Lebensdaten
1750 bis 1828
Geburtsort
Lumpzig bei Altenburg (Thüringen)
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Übersetzer ; Hofmann ; Weimarer Beamter
Konfession
lutherisch?
Normdaten
GND: 118681818 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Einsiedel, Friedrich Hildebrand Freiherr von
  • Einsiedel, Friedrich H. von
  • Einsiedel, Friedrich Hildebrand

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Zitierweise

Einsiedel, Friedrich Hildebrand Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118681818.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    B August s. (1); ledig.

  • Leben

    Mit 11 Jahren kam E. als Page an den Hof Anna Amalias. 1768 begann er in Jena das Studium der Rechtswissenschaften. Als Karl August 1775 die Regierung übernahm, wurde er Hofrat, im folgenden Jahr Kammerherr der Herzoginwitwe. Sein ganzes Leben verbrachte er im weimarischen Hofdienst. Er gehörte in Goethes ersten Weimarer Jahren zum Kreis der übermütigen Freunde und blieb ihm auch späterhin durch mancherlei literarische Interessen, die sich insonderheit auf das Theater bezogen, verbunden. Für den Tiefurter Kreis redigierte E. 1781-84 dessen handschriftliches Journal und begleitete Anna Amalie 1788/89 auf ihrer Italienreise. Mit einem natürlichen geselligen Talent begabt, das ihn überall liebenswert machte, war er im Letzten doch ein einsamer Mensch. Auf allen Gebieten seiner geistigen Betätigung zeigte er sich als Dilettant, fast durchweg jedoch im guten Sinn, darin von Goethe und Schiller anerkannt. Sein dichterisches Talent stellte er ebenso in den Dienst der höfischen Geselligkeit wie seine Neigung zur Schauspielkunst, an deren theoretischer Begründung er sich im Verein mit einer Analyse Hamlets und Falstaffs 1796 versuchte. Er baute dabei auf Voraussetzungen des 18. Jahrhunderts, Anregungen Goethes und ihm brieflich mitgeteilten Gedanken Jean Pauls auf. Für die weimarische Bühne entfaltete er eine ausgebreitete Übersetzertätigkeit, die Terenz, Plautus, Molière, Calderon und Goldoni umfaßte. In einem an Emilie von Werthern gerichteten philosophischen Selbstbekenntnis wandte er sich scharf gegen die Offenbarungsreligion, setzte Natur und Gott einander entgegen wie Materie und Geist und pries als erlösende Erkenntnis eine philosophische Religion des Lebens und Gefühls. - Nach dem Tode Anna Amalias (1807) übernahm er das Hofmeisteramt bei der regierenden Herzogin, 1817 das Präsidium des Appellationsgerichts in Jena. Er starb am Begräbnistag Karl Augusts.

  • Werke

    Ceres (Vorspiel), Weimar 1774;
    Das Buch vom schönen Wedel, 1779, Neudr. z. Leipziger Bibliophilentag v. A. Kippenberg u. C. Schüddekopf, 1908;
    Neueste vermischte Schrr., 2 Bde., Dessau 1783/84;
    Grundlinien z. e. Theorie d. Schauspielkunst, Leipzig 1797, Neudr., hrsg. v. A. Kippenberg u. C. Schüddekopf, 1908;
    Lustspiele d. Terenz, in freien metrischen Überss., 2 Bde., ebd. 1806;
    Leben u. Entwicklung m. Inneren, in: Jb. d. Slg. Kippenberg 9, 1931, S. 247-61; Poetische Btrr. in: Wielands „Dschinnistan“ (1786–89), Schillers Hören, Wielands Dt. Merkur, im Journal v. Tiefurt u. a. Zss.

  • Literatur

    ADB V;
    C. W. v. Fritsch, in: Weimars Album z. 4. Säkularfeier d. Buchdruckerkunst, 1840, Neudr. in: Jb. d. Slg. Kippenberg 9, 1931, S. 262 ff.;
    Das Journal v. Tiefurt, hrsg. v. E. v. d.|Hellen, 1892, = Schrr. d. Goethe-Ges. 7;
    E. Berend, Jean Pauls Anteil an E.s „Grundlinien zu e. Theorie d. Schauspielkunst“, in: Euphorion 21, 1914, S. 227 ff.;
    H. Knoll, F. H. v. E., Ein Liebhaber d. schönen Wiss. u. Künste, in: Zs. d. Ver. f. thür. Gesch. u. Altertumskde., NF 22, 1915, S. 188-202;
    Goethe-Hdb., hrsg. v. J. Zeitler I, 1916;
    W. Deetjen, Emilie v. Berlepsch u. F. H. v. E., in: Zs. f. Bücherfreunde, NF 18, 1926, S. 114 f.;
    ders., Der „Sturm“ als Operntext bearb. v. E. u. Gotter, in: Jb. d. Shakespeare-Ges. 64, 1928;
    Goedeke IV, 1, S. 679 f., IV, 2, 3, 4;
    Frels. – Qu.: Hs. Nachlaß: Weimar, Goethe-Schiller-Archiv;
    Düsseldorf, Slg. Kippenberg

  • Portraits

    Ölgem. v. J. E. Heinsius, um 1775 (Weimar, Goethe-Nat.mus.), Abb. b. Wahl-Kippenberg, Goethe u. s. Welt, 1932, S. 70;
    Ölgem. v. J. J. Schmeller, 1821 (ebd.);
    Kreidezeichnung v. dems., 1827/28 (ebd.), Abb. b. F. Neubert, Goethe u. sein Kreis, 1922, S. 165.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Einsiedel, Friedrich Hildebrand Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 401 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118681818.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Einsiedel: Friedrich Hildebrand, Freiherr v. E., Schriftsteller, Uebersetzer und Hofmann, geb. 30. April 1750 auf dem Landgut seines Vaters Lumpzig bei Altenburg, 9. Juli 1828 zu Weimar. Auf dem interessanten figurenreichen Bild, das Weimar während der classischen Epoche unserer Litteratur dem Beschauer bietet, nimmt auch der Freiherr v. E. wennschon keine hervorragende, so doch immer eine von jedem Standpunkt sichtbare Stellung ein. Allgemein der „Freund“ genannt, jederzeit bereit für Andere sich aufzuopfern, reich an Kenntnissen, liebenswürdig wie nur ein Mensch es sein kann, sagt Carol. v. Wolzogen von ihm, daß er „im geraden Herzen alles Rechte und Edle mit Neigung empfing“. Vom 14. bis 18. Jahr beim Pagen-Corps in Weimar erzogen, aber durch besondere Begünstigung vom Hofdienste befreit, waren Musäus und der Pagenhofmeister Rath Schneider seine Lehrer. 1768 bezog er die Universität Jena, um die Rechte zu studiren, erhielt nach beendigten Studien eine Anstellung als Mitglied der weimarischen Landesregierung, später als Beisitzer des gemeinschaftlichen Hofgerichts in Jena. 1775 zum Kammerherrn der Herzogin Amalie von Weimar ernannt, verlebte er als Begleiter dieser Fürstin zwei genußreiche Jahre in Italien. Der stete Umgang mit den bedeutenden Geistern, die sich zu jener Zeit in Weimar zusammenfanden, veranlaßte E. zu vielfachen literarischen Versuchen. So besorgte er auf Schiller's Anregung eine freie metrische Uebersetzung des Terenz (1806. 2 Thle.), verdeutschte, durch Böttiger|dazu aufgemuntert, die Lustspiele des Plautus, wie er auch mehrere Schauspiele Calderon's übertrug und thätigen Antheil an Wieland's Feen- und Geistermärchensammlung „Dschinnistan" nahm. Außerdem veröffentlichte er Erzählungen und Märchen in Wieland's Deutschem Merkur, Bertuch's Journal des Luxus und der Moden, den Horen und anderen Zeitschriften, betheiligte sich mit poetischen Beiträgen am Leipziger Musenalmanach und Taschenbuch für Dichter, gab „Neueste vermischte Schriften" (1783 f. 2 Thle.), wie auch (anonym) „Grundlinien zu einer Theorie der Schauspielkunst" (1797) heraus. Von seinen dramatischen, für Liebhaberbühnen bestimmten Arbeiten ist außer den schon angeführten Uebersetzungen, die theilweise mehrfach aufgeführt wurden, zu nennen „Ceres, ein Vorspiel“ (1774) und das Lustspiel aus dem Französ. „Die eifersüchtige Mutter“ (1778). — Nach der Herzogin Amalie Tod 1807 trat E. ebenfalls als Hofmeister, in den Dienst der regierenden Herzogin und wurde nach Auflösung des Jenaischen Hofgerichts zum Appellations-Gerichts-Präsidenten in Jena er nannt, wo er am 7. Juli 1828 starb.

    • Literatur

      Vgl. u. A. Einsiedel, Briefe an K. A. Böttiger in K. W. Böttiger's Litterarische Zustände und Zeitgenossen (Leipzig 1838) S. 228—237.

  • Autor/in

    Joseph , Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Einsiedel, Friedrich Hildebrand Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 761-762 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118681818.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA