Lebensdaten
erwähnt 1119, gestorben 1166
Beruf/Funktion
Geschichtsschreiber ; Abt von Berge und Nienburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119457733 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Annalista Saxo
  • Arnold
  • Annalista Saxo

Zitierweise

Arnold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119457733.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    A. stammte aus Sachsen, wohl aus der Diözese Halberstadt. 1119 wurde er Abt des Johannesklosters Berge bei Magdeburg, im Juni/Juli 1134 zugleich auch Abt des Reichsklosters Nienburg/Saale. A. stand in nahen Beziehungen zu sächsischen Adelsgeschlechtern, insbesondere zu denen von Ammensieben und den mit diesen verschwägerten Grafen von Querfurt, aus deren Geschlecht der oft zusammen mit A. auftretende Erzbischof Konrad von Magdeburg (1134–42) stammte. Als Intervenient setzte er sich seit 1129 für die Umwandlung des Stiftes Ammensleben in eine Abtei ein (1140) und richtete 1135 im Auftrag Kaiser Lothars III. das Männerkloster in Königslutter ein, das vom Kloster Berge aus besetzt wurde. 1136/37 nahm er wohl am zweiten Italienzug Lothars teil. Noch vor der Aufhebung der Reichsunmittelbarkeit von Nienburg resignierte A. 1166 in beiden Klöstern. Eine reichhaltige Bibliothek, die er 1134 in Nienburg vorgefunden zu haben scheint, mag den äußeren Anstoß zur Abfassung eigener historischer Werke gegeben haben. Seit 1134 mit Aufzeichnungen zur Zeitgeschichte beschäftigt - die Existenz der sog. „Nienburger Annalen“ als eines publizierten geschlossenen Werkes muß nicht zwingend angenommen werden -, verfaßte A. nach dem Muster Adams von Bremen eine Magdeburger Bistumsgeschichte bis 1142 (von Späteren 1142-1371 fortgesetzt), eine umfangreiche, als Ganzes konzipierte Heimatgeschichte, die sich in sorgfältigem Stil und mit lebhafter Anteilnahme gegen die Verweltlichung der Kirchen und Kirchengüter richtet. - Um 1144/45 bis 1152 schrieb A. eine fränkisch-deutsche Geschichte von 741 bis 1139, die unter dem Namen des „Annalista Saxo“ bekannt ist. A. verarbeitete in seinem Hauptwerk, das als Autograph mit zahlreichen Nachträgen erhalten ist und später oft benutzt wurde, objektiv, kritisch und zuverlässig die ganze sächsische Literatur seiner Zeit und alle für die Reichsgeschichte wichtigen Quellen, darunter viele Urkunden; er überlieferte mehrere jetzt verlorene Annalenwerke. Wenn auch vornehmlich auf die Erforschung der Vergangenheit gerichtet, gab|A. doch wertvolle Berichte, vor allem über den zweiten Italienzug Lothars III., über Sachsen, seine Kirchen und seinen Adel (Genealogien!). Konrad III. stand er sehr kritisch gegenüber. - Zu dem Einflußbereich A.s müssen die seit etwa 1145 in Kloster Berge von mehreren Verfassern geschriebenen Magdeburger Annalen (MG SS XVI, S. 105/107-196, übersetzt von W. Wattenbach, in: GDV 63, 21895) gerechnet werden, eine welfisch gesinnte Weltchronik von Christi Geburt bis 1188. Auf A.s Anregung ist wohl auch das sog. „Bruchstück zur Geschichte der Lausitz“ (Cod. dipl. Anhalt., ed. O. von Heinemann, V, 1881, S. 353 f.) geschrieben.

  • Werke

    Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium, hrsg. v. G. Schum, in: MG SS XIV, S. 374-416; „Annalista Saxo“, hrsg. v. G. Waitz, in: MG SS VI, S. 542-777, Übers, v. W. Wattenbach, in: GDV 54, 21894.

  • Literatur

    Series abbatum Nienburgensium, hrsg. v. F. Winter, in: Gesch. bll. f. Stadt u. Land Magdeburg 2, 1867, S. 111 ff.;
    Gesta abbatum Bergensium, hrsg. v. H. Holstein, ebenda 5, 1870, S. 367 ff.;
    Wattenbach II, S. 255-58, 349, 438 f.;
    R. Siebert, Unterss. z. Nienburger Annalistik u. d. Autorschaft d. Annalista Saxo, Diss. Rostock 1896;
    E. Rundnagel, Die Chronik d. Petersberges b. Halle (Chron. Montis Sereni) u. ihre Qu., in: Ausgew. Hallische F z. mittleren u. neuen Gesch. 1, 1929, S. 74-107;
    E. Kessel, Die Magdeburger Gesch.Schreibung bis z. Ausgang d. 12. Jh.s. (Die Nienburger u. Magdeburger Ann. u. d. Annalista Saxo), in: Sachsen u. Anhalt 7, 1931, S. 109-84, bes. 158-82;
    H. E. Lohmann, Üb. d. Entstehungszeit d. Gesch.werkes d. Annalista Saxo, in: Krit. Btrr. z. Gesch. d. MA, = Festschr. f. R. Holtzmann. = Hist. Stud., H. 238, 1933, S. 160-66;
    B. Schmeidler, Die wahre Zusammensetzung u. Entstehungszeit d. Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium bis 1142, in: Sachsen u. Anhalt 14, 1938, S. 40-81;
    ders., Abt A. v. Kloster Berge u. Reichskloster Nienburg (1119–1166) u. d. Nienburg.-Magdeburg. Gesch.schreibung d. 12. Jh.s, ebenda 15, 1939, S. 88-167;
    ders., Zu d. ältesten Gesch.qu. v. Halberstadt, ebenda 16, 1940, S. 107 bis 119

  • Autor/in

    Joachim Leuschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Leuschner, Joachim, "Arnold" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 379 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119457733.html#ndbcontent

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