Lebensdaten
1849 bis 1934
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Jurist ; Straf- und Prozeßrechtler
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118618687 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stooss, Karl
  • Stooss, Carl
  • Stooss, Karl
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Stooss, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618687.html [09.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Sigmund (1808–70, Metzger, Reg.rat in B., S d. Rudolf, Metzgermeister in B.;
    M Julia Albertina Luisa (1825–64, T d. Immanuel Gottlob Rümelin (1798–1844, aus Kilchberg b. Zürich, Stadtrichter, Oberjustizrat in Stuttgart, u. d. Luise Basler;
    B Alfred (1860–1925, Bundesrichter in Lausanne, Oberst u. Richter am Militärkassationsger., Präs. d. bern. Juristenver. (s. Schweizer. Zeitgenossen-Lex., 1921; HLS);
    Belp (Kt. Bern) 1875 Anna Martha (1853–1926, aus Messen (Kt. Solothurn), T d. Jakob Ziegler, Pfarrer;
    1 S Werner (1879–1952, 6 T (2 früh †) Anna (1878–1946, Elisabeth (* 1880, ⚭ Hermann Anton Franz Josef Egger), Margaretha Hedwig (1882–1938, Lydia Magdalena (1888–1973; wohl N Walter (* 1892), Dr. iur., RA, 1920 jur. Beirat d. Chem. Fabrik vormals Sandoz Basel, Sekr. d. Verw.rats, 1922 Prokurist, 1928 Vizedir., 1933 Dir., Vf. v. „La répudiation des successions d`après le Code civil suisse“, 1917, 1917–20 Redaktor d. Schweizer Schachztg. (s. Neue Schweizer Biogr., 1938), Max (* 1902), Untern., Automobilimporteur in Lausanne, erhielt 1936 e. Lizenz f. Abfüllung u. Vertrieb v. Coca-Cola f. d. Kt. Waadt, Genf u. Freiburg.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bern studierte S. Rechtswissenschaften: 1868 in Bern und in Leipzig bei Karl Georg v. Wächter, 1869 in Heidelberg bei Carl Adolph v. Vangerow, Achille Renaud und Heinrich v. Treitschke, 1870–73 wieder in Bern. Hier|waren seine wichtigsten Lehrer Gustav Vogt, Walter Munzinger, Gustav König, Hans v. Scheel und v. a. Adolf Samuely, der S.s Interesse am Strafrecht weckte. 1873 bestand S. die Berner Fürsprecherprüfung und eröffnete ein eigenes Advokaturbüro. 1876 wurde er zum Präsidenten des Amtsbezirkes Bern gewählt, 1878 in Bern promoviert (Diss. „Zur Natur der Vermögensstrafen“), 1879 erfolgte die Habilitation bei Gustav König (venia legendi f. Vaterländ. Recht). Danach hielt S. Vorlesungen über die bern. Gerichtsorganisation sowie über die bundesgerichtliche Rechtsprechung in Zivilsachen. 1882 wurde S. vom Berner Regierungsrat zum o. Professor für Strafrecht, Strafprozeßrecht und allgemeines Staatsrecht (Nachfolge Samuely) gewählt, 1891–96 war er Professor für vergleichendes schweizer. Strafrecht (Dekan 1883/84 u. 1891/92). Im Nov. 1885 zum Oberrichter in Bern gewählt, legte er seine Professur vorübergehend nieder, wurde 1887 erneut zum Honorarprofessor und 1890 zum o. Professor ohne Gehalt der Univ. Bern ernannt. 1888 gründete S. die Schweizer. Zeitschrift für Strafrecht (ZStrR), die er bis zu seinem Tod 1934 herausgab. 1888 erhielt S. den Auftrag, die wissenschaftlichen Vorarbeiten und den Vorentwurf zu einem schweizer. Strafgesetzbuch zu erstellen. 1890 erschien als wichtige Vorarbeit das Werk „Die schweizer. Strafgesetzbücher zur Vergleichung zusammengestellt“. 1893 stellte S. seinen für das spätere Schweiz. Strafrecht bahnbrechenden Entwurf eines „Schweizer. Strafgesetzbuch[es] im Auftrag des schweizer. Bundesrates ausgearbeitet“ vor. Als Grundlage dienten ihm die bisherigen 23 kantonalen Strafgesetze, deren Einarbeitung in seinen Entwurf im Hinblick auf dessen Akzeptanz unumgänglich war. S.s Neuerung, Strafen mit Maßnahmen wie z. B. die Verwahrung unzurechnungsfähiger Täter zu ergänzen, übte großen Einfluß auf die Kriminalpolitik Europas aus: Neben Franz v. Liszt (1851–1919) vertraten später v. a. ital. Rechtswissenschaftler, aber auch Gustav Radbruch (1878–1949) vergleichbare Spezialpräventionstheorien.

    1896 nahm S. einen Ruf an die Univ. Wien (Nachfolge Emil Brunnenmeister) an, wo er bis zu seiner Emeritierung 1919 blieb. Seit 1898 nahm er beratend teil an der Revision des österr. Strafrechts, zog sich jedoch zurück, als seine Ideen von Hugo Hoegel (1854–1921) und Heinrich Lammasch (1853–1920) abgelehnt wurden.

  • Auszeichnungen

    A österr. HR; Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1923, wirkl. 1925); Dr. iur. h. c. (Bern, Bonn, Genf, Warschau u. Wien); – S.-Gasse in Wien (1936). Weitere W Die Revision d. Bern. Ger.organisation, Ber., 1881; Justizreform d. Vfg.revision?, 1883; Bemm. zu d. Entwurfe e. schweizer. Mil.strafgesetzbuches, Tödtung u. Körperverletzung, 1885; Die Novelle z. Bundesstrafrecht, 1890; Strafgesetzbuch f. d. Kt. Bern, Textausg. mit Anmm., 1885, 21896; Chirurg. Operation u. ärztl. Behandlung, Eine strafrechtl. Studie, 1898; Allg. Bestimmungen österr. Strafgesetzbücher 1768–1852, mit Ausw. z. Vergleichung zus.gestellt v. Dr. C. S. u. Dr. Eberhard Frh. v. Künssberg, 1909; Das babylon. Strafrecht Hammurabis, 1907; Strafrechtsfälle f. Studierende 1907, 21915; Lehrb. d. Österr. Strafrechts, 1909/10, 21912/13; div. Gutachten, u. a. Gutachen über d. Materien e. neuen bern. Wirtsch.gesetzes, vf. i. A. d. Direktion d. Innern, 1875; Die Gefängnisreform d. Kt. Bern, Bemm. zu d. Ber. d. kantonalen Polizeidirektion, 1890; Vortrr. u. zahlr. Rezz.; – unvollst. W-Verz. [bis 1924] in: H. Planitz (Hg.), Die Rechtswiss. d. Gegenwart in Selbstdarst., 1925, S. 230–35 (P). Qu StA d. Kt. Bern (Burgertaufrodel XIX, Sign. K Bern 3, S. 338, Nr. 51, Burgertodtenrodel III, 1825–1872, Sig. K Bern 14, S. 291, Nr. 15; S. 341, Nr. 1).

  • Literatur

    E. Hafter, C. S. (1849–1934 z. Gedächtnis, in: Schweizer. Zs. f. Strafrecht 48, 1934, S. 141–50 (P);
    Alm. Ak. Wien, 1934, S. 280 ff. (P);
    E. Wildi, Verbrechen gegen d. Staatsmacht (Hochverrat, Landesverrat (Spionage) Verbrechen gegen befreundete Staaten) in Frankr., Dtld. u. d. Schweiz, unter Berücksichtigung d. S.`schen Entwürfe u. Kritik d. geltenden Lehre, Diss. Bern 1905;
    E. Hafter, in: H. Schulthess (Hg.), Schweizer Juristen d. letzten hundert J., 1945, S. 361–92 (P);
    P. Kaenel, Die kriminalpol. Konzeption v. C. S. im Rahmen d. geschichtl. Entwicklung v. Kriminalpol. u. Straftheorien, 1981;
    M. Rusca, La destinée de la politique criminelle de C. S., Diss. Fribourg 1981;
    R. Moos, C. S. in Österr., in: Schweizer. Zs. f. Strafrecht 105, 1988, H. 1, S. 35–79;
    J. Gauthier, Les nouvelles peines et la politique criminelle de C. S., ebd. 111, 1994, H. 1, S. 380–87;
    L. Gschwend, C. S. (1849–1934, Originell-kreativer Kodifikator u. geschickter Kompilator d. schweizer. Strafrechts, Reflexionen zu seinem 60. Todestag, ebd. 112, 1994, H. 1, S. 26–56;
    U. Germann, Die späte Erfindung d. Zweispurigkeit, C. S. u. d. Entstehung d. Zweispurigkeit v. Strafen u. Massnahmen, Eine hist.krit. Retrospektive, ebd. 127, 2009, H. 2, S. 152–76;
    ÖBL.

  • Portraits

    Xylogr., Orell Füssli, 1894 (StA d. Kt. Bern, Sign. T. B. Personen 685).

  • Autor/in

    Guido Mühlemann
  • Empfohlene Zitierweise

    Mühlemann, Guido, "Stooss, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 440-441 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618687.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA