Lebensdaten
1767 bis 1807
Geburtsort
Görlitz
Sterbeort
Görlitz
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100594654 | OGND | VIAF: 7735208
Namensvarianten
  • Struve, Christian August
  • Struve, C. A.
  • Struve, Christian A.
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Zitierweise

Struve, Christian August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100594654.html [25.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus thür. Gelehrtenfam.;
    V Benjamin August (1721–89, um 1740 Apotheker in G. (s. G. F. Otto, Lex. d. [ . . . ] Oberlausiz. Schriftst. u. Künstler, III, 1803), S d. Ernst Gotthold († 1743), Dr. med., Stadt- u. Landphysicus in Prenzlau (Neumark), Leibarzt d. Hzg. Karl Peter Ulrich v. Holstein-Gottorp, begleitete diesen 1740 n. St. Petersburg;
    M Gottliebe Elisabeth Christiane Naumann;
    Ov Ernst Friedrich (1739–1806, Arzt, Apotheker (s. Gen. 2);
    1791 Henriette Caroline Ehalt (1769–1827);
    4 S, 2 T; N Friedrich Adolf (s. 2).

  • Leben

    Das 1786 in Leipzig begonnene Medizinstudium schloß S. 1790 mit der Promotion „De terroris in corpus humanum vi“ ab und übernahm im selben Jahr die väterliche Apotheke in Görlitz. Seit 1794 belieferte er die städt. Hospitäler mit Medikamenten. S.s zahlreiche Veröffentlichungen, die sich nicht nur an Ärzte, sondern auch an Patienten und Hilfskräfte richteten, zeigen sein großes Engagement für die öffentliche Gesundheitspflege und das Rettungswesen. Die allgemeine Gesundheitserziehung und die gesundheitliche Aufklärung auch der med. Laien war ein wichtiger Teil seiner Tätigkeit. Seine in vielen „Noth- und Hülfstafeln“ gegebenen Ratschläge spannten einen weiten Bogen von der Behandlung und Pflege pockenkranker Kinder über Erste-Hilfe-Maßnahmen bis hin zu Anweisungen für Hebammen und werdende Mütter.

    Im ausgehenden 18. Jh. wüteten in Deutschland die Pocken. Zu den schwersten Seuchenausbrüchen kam es 1788 in Weimar, 1794 in Hamburg und 1795 in Berlin. Schon seit dem 17. Jh. war eine Pockenimpfung mit aus humanen Pusteln gewonnener Lymphe bekannt und wurde auch stellenweise erfolgreich durchgeführt. Die Impfärzte („Inoculatoren“) kamen vornehmlich aus England nach Deutschland. Allerdings verlangten sie ein hohes Salär, was einer weiten Verbreitung der Methode im Wege stand; zudem leugneten viele Ärzte den ansteckenden (kontagiösen) Charakter der Pocken, sodaß die von dem Hygienepionier Johann Friedrich Struensee (1737–72) geforderte Sorgfalt in der Durchführung der Impfung häufig unterblieb und diese zur Infektionsquelle wurde. 1798 veroffentlichte Edward Jenner in England seine systematischen Untersuchungen über die „Vaccination“, die Pockenschutzimpfung mit Kuhpocken, die für den Menschen wesentlich ungefährlicher sind als menschliche Pocken. 1801 berichtete S. in der „Lausitzischen Monatsschrift“ und im „Reichsanzeiger“ über seine Kuhpockenimpfungen im Raum Görlitz. Auch bei dieser Art der Pockenschutzimpfung beschränkte sich S. nicht auf den rein med. Aspekt. Vielmehr wandte er sich auch an die Eltern und die Geistlichkeit, mit der Forderung, sich für das Wohl der Kinder einzusetzen und sich für die Impfung zu entscheiden. Seine soziale Einstellung zeigte sich auch darin, daß er die Kinder armer Eltern kostenlos impfte. Überhaupt galten seine ärztlichen und wissenschaftlichen Interessen auch dem Kinde und seiner Gesunderhaltung. So veröffentlichte S. die „Hülfs- und Nothtafeln von den Mitteln, Kinder gesund zu erhalten“ (in: Lausitz. Mschr., 1796) und das „Neue Handbuch der Kinderkrankheiten, besonders zum Gebrauch für Eltern und Erzieher“ (1797).

    S. befaßte sich auch mit der Wirkung der Elektrizität auf den menschlichen Körper|und erfand mit dem „Galvanodesmus“ ein Gerät, das besonders geeignet sein sollte, den Scheintod zu diagnostizieren, „um das Lebendigbegraben zu verhüten“. Über den Erfolg des Geräts ist nichts bekannt. Viele seiner Schriften wurden in fremde Sprachen übersetzt (ins Sorbische, Mährische, Holländische u. Englische). Auch übersetzte er engl. Publikationen ins Deutsche (z. B. Fothergill’s Winke über d. Rettungsmittel bey plötzlich gehemmter Lebenskraft, aus d. Engl. mit Anmerkungen, 1800; William Blair, Neueste Erfahrungen über d. vener. Krankheit, 1801).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Oberlausitz. Ges. d. Wiss. (1792) u. d. Schweizer. Ges. corr. Ärzte u. Wundärzte (1795);
    Ehrenmitgl. d. Leipziger Ökonom. Soz. u. d. engl. Medical Soc. (1800).

  • Werke

    Hebammentafel, oder allg. Übersicht d. Verhaltens d. Hebammen u. Mütter bey natürl. Geburten, 1795;
    Über einige Mittel u. Erfordernisse z. Verlängerung d. Lebens, 1796, engl. in: Medical Review and Magazine, 1799, S. 475 ff.;
    Übersicht d. Rettungsmittel in plötzl. Lebensgefahren, z. Gebrauche f. Wundärzte, 1795;
    Noth- u. Hülfstafeln z. Verminderung d. Pockenelends, in: Lausitz. Mschr., 1797;
    Verdienste d. Geistlichen um d. wohltätige Kuhpockenimpfung, Schreckl. Verheerungen durch d. Menschenblattern, ebd., 1803;
    Neues Hdb. d. Kinderkrankheiten, bes. z. Gebrauch f. Eltern u. Erzieher, 1797;
    Versuch über d. Kunst, Scheintodte zu beleben, u. über d. Rettung in schnellen Todesgefahren, 1797;
    Wie können Schwangere sich gesund erhalten u. e. frohe Niederkunft erwarten?, 1800;
    Anltg. z. Kenntnis u. Impfung d. Kuhpocken nebst e. Reihe eigener Beobachtungen über diesen Gegenstand, 1802;
    System d. med. Electricitätslehre mit Rücksicht auf d. Galvanismus, 1802.

  • Literatur

    D. Tutzke, Der Görlitzer Arzt C. A. S., e. Gesundheitserzieher an d. Wende z. 19. Jh., in: Prophylaxe 1, 1954, S. 272–76 (P, L);
    ders., C. A. S., Leben u. Werk e. Görlitzer Arztes im Dienst d. Humanismus d. Aufklärungszeit, 1957 (P);
    H. Fietze, Herausragende Bürger unserer Heimatstadt aus d. Zeit d. 15. bis 20. Jh., 1996, S. 63 f.;
    I. Seltmann, C. A. S., Arzt u. Gesundheitserzieher, in: Stadt-Bild, Görlitzer Gesch. leben 31, 2005, S. 38 f.;
    G. F. Otto, Lex. d. Oberlausitzer Schriftst. u. Künstler, III, 1803, S. 345–52;
    BLÄ;
    Pogg. II, VII a Suppl.;
    Biogr. Lex. Pflegegesch. II.

  • Autor/in

    Ekkehart Rumberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Rumberger, Ekkehart, "Struve, Christian August" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 602-603 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100594654.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA