nachrufe in: Das Licht, 1938;
    Licht u. Lampe, 1938;
    Elektrotechn. Zs., 1938;
    – W. Oechslin, Lichtarchitektur, in: V. M. Lampugnani u. R. Schneider (Hg.), Moderne Architektur in Dtld. 1900 bis 1950, Expressionismus u. Neue Sachlichkeit, 1994, S. 117–31;
    ders., Lichtarchitektur, Die Genese e. Begriffs, in: D. Neumann (Hg.), Architektur d. Nacht, 2002, S. 28–34;
    H.-P. Popp, J. T., Lichttechnik, in: Fridericiana, Zs. d. Univ. Karlsruhe 52, 1996, S. 30 f.;
    Rhdb. (P);
    Wi. 1935;
    Pogg. VI (W-Verz.);
    Lex. Elektrotechniker; – Qu Nachlaß: Univ.archiv Karlsruhe.

  • Autor/in

    Joachim Castan, Klaus Nippert
  • Empfohlene Zitierweise

    Castan, Joachim; Nippert, Klaus, "Teichmüller, Joachim" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 7-8 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101258223X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA