Lebensdaten
1859 bis 1930
Geburtsort
Stade
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Politiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117306754 | OGND | VIAF: 13081762
Namensvarianten
  • Strandes, Justus Hermann Ludwig Matthias
  • Strandes, Justus
  • Strandes, Justus Hermann Ludwig Matthias

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Zitierweise

Strandes, Justus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117306754.html [22.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus hann. Beamten- u. Offz.fam.;
    V Albrecht Carl (Karl) (1825–77, Referent b. Min. d. Innern in Hannover, preuß. Reg.rat in Münster u. Hannover;
    M Louise Rechtern (1832–1919);
    Hamburg 1884 Clara (1860–1920, T d. Adolf Schmidt (1828–86, JR in Altona, u. d. Emilie Juliane Bluhme (1821–90;
    1 S Günther (1887–1963, 1919–27 Ilse Freiin v. Maltzahn, 1891–1943, T d. Joseph Frhr. v. , 1861–1931, meckl.-strelow. Leibdrost u. Kammerherr), 2 T Elisabeth (1892–1967, Clara (1894–1991.

  • Leben

    S. wuchs in Hannover und Münster auf. Den Schulbesuch schloß er 1875 am Realgymnasium in Hannover ab und trat als kaufmännischer Lehrling in das Hamburger Überseehandelshaus „Hansing & Co.“ ein. 1879–82 war er als Kommis in den Niederlassungen der Firma in Sansibar und Mosambik tätig, anschließend leitete er bis 1890 die Dependance in Sansibar. Zwischenzeitlich reiste S. 1884 nach Hamburg, wo er heiratete; seine Frau begleitete ihn bei der Rückkehr nach Sansibar.

    Unter der Herrschaft der oman.-sansibar. Sultane war Sansibar zu einer Drehscheibe des ostafrikan. Fernhandels geworden, exportiert wurden zu dieser Zeit v. a. Elfenbein, Plantagenprodukte (Nelken, Kokospalmöl), Orseille und Kopal, importiert v. a. Textilien, Manufakturwaren, Gewehre und Schießpulver. S. gelang es, die Handelsbeziehungen zu Sultan Barghash bin Said auszubauen. Zum Bruch mit diesem kam es, als S. dt. Kolonialbestrebungen im östlichen Afrika unterstützte. Der Expedition zum Abschluß von „Schutzverträgen“ unter Leitung von Carl Peters (1856–1918) verhalf S. durch Ausrüstung einer Karawane und Organisation der heimlichen Überfahrt zur Festlandküste zum Erfolg. Im Krieg der Küstenbevölkerung gegen die dt. Kolonialherrschaft unterstützte S. Reichskommissar Hermann v. Wissmann (1853–1905) durch Anwerbung und Ausstattung von Söldnern in Ägypten.

    Zurückgekehrt nach Hamburg, wurde S. Prokurist bei Hansing & Co. (1897 Teilhaber). Er verfaßte eine historiographische Arbeit über die „Portugiesenzeit von Deutsch- und Englisch-Ostafrika“ (1899) und schrieb, erst 31jährig, Lebenserinnerungen. Darin äußerte er sich rückblickend kritisch über das Zustandekommen der „Schutzverträge“ mit afrikan. Chiefs und über Unwissenheit und überhebliches Auftreten von Repräsentanten der dt. Herrschaft vor Ort, ohne das koloniale Projekt als Ganzes in Zweifel zu ziehen. 1892 war S. Mitgründer des expansionistisch und nationalistisch ausgerichteten Alldt. Verbands in Hamburg. 1898 wurde er in den politisch einflußreichen Kolonialrat berufen (bis 1907).

    1910 wurde S. Mitglied der Hamburger Bürgerschaft (Fraktion d. Rechten) und bereits im Folgejahr zum Senator gewählt. Neben der Vertretung handelspolitischer Interessen trat er besonders für die Wissenschaftsförderung in Hamburg ein. S. übernahm zahlreiche Verwaltungs- und Ehrenämter (u. a. Vizepräses d. Handelskammer 1910, Präses d. Deputation f. Handel, Schiffahrt u. Gewerbe 1915) sowie Kontrollämter in Unternehmen und Gesellschaften (u. a. Aufsichtsratsvors. d. Dt. Ostafrika-Linie 1912, Aufsichtsrat d. Commerzbank AG 1917, Verwaltungsrat d. Dt. Reichspost).

    Im 1. Weltkrieg fungierte S. 1914/15 als Zivilgouverneur im besetzten Antwerpen. 1918 wurde er Bevollmächtigter der Hansestädte beim Bundesrat. Zu den Versailler Friedensverhandlungen wurde er als Kolonialsachverständiger hinzugezogen. Mit Unterstützung der Mehrheits-Sozialdemokratie wurde S. 1919 als Senator in Hamburg wiedergewählt und zum Jahresende als Mitglied des Reichsrats nach Berlin entsandt; seit Nov. 1920 war er auch hamburg. Gesandter in Berlin. 1925 legte er sein Senatsamt und das Reichsratsmandat nieder, blieb jedoch auf der Grundlage überparteilicher Wertschätzung bis zum Eintritt in den Ruhestand 1930 ao. Gesandter der Hansestadt Hamburg in Berlin.

  • Auszeichnungen

    A E. K. am schwarz-weißen Bande (1915);
    Dr. phil. h. c. (Hamburg 1922);
    Bgm.-Stolten-Medaille (1930).

  • Werke

    Erinnerungen an Kindheit u. Jugend u. an d. Kaufmannszeit in Hamburg u. Ostafrika 1865–1889 [um 1891], hg. v. S. Tode, mit Btrr. v. L. Harding u. F. Brahm, 2004 (P);
    L M. M. Warburg, In Memoriam J. S., 1930;
    L. Harding, Zur Bedeutung v. J. S. f. d. Beginn d. dt. Kolonialherrschaft in Ostafrika, in: J. Strandes, Erinnerungen (s. W), S. 201–47 u. 265–77;
    F. Brahm, Zur Biogr. J. S.`, ebd., S. 249–62 u. 277–81;
    Wenzel;
    Lilla, Reichsrat;
    R. Hering, in: Hamburg. Biogr. IV (P);
    Qu
    StA Hamburg, Personalakten;
    Nachlaß: Fam.bes.

  • Portraits

    Foto (StA Hamburg).

  • Autor/in

    Felix Brahm
  • Empfohlene Zitierweise

    Brahm, Felix, "Strandes, Justus" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 472-473 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117306754.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA