Lebensdaten
1913 bis 1996
Geburtsort
London
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Indogermanist ; Sprachwissenschaftler ; Linguist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118799606 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Szemerényi, Oswald John Louis
  • Szemerényi, Oswald J. L.
  • Szemerényi, Oswald
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Quellen(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Szemerényi, Oswald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799606.html [19.01.2020].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. (1869–1941), aus Ungarn;
    M N. N. (* 1879), aus Ungarn;
    1940 Elizabeth Kövér; 1 S.

  • Leben

    Als Sohn ungar. Eltern in London geboren, wuchs S., da der Vater bei Kriegsausbruch 1914 interniert und die Mutter samt dem Kind des Landes verwiesen worden war, in Budapest auf. Ab 1931 studierte er dort Klassische Philologie und Germanistik; nach der Promotion 1936 setzte er seine Studien für zwei Semester (1936/37) in Heidelberg und Berlin (bei Eduard Schwyzer) fort. Nach einigen Jahren im Schuldienst wurde S. 1942 Lektor für Griechisch an der Univ. Budapest, wo er sich 1944 mit einer Arbeit über die balto-slav. Spracheinheit (Sur l’unité linguistique balto-slave, in: Études Slaves et Roumaines 1, 1948, S. 65–85 u. 159–73) für Indogerman. Sprachwissenschaft habilitierte und 1947 Professor für dieses Fach wurde. Im Juni 1948 verließ er mit Frau und Sohn Ungarn in Richtung Italien, von wo er im Sept. 1948 aus politischen Gründen nach England emigrierte. Erst 1952 konnte er in London wissenschaftlich wieder Fuß fassen; er wurde Lecturer für Griechisch und Vergleichende Sprachwissenschaft, 1958 Reader und schließlich 1960 Full Professor am University College. Von 1965 bis zur Emeritierung 1981 lehrte S. als o. Professor für Allgemeine und Indogerman. Sprachwissenschaft in Freiburg (Br.), wo er eine äußerst produktive Lehr- und Forschungstätigkeit entwickelte. Das erste größere Buch, das S. infolge der ungünstigen Zeitumstände erst spät zum Abschluß bringen konnte (Studies in the Indo-European System of Numerals, 1960), hatte die Bildung der Zehnerzahlen und der Ordinalzahlen zum Thema. Schon hier zeichnet sich als ein charakteristischer Zug aller Arbeiten S.s ab, daß er scharf trennt zwischen dem (Spät-)Indogermanischen, das durch Vergleichung der historisch bezeugten Einzelsprachen als deren unmittelbare Vorstufe rekonstruiert werden kann, und dessen älteren Entwicklungsphasen (Früh-, Mittel-Indogermanisch), die nur durch interne Rekonstruktion aus der spätindogerman. Grundsprache heraus zu erschließen sind. S.s Werke sind dadurch gekennzeichnet, daß sein Rekonstruktionsverfahren sowohl retrospektiv (von den Einzelsprachen zur Grundsprache hin) wie auch prospektiv orientiert ist (die geschichtliche Entwicklung durch die Zeiten nachzeichnend).

    Zahlreiche Arbeiten widmete er der indogerman. Lautlehre und Morphologie. Einzelne Bereiche erforschte er systematisch anhand des gesamten erreichbaren Belegmaterials (z. B. Syncope in Greek and Indo-European and the Nature of Indo-European Accent, 1964) und eröffnete dabei neue Wege. Da er sowohl über das Indogermanische als Ganzes wie auch über nahezu alle indogerman. Einzelsprachen (schwerpunktmäßig aber über Lateinisch, Griechisch und Iranisch) arbeitete und über eine stupende Kenntnis der Forschungsliteratur verfügte, wurde die „Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft“ (1970, 41990, span. 1978, russ. 1980, ital. 1985, engl. 1996) sein international einflußreichstes und erfolgreichstes Werk.

    Am meisten beschäftigte sich S. mit Etymologie. Dabei löste er nicht nur Einzelprobleme, sondern erörterte auch prinzipielle Fragen der etymologischen Methode (v. a. in: Scripta Minora, 1987, S. 40–77). S. legte größten Wert auf die Methodologie der Sprachvergleichung (Methodology of genetic linguistics, in: Enz. d. geisteswiss. Arbeitsmethoden, 4. Lfg.: Methoden der Sprachwiss., 1968, S. 3–38). Eine Sonderstellung in seinem Œuvre nehmen die „Studies in the Kinship Terminology of the Indo-European Languages, with Special Reference to Indian, Iranian, Greek, and Latin“ (1977) ein, in denen er nicht nur einschlägige Termini neu deutet, sondern auch eine Untersuchung des Gesamtsystems aus anthropologischer Sicht anschließt, die dieses System als dem Prinzip des Avunkulats entsprechend nachweist.

    In dem gewaltigen Gesamtwerk S.s finden sich zudem wichtige Studien zu den anatol. Sprachen, zum Armenischen, Germanischen und Gallischen, schließlich zur Sprachtypologie und zur Geschichte der Sprachwissenschaft. Die zwei Bände über „Richtungen der modernen Sprachwissenschaft“ (1971/82), in denen er die Entwicklung der Allgemeinen Sprachwissenschaft seit Ferdinand de Saussure (1916) nachzeichnet, ergänzte er für den Bereich der Indogermanistik (Comparative Linguistics, in: Current Trends in Linguistics, hg. v. Th. A. Sebeok, Bd. 9, 1972, S. 119–95).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Ungar. Ak. d. Wiss. (korr. 1948–49, 1989 rehabilitiert, o. Mitgl. 1991) u. d. British Ac. (1982); Ehrenmitgl. d. Linguistic Soc. of America (1989).

  • Werke

    Weitere W u. a. Trends and Tasks in Comparative Philology, 1962;
    Four Old Iranian Ethnic Names, Scythian-Skudra-Sogdian-Saka, 1980;
    Scripta Minora, Selected Essays in Indo-European, Greek, and Latin, hg. v. P. Considine u. J. T. Hooker, 4 Bde., 1987–91 (W-Verz., P);
    An d. Quellen d. lat. Wortschatzes, 1989;
    Summing up a Life, Autobiogr. u. Schrr.verz., hg. v. B. Brogyanyi, 1992 (W-Verz., P);
    L Studies in Diachronic, Synchronic, and Typological Linguistics, FS z. 65. Geb.tag, hg. v. B. Brogyanyi, 2 Bde., 1979 (W-Verz., P);
    Papers in Honor of O. S., hg. v. dems. u. R. Lipp, 3 Bde., 1992–93;
    B. Brogyanyi, in: Philologia Fenno-Ugrica 2–3, 1996/97, S. 53–79 (W-Verz.);
    ders., in: Eurasian Studies Yearbook 72, 2000, S. 161–64;
    K. McCone, in: Kratylos 43, 1998, S. 220–22;
    Kürschner, Gel.Kal. 1996 mit CD-ROM (W-Verz.);
    Lex. Grammaticorum (L).

  • Autor/in

    Rüdiger Schmitt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitt, Rüdiger, "Szemerényi, Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 745-746 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799606.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA