Lebensdaten
1824 – 1862
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Stapleton (Staten Island, New York, USA)
Beruf/Funktion
Schriftstellerin ; Journalistin ; Revolutionärin ; Feministin
Konfession
-
Normdaten
GND: 117349062 | OGND | VIAF: 20455397
Namensvarianten
  • Struve, Elise Ferdinande Amalie
  • Struve, Elise Ferdinandine Amalie
  • Siegrist, Amalie (geborene)
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Zitierweise

Struve, Amalie (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117349062.html [05.12.2022].

CC0

  • Genealogie

    Außerehel. V N. N., adliger Offz.;
    M Elisabeth(a) (1801/04?–1850), T d. Bernhard Siegrist (um 1759–1825, Kupferstecher, Pastetenbäcker, u. d. Felicitas Schwarz ( spätestens 1807); seit 1827 Stief-V Johann Friedrich Düsar (um 1785–1856), Sprachlehrer;
    B Peter Josef (Pedro) Düsar (* 1828), Schriftsetzer in London;
    Mannheim 1845 Gustav (v.) Struve (s. 2; W);
    3 T (1 früh †) Damajanti (1860–1937), Sprachlehrerin in Leipzig, Amalie (1862–1917 während d. Russ. Rev., 1] ? Johann Lumann, Ing. in Moskau, 2] K. Salzmann, in Riga).

  • Biographie

    S. wuchs zunächst als uneheliches Kind, später nach der Heirat ihrer Mutter in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Mannheim auf. Sie erhielt eine fundierte Ausbildung und konnte sogar ein privates Mädcheninstitut besuchen. Seit 1839 arbeitete sie als Lehrerin vorwiegend bei engl. Familien und war 1844/45 als Erzieherin in Hattersheim bei Frankfurt/M. tätig. Nach Mannheim zurückgekehrt, lernte sie während ihrer Stellensuche im Sept. 1845 Gustav Struve kennen und heiratete ihn noch im Nov. 1845. Durch ihren Ehemann kam S. in Kontakt mit vielen bekannten und einflußreichen Persönlichkeiten, u. a. dem Abgeordneten Friedrich Hecker (1811–81), entwickelte ein immer stärkeres politisches Interesse und wurde zu einer engen Mitarbeiterin ihres Mannes. Da Frauen die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen und die Mitgliedschaft in Vereinen weitgehend verboten war, mußte sie sich bis zum Ausbruch der Revolution 1848 mit der Rolle einer passiven Beobachterin begnügen. Dann aber avancierte sie zu einer engagierten Verfechterin republikanischer Ideen und zu einer der bekanntesten Akteurinnen der Aufstandsbewegungen. Sie nahm an allen drei Erhebungen 1848/49 im Ghzgt. Baden teil, und dokumentierte diese eindrucksvoll in ihren „Erinnerungen aus den bad. Freiheitskämpfen“ (1850), bis heute eine ihrer am stärksten rezipierten Schriften.

    Für S. war die Zielsetzung der 1848/49 als Ideal propagierten demokratischen Staatsordnung untrennbar mit der Gleichberechtigung der Geschlechter verbunden. In ihrem knapp zweijährigen Exil in London, wohin sie 1849 gemeinsam mit ihrem Mann geflüchtet war, pflegte sie v. a. mit Johanna (1810–58) und Gottfried Kinkel (1815–82) freundschaftlichen Umgang, konnte sich aber weder beruflich noch gesellschaftlich etablieren. Schließlich wanderte das Paar 1851 nach Amerika aus. Von nun an widmete sich S. intensiv ihrer schriftstellerischen und journalistischen Arbeit, in der sie den aus der Revolution transportierten und frauenemanzipatorisch erweiterten Freiheitsbegriff zum zentralen Leitgedanken erhob. In ihren zahlreichen Artikeln, die in der von Gustav Struve 1851/52 in New York herausgegebenen Zeitschrift „Deutscher Zuschauer“ und 1858/59 in „Sociale Republik“ (Hg.: Der Arbeiterbund in New York) erschienen, befaßte sie sich mit Frauen der Franz. und Dt. Revolution, um sie als politische Vorbilder zu würdigen. Von ihren Werken der politischen Belletristik ist v. a. ihr Roman „Eine Proletarierin“ (Sociale Republik, Nr. 1–20, 1858) hervorzuheben, in dem sich die weibliche Hauptfigur zu einer Heldin der bad. Revolution entwickelt. S.s besonderes Anliegen war es, die Gleichheit der Rechte als ein Menschenrecht für Frauen einzufordern, etwa in den Artikeln „Die Frauen“ (Dt. Zuschauer, Nr. 1) und „Die Stellung der Frauen im Leben“ (Dt. Zuschauer, Nr. 25). In ihrer Programmatik steht S. damit nicht nur einer von der Dt. Revolution geprägten weiblichen Emanzipations-, sondern auch der amerik. Frauenrechtsbewegung nahe. Deren Entwicklung verfolgte S. genau, doch sind entsprechende Kontakte bislang nicht nachgewiesen. Ungeklärt ist auch S.s Verbindung zu ihrer Exil- und Gesinnungsgenossin Mathilde Franziska Anneke (1817–84), die zu den aktivsten Mitstreiterinnen der amerik. Frauenrechtsbewegung des radikalen Flügels um Elizabeth Cady Stanton (1815–1902) und Susan Brownell Anthony (1820–1906) gehörte. Ebenfalls kaum Erkenntnisse gibt es über die „Freie Deutsche Schule“ in New York, an deren Gründung S. im Herbst 1858 beteiligt war.

    In ihren letzten Lebensjahren lebte S. vorwiegend in Stapleton auf Staten Island, wohin sie im Mai 1859 von New York zurückgekehrt war und in den kommenden Jahren drei Töchter zur Welt brachte. S. starb 1862 an den Folgen der Geburt ihrer dritten Tochter.

  • Quellen

    Qu polizeil. Unters.akten: StA Freiburg (Br.); Familienbögen u. e. Brief: StadtA Mannheim, Polizeipräsidium, Zug; Gen.landesarchiv Karlsruhe.

  • Werke

    Hist. Zeitbilder (darin u. a. Westminster, Héloïse Desfleurs, Der Fall v. Magdeburg), 3. Bde., 1850;
    Gedenkbll.: I. Das bad. Volk (G. S.). II. Träume (A. S.), hg. v. demokrat. Ver. Bremen, 1850 (mit Gustav Struve), Nachdr. u. d. T.: Erinnerungen aus d. bad. Freiheitskämpfen, in: Heftiges Feuer, Die Gesch. d. bad. Rev., hg. v. I. Götz v. Olenhusen, 1998, S. 19–114;
    journalist.-belletrist. Artikel
    u. a. Eine Republikanerin (über Jeanne Marie [Manon] Roland), in: Dt. Zuschauer, Juli /Aug. 1851;
    dieser u. weitere Btrr. nachgedr. in: M. Marcello-Müller (Hg.), Frauenrechte sind Menschenrechte! Schrr. d. Lehrerin, Revolutionärin u. Literatin A. S., 2002 (Qu, P);
    – Nachlaß: BA Koblenz.

  • Literatur

    D. Herzog, Intimacy and Exclusion, Religious politics in pre-revolutionary Baden, 1996;
    Rev. im Südwesten, Stätten d. Demokratiebewegung 1848/ 49 in Baden-Württ., hg. v. d. Arb.gemeinschaft hauptamtl. Archivare im Städtetag Baden-Württ., 1997, S. 402;
    H. Raab, Revolutionäre in Baden 1848/49, 1998 (Qu);
    W. Sauter, „. . . ich will es, wenn Du zum Besten der großen Sache stirbst.“, Paare auf d. Weg z. Rev., in: Frauen in d. bürgerl. Rev. v. 1848/49, hg. v. J. Ludwig u. a., (1998), S. 161–79;
    I. Götz v. Olenhusen, Gustav Struve – A. S., Wohlstand, Bildung u. Freiheit f. alle!, in: Die Achtundvierziger, Lb. aus d. dt. Rev. 1848/49, hg. v. S. Freitag: 1998, S. 63–80;
    M. Marcello-Müller (Hg.), Frauenrechte sind Menschenrechte! (s. W), S. XIII–XXXII;
    M. Freund, Mag der Thron in Flammen glühn! Schriftstellerinnen u. d. Rev. v. 1848/49, 2004 (Qu, W);
    dies., A. S. (1824–1862), Revolutionärin u. Schriftstellerin, ihr doppelter Kampf um Freiheits- u. Frauenrechte, in: Akteure 1848/49, S. 689–732 (P);
    Wedel, Autobiogrr. Frauen.

  • Porträts

    Kupf. (?) A. u. Gustav S. (Hist. Mus. d. Stadt Hanau, Schloß Philippsruh), Abb. in: F. X. Vollmer, Der Traum v. d. Freiheit, Vormärz u. 48er Rev. in Süddtld. in zeitgenöss. Bildern, 1983, S. 127;
    Abb. in: 1848/49, Rev. d. dt. Demokraten in Baden, hg. v. Bad. Landesmus. Karlsruhe, 1998, S. 336;
    (Mannheim, Städt. Reiß-Mus.).

  • Autor/in

    Marion Freund
  • Zitierweise

    Freund, Marion, "Struve, Amalie" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 601-602 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117349062.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA