Lebensdaten
1655 bis 1720
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
Peking
Beruf/Funktion
Jesuit ; Missionar in China
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118619705 | OGND | VIAF: 35249602
Namensvarianten
  • Stumpf, Johann Kilian
  • Stumpf, Johannes Kilian
  • Stumpf, Zhilian
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Zitierweise

Stumpf, Kilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619705.html [19.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Sebastian, Krämer in Laub (Franken), später in W.;
    M Anna Maria Störling;
    3 B, 4 Schw.

  • Leben

    S. trat 1673 als Novize in den Jesuitenorden ein und legte 1689 die Ordensgelübde ab. Im selben Jahr ging sein Wunsch um Verwendung in der „Heidenmission“ in Erfüllung. Eine strapaziöse und langwierige Reise führte ihn über Madrid, Lissabon und Mosambik zunächst nach Goa, wo er 1692 eintraf. Hier schloß er sich dem vom chin. Kaiser Kangxi hochgeschätzen ital. Jesuiten Claudio Filippo Grimaldi an, mit dem er im Juni 1694 nach Macao gelangte, wo S. erstmals die Auswirkungen der nationalen Gegensätze unter den in der China-Mission tätigen Jesuiten erlebte. Auf Verlangen der lokalen portugies. Ordensoberen mußte S. in Kanton zurückbleiben. Grimaldi hatte jedoch zahlreiche, für den chin. Kaiser bestimmte math.astronom. Instrumente zurückgelassen, die durch die lange Seefahrt unbrauchbar geworden waren. Als der an Wissenschaft und Technik überaus interessierte Kangxi hörte, daß S. sie mit großem Geschick instandgesetzt hatte, ließ er ihn nach Peking holen.

    Dank seiner Fertigkeiten genoß S. bald das Wohlwollen des Kaisers. Er restaurierte Hunderte von geometr. und astronom. Instrumenten und gab in einer von ihm hierzu eingerichteten Gießerei Unterweisungen in metallurgischen Techniken. 1697 errichtete er eine Werkstatt mit Glasschmelzöfen, in der er die durch die Alchemisten der Barockzeit entwickelten Neuerungen der Glasgewinnung sowie die Technik der Emaillierung von Glasgefäßen vermittelte. Auch war S. zeitweise bei den Landvermessungen beteiligt, welche die Jesuiten seit 1708 durchführten. In jenen Jahren half er auch bei der Berechnung eines neuen Kalenders im ksl. math.-astronom. Amt, dessen Leitung er 1711 übernahm.

    Zu den nationalen Unstimmigkeiten unter den Jesuiten kam die seit Jahrzehnten geführte heftige Auseinandersetzung um den religiösen Charakter der Konfuziusverehrung, des Ahnenkults und bestimmter chin. Termini. Die Mehrheit der Jesuiten, auch S., sah hier nur gesellschaftliche Riten ohne religiösen Gehalt, die man durch geschickte Anpassung (Akkommodation) überwinden bzw. nutzen könne, doch gab es heftige Angriffe anderer kirchlicher Gruppen in China und Europa. S., der inzwischen auch das Vertrauen der portugies. Ordensoberen genoß, führte den schwierigen Schriftverkehr mit der Römischen Generalkurie. Hunderte von Briefen bezeugen seine hervorragenden Mandschu- und Chinesischkenntnisse, sein Einfühlungsvermögen und das Bemühen um Höflichkeit trotz aller Schärfe. Daneben verfaßte S. theol. Streitschriften und protokollierte 1705 die Aktivitäten des päpstl. Legaten Maillard de Tournon.

    Mit dem päpstl. Ritenverbot von 1704 verschlechterte sich die Lage der Missionare in China zunehmend. S., der 1714 zum „Visitator“ gewählt worden war und damit an der Spitze der Jesuiten in China stand, versuchte, die Umsetzung des Edikts zu verzögern und einen Meinungsumschwung in Europa zu bewirken, doch die Angriffe aus Rom auf ihn und die Jesuiten nahmen zu. Seine 1717 auf chin. Reispapier gedruckte Schrift „Informatio pro Veritate“ wurde auf den Index gesetzt, und die Glaubenskongregation (Sacra Congregatio de Propaganda Fide) verlangte seine Absetzung. Diese Belastungen und eine allgemeine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes führten dazu, daß S. sich 1719 vom Vorsitz des math. Amtes entbinden ließ. Im Sommer des folgenden Jahres starb er und wurde auf dem noch heute existierenden Friedhof der Jesuiten in Zhalan beigesetzt.

    Durch die Indizierung der „Informatio“ und das 1742 erneuerte Verbot der chin. „Riten“ durch die päpstl. Bulle „Ex quo singulari“ geriet S. in Vergessenheit und wurde erst Ende des 19. Jh. wieder wahrgenommen. Heute zählen seine Schriften und Materialien, besonders die „Acta Pekinensia“ mit ihren zahlreichen Berichten, Auszügen aus Briefen und Übersetzungen chin. Dokumente zu den herausragenden Quellen bei der Erschließung des „Ritenstreits“ und der damaligen Lage in China.

  • Werke

    Weitere W Acta Pekinensia sive Ephemerides Historiales eorum quae Pekini acciderunt, 1705–12 (Ms. Jesuitenarchiv, Rom);
    Succincta Chronologica Relatio et historia Missionis Sinensis, 1710;
    Kiliani Stumpfii ex Societate Jesu Visitatoris Compendium Actorum Pekinensium Annis 1715, 1716, 1717 (Ms. Jesuitenarchiv, Rom).

  • Literatur

    S. Reil, K. S., 1655–1720, e. Würzburger Jesuit am Ks.hof zu Peking, 1978;
    E. B. Curtis, European|Contributions to the Chinese Glass of the Early Qing Period, in: Journal of Glass Studies, 35, 1993, S. 91–101;
    Cl. v. Collani, P. K. S. SJ, Nachfolger d. hl. Kilian in China, in: Würzburger Diözesan-Gesch.bll. 51, 1989, S. 545–67;
    dies., K. S., Mediator between Wurzburg and China, in: Huang Shijian (Hg.), Dongxi Jaoliu Luntan, Bd. 2, 2001, S. 259–76;
    BBKL XI (W, L);
    Qu
    Univ.bibl. Würzburg.

  • Autor/in

    Wolfgang Michel
  • Empfohlene Zitierweise

    Michel, Wolfgang, "Stumpf, Kilian" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 651-652 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619705.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA