Lebensdaten
1890 bis 1943
Geburtsort
Göppingen (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Glasmaler ; Steinschneider ; Künstler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118974068 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eiff, Wilhelm (von ist kein Adelsprädikat)
  • Eiff, Wilhelm von
  • Eiff, Wilhelm (von ist kein Adelsprädikat)
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Zitierweise

Eiff, Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118974068.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gg. Wilh. (1859–1915), Eisenformer in Göppingen;
    M Berta (1865–1929), T des Zimmermanns u. Landwirts Gottfr. Kinkel in Bonholz b. Alfdorf, aus schwäbischer Bauernfamilie;
    1) 1917 ( 1938) Sofie, T des Louis Nathan, Brauereibesitzer in Ulm, 2) 1943 Catharina Bosch, verw. Möckel, Geigerin, Prof. an der Musikhochschule Stuttgart;
    1 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    Der Ausbildungsgang führte Eiff, der ursprünglich Maler werden wollte, über die Württembergische Metallwarenfabrik (4 Lehrjahre) nach Paris (1911), wo er sich die schwierige Kunst des Glas- und Steinschneidens in souveräner Beherrschung zu eigen machte. Seine künstlerischen Studien schloß er – nach kurzem Aufenthalt in Wien – in Stuttgart ab. Hier ließ er sich 1913 freischaffend nieder, von da an ganz dem Glas- und Steinschnitt zugewandt. Nun gelang ihm auch der Durchbruch zur künstlerischen Unabhängigkeit und Reife, zur individuellen Aussage. In rascher Folge entstanden zahlreiche und sehr mannigfaltige Werke auf Glas, Halbedel- und Edelstein (Dosen, Becher, Flakons, Vasen und Schmuck aller Art) in Tief- und Hochgravur: figürliche, aus reicher Fantasie und Schöpferlust frei gestaltete Kompositionen und Portraitschnitte nach dem Leben. Vor allem mit den Reliefsportraits, die den besten vergangener Epochen ebenbürtig sind, hat Eiff für seine Zeit einen neuen Gipfel der Glas- und Steinschneidekunst erreicht. Nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg wurde Eiff in Stuttgart an die Kunstgewerbeschule als Professor und Leiter der neugegründeten Lehr- und Versuchswerkstatt für Glas- und Steinschnitt berufen, an der er, bei ständig wachsender Schülerzahl auch aus dem Ausland, bis zu seinem Tode schulebildend wirkte. Aus seiner Schule stammt das „Schnitzen“ und eine neue Art des „Ritzens“, wie auch der konsequent entwickelte, heute fast Allgemeingut gewordene „Oliven- oder Rillenschliff“. Einer Anregung G. E. Pazaureks folgend, entwickelte Eiff (unabhängig von gleichgerichteten Arbeiten unter Rud. Steiner in Dornach) die so bedeutsame „Glasradier“-Technik, deren Ausbaufähigkeit auch für Hohlglas und Schmucksteine er noch kurz vor seinem Tode erprobte. Dieser Werkvorgang, vorwiegend mit biegsamer Welle und Elektrohandmotoren, erlaubt weitgehende künstlerische Freiheit auf großflächigen, moderner Bauweise gemäßen Fenstern ohne Unterteilung. Die Mehrzahl der Fenster aus der Eiff-Schule wurde im 2. Weltkrieg vernichtet, doch sind Photos erhalten. Als bedeutender deutscher Fachmann vertrat Eiff die künstlerischen Belange des Glases in Vorträgen, auf Kongressen und Ausstellungen im In- und Ausland. Die menschlichen Vorzüge seiner Persönlichkeit gewannen ihm viele Freunde. – Eiffs letzte Schaffensperiode stand im Zeichen gesteigerten geistigen Ringens und Bewußtwerdens, vertieften Schauens, Gestaltens und Erziehens, was seine Arbeiten in Glas und Stein aus jener Zeit sowie eine Reihe graphischer Blätter widerspiegeln. Wegweiser waren ihm unter anderem Rud. Steiner und in erster Linie Goethe. Gleichzeitig standen diese Lebensjahre im Schatten des politischen Geschehens, dessen Niedergangstendenzen Eiff auf seine Art bis zu seinem frühen Tode entgegenzuwirken suchte.

  • Werke

    u. a. Reliefportraits auf Glas Kg. Wilhelm II. v. Württemberg, 1916, Gf. Zeppelin, 1916, Vizekanzler v. Payer, Conr. Haussmann; auf Bergkristall Frau Prof. Muesmann, Dresden, GR v. Steiner, Dr. Pleschner, Prag, en face, 1924, Otto Schott-Denkmünze, 1929/33/41;
    auf Karneol Wilh. v. Bode, 1926;
    auf Rauchtopas Oskar v. Miller, 1930;
    auf Goldtopas Henny Porten u. a.;
    Fenster 5 Fenster i. d. Eingangshalle d. Idealwerke Bln.-Wilmersdorf, aus goldfarbenem Spiegelglas, je 78 × 240 cm, 1936;
    2 Fenster in d. Wollkämmerei Leipzig, aus farblosem Gußglas, je 120 × 240 cm, 1938;
    Fenster in d. Gedächtnishalle d. Auer-Ges. AG, Berlin, aus grau-blauem Spiegelglas, 150 × 300 cm, 1938;
    weitere W meist in Privatbes. u. nachweislich in: Dt. Mus. München, Landesgewerbemus. Stuttgart, Metropolitan Mus. New York, Privatslg. Pazaurek. – Schrr. u. a. Entwicklung d. künstler. Fensters im Rahmen d. Kulturgesch., 1936; Die Farbenlehren Newtons, Goethes u. Ostwalds in d. Auffassung d. Künstlers, in: Glastechn. Berr. 12, 1934, S. 77-84, weitere Vorträge u. Referate ebd., 1928-37.

  • Literatur

    G. E. Pazaurek, W. v. E., der erste Glasschneider d. Gegenwart, in: Schwäb. Heimatbuch 1920, S. 21-30 (P); W. v. E., in: Kunstgläser d. Gegenwart, 1925, S. 182-203 (P); N. Ortlieb, W. v. E., dem Glas- u. Edelsteinschneider zum Gedenken, 1950 (P).

  • Autor/in

    Nora Ortlieb
  • Empfohlene Zitierweise

    Ortlieb, Nora, "Eiff, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 389 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118974068.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA