Lebensdaten
1803 – 1880
Geburtsort
Kandern (Baden)
Sterbeort
Washington, District of Columbia
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Gründer der Kolonie Neu-Helvetien ; Kolonisator
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118757938 | OGND | VIAF: 47557656
Namensvarianten
  • Sutter, John Augustus
  • Suter, Johann August (eigentlich)
  • Sutter, Johann August
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Zitierweise

Sutter, Johann August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757938.html [23.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Jacob Suter (* 1776), Vorsteher bzw. Vorarbeiter in d. Heuslerschen Papierfabr. in K., S d. Johann Jacob (* 1742), 1757 Papiermacher in Basel, u. d. Sophie Elisabeth Simon;
    M Christine Wilhelmine (* 1777/81), aus Grenzach (Baden), T d. Johann Adam Stober (1740–1808, Pfarrer, u. d. Christina Kurz;
    B Jakob Friedrich (1808–44, Marie Sophie Dübeld);
    Burgdorf (Kt. Bern) 1826 Annette (Anna) (1805–81), T d. Simon Dübeld u. d. Rosina Rieb;
    4 S (1 früh †) Johann August (John A.) (* 1826, 1] 1850 Marı̀a del Carmen Rivas, 2] 1894 Nicolasa Solı̀), folgte 1848 S. n. Kalifornien, verwaltete bis 1851 dessen Anwesen in Neu-Helvetien, maßgeblich beteiligt an d. Gründung v. Sacramento City, später Kaufm. in Acapulco, US-Konsul ebd., gab S.s Tagebücher u. Erinnerungen heraus (s. HLS; L), Emil Victor (1830–81), zuletzt in Ostende (Belgien), William Alphons (1832–63, Pauline Stootz), 1 T Anna Elisa (1828–95, Francis Xavier Link, Dr., in Acapulco, Mexiko).

  • Biographie

    S. verbrachte seine Kindheit in Kandern. Nach vierjähriger kaufmännischer Lehre in der Thurneysen’schen Druckerei und Verlagsbuchhandlung in Basel wurde er 1823 in einer Tuchhandlung in Aarburg, wenige Jahre später in einer Spezereihandlung in Burgdorf angestellt. Nach seiner Heirat kaufte er dort 1828 mit Mitteln seiner Schwiegermutter ein Haus und eröffnete die Tuch- und Kurzwarenhandlung „Johann August Sutter & Cie“. Zwischen 1828 und 1834 wurde er 2., dann 1. Unterlieutenant der Infanterie in der bern. Reserve. Mangelnde kaufmännische Begabung und die Tatsache, daß S. über seine Verhältnisse lebte, führten 1834 zum Hausverkauf an seine Schwiegermutter und zum Konkurs. Steckbrieflich gesucht, floh S. im Mai 1834 über Le Havre in die USA und ließ Frau und fünf kleine Kinder sowie Schulden von ca. 51 000 Franken zurück. Diese Umstände verschwieg S. in seinen Lebenserinnerungen.

    Über New York gelangte er nach St. Louis und ließ sich 1834/35 in St. Charles 20 Meilen flußaufwärts am Missouri nieder. Er organisierte zwei Handelskarawanen nach Santa Fé, versuchte sich in Westport bei Kansas City als Hotelier und floh im Frühjahr 1838 vor seinen Gläubigern nach Kalifornien, wo er im Juli 1839 in Yerba Buena (heute San Francisco) eintraf und vom mexikan. Gouverneur Land im unerschlossenen Sacramento Valley zugewiesen erhielt und mit dem Aufbau seiner Kolonie Neu-Helvetien begann. Er arrangierte sich mit den benachbarten Indianerstämmen, deren Arbeitskraft er rücksichtslos ausbeutete. Nach Zuerkennung des mexikan. Bürgerrechts 1840 wurde S. in Neu-Helvetien Vertreter der Provinzverwaltung. Systematisch erweiterte er seinen Besitz: Nach der formellen Schenkung des Landes durch Gouverneur Juan Bautista Alvarado y Vallejo (1809–82) 1841 erwarb S. im selben Jahr die Besitzrechte des russ. Fort Ross und vergrößerte seinen Landbesitz 1845 um das Dreifache auf etwa 600 km². Der Schwerpunkt der Kolonie lag auf der Landwirtschaft.

    S.s Gründung Neu-Helvetien spielte für die angloamerik. Erschließung und Eroberung Kaliforniens eine zentrale Rolle. Sie galt als Anlaufstation für aus dem Osten ankommende Siedler; S.s Gastfreundschaft war legendär. Aber auch der Expeditionsleiter und spätere Führer der amerik. Aufständischen in Kalifornien, John C. Frémont (1813–90), besuchte 1844 Fort Sutter und requirierte es 1845 zeitweise für sich, da er dem die mexikan. Regierung vertretenden S. mißtraute. Neu-Helvetien zerbrach an den Auswirkungen des mexikan.-amerik. Krieges und der Goldfunde an S.s Sägemühle seit 1848. Zunehmend wurde die Kolonie Handels- und Versorgungsposten für Goldsucher, die Ernte und Viehbestand plünderten. S.s im August 1848 eingetroffener ältester Sohn konnte den wirtschaftlichen Ruin nicht verhindern. Mit der Einverleibung Kaliforniens als Bundesstaat in die USA 1850 wurden S.s Ansprüche auf seinen Grundbesitz nur teilweise anerkannt. Er kämpfte lange vergeblich um seine Rechte durch verschiedene Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof (1858).

    Eklatant ist der Widerspruch zwischen S.s wirtschaftlicher Lage als zuletzt verarmter Farmer und seiner Rolle als Galionsfigur des amerik. Pioniergeistes. 1865 zog er mit seiner Familie, die seit 1850 bei ihm lebte, nach Washington, wo er versuchte, seine Ansprüche vor Gericht und per Petition vor dem amerik. Kongreß durchzusetzen, was aber nicht gelang.

  • Werke

    Neu-Helvetien, Lebenserinnerungen d. Gen. J. A. S., Nach d. Hss. erzählt v. E. G. Gudde, 1934. L John A. Sutter, The Diary of J. A. S., 1932;
    J. P. Zollinger, J. A. S., d. Kg. v. Neu-Helvetien, ²1938, Nachdr. 2003;
    R. Dillon, Fool`s Gold, Captain John S., Sacramento Valley`s Sainted Sinner, 1981;
    Ch. Bowman, John S. Revisited, New West Historians Portray S. in Less Heroic Light, 1990;
    K. N. Owens (Hg.), John S. and a Wider West, 1994;
    B. R. Bachmann, Gen. J. A. S., Ein Leben auf d. Flucht nach vorn, 2005;
    A. L. Hurtado, John S., A Life on the North American Frontier, 2006;
    H. Lienhard, „Wenn Du absolut nach Amerika willst, so gehe in Gottesnamen!“, Erinnerungen an d. California Trail, John A. S. u. d. Goldrausch 1846–1849, hg. v. Ch. Landert, 2010, ²2011;
    DAB;
    ANB;
    HLS.

  • Autor/in

    Hartmut Keil
  • Zitierweise

    Keil, Hartmut, "Sutter, Johann August" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 716-717 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757938.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA