Lebensdaten
1798 bis 1867
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Stenograph ; Lehrer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 115378162 | OGND | VIAF: 57343151
Namensvarianten
  • Stolze, Heinrich August Wilhelm
  • Stolze, Wilhelm
  • Stolze, Heinrich August Wilhelm

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Zitierweise

Stolze, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115378162.html [30.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christian Stoltz (1751–1812, aus Sieradz (Polen), seit ca. 1780 Schuhmacher in B., S d. N. N., Schmied in Sieradz;
    M Johanna Dorothea Sydow († 1842);
    Berlin 1831 Juliane Auguste Sydow-Brückner (1803–66, Cousine v. S.;
    1 S Franz (1836–1910, Dr. phil., Erfinder, Untern., entwickelte 1873 e. erste Gasturbine (1897 patentiert), gründete 1866 d. „Kunstphotograph. Anstalt Dr. Franz Stolze & Co.“ als Fabrik f. Photopapier u. Kameras, beteiligt am Aufbau e. Lehrstuhls u. Laboratoriums f. Photographie in Charlottenburg b. B., unternahm 1874 i. A. d. preuß. Kulturministeriums e. Forsch.reise nach Isfahan (Persien), um dort mit e. Photoheliographen d. Venusdurchgang 1874 aufzunehmen, Lektor f. Stenographie an d. Univ. Berlin, Hg. v. S.s „Anleitung z. dt. Rede-Zeichen-Kunst oder Stenographie“, 1872, Prof. (s. Wi. 1909; BJ 15, Tl.; L), 1 T Marie (1832–64.

  • Leben

    S. besuchte seit 1809 das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin. 1817 mußte er die Schule aus finanziellen Gründen ohne Abitur verlassen und nahm eine kaufmännische Anstellung bei der „Berlin. Feuerversicherungsgesellschaft“ an. Nebenbei besuchte er philol. Vorlesungen an der Univ. Berlin. 1820/21 erlernte S. im Selbststudium die stenographischen Systeme Friedrich Mosengeils (1773–1839) und Karl Gottlieb Horstigs (1763–1835). Den Aufbau solcher Systeme auf geometrischen Zeichen lehnte S. nach einer eingehenden Beschäftigung mit den Tironischen Noten in den 1820er Jahren zugunsten einer Orientierung an der dt. Kurrentschrift ab. Wegweisend für die Entwicklung seines eigenen Systems war zudem die Beschäftigung mit der Sprachphilosophie Wilhelm v. Humboldts (1767–1835) und mit Franz Xaver Gabelsbergers (1789–1849) „Anleitung zur dt. Rede-Zeichen-Kunst oder Stenographie“ (1834). 1835 gab S. seinen Beruf auf, um sich als Privatgelehrter ganz seinen stenographischen Studien zu widmen. Zur Sicherung des Lebensunterhalts arbeitete er als Hauslehrer, betrieb 1836–38 ein Lebensmittel- und seit 1842 ein Posamentiergeschäft in Berlin. 1841 gewährte das preuß. Unterrichtsministerium S. einen Druckkostenvorschuß, um sein „Theoretisch-practisches Lehrbuch der dt. Stenographie“ (2 T., 1841, 251872) zu publizieren. Hauptcharakteristikum seiner darin präsentierten einlagigen, dreistufigen Kurzschrift war die Methode der vollständigen Vokalbezeichnung im Anlaut. Popularisiert wurde S.s Lehre durch den von seinen Schülern, dem Kaufmann Karl Gottlob Kreßler (1804–91) und dem Ministerialsekretär Agathon Jaquet (1803–80), 1844 in Berlin gegründeten ersten dt. „Stenographischen Verein“. Dieser betrieb seit 1847 unter S.s Vorsitz die „Stenographische Prüfungskommission“ zur Ausbildung von Stenographielehrern und gab seit 1849 die erste dt. Stenographiezeitschrift (Archiv f. Stenogr., bis 1913/14) heraus. Zudem veröffentlichte S. 1845 eine weit verbreitete, leichter verständliche Kurzfassung seines Lehrbuchs (Anleitung z. dt. Stenogr., 671902).

    S., der bereits 1847 kurzzeitig im „Stenographischen Bureau beim preuß. Landtag“ und 1850 beim Erfurter Unionsparlament angestellt war, fungierte seit 1852 als Vorsteher des „Stenographischen Bureaus der Preuß. Zweiten Kammer“. Seine Kurzschrift wurde 1848 als offizielle preuß. Parlamentsschrift eingeführt, in einer dem Abgeordnetenhaus angegliederten Fachschule gelehrt und bis zur Etablierung der v. a. auf S.s und Gabelsbergers Systemen basierenden „Dt. Einheitskurzschrift“ 1924 in den Abgeordnetenhäusern Preußens verwendet. Bis zum Ende des 19. Jh. wurde die S.sche Stenographie mehrfach modifiziert, was zur Spaltung der Schule in Alt- und Neustolzeaner führte. Um 1900 bestanden in Deutschland mehrere 100 Stenographievereine, deren mehr als 10 000 Mitglieder Formen der S.schen Stenographie anwendeten und die im 1874 gegründeten „Verband Stolzescher Stenographenvereine“ zusammengeschlossen waren. Während Gabelsbergers Kurzschrift starke Verbreitung im süddt. Raum fand, dominierte S.s System im nördlichen Deutschland, bes. in Preußen.

  • Auszeichnungen

    A Ehrenmitgl. d. Stenograph. Ver. (1844, 1853–64 zugl. Vors.);
    – W.-S.-Str., Berlin-Friedrichshain (seit 1898), Dortmund, Hannover, Magdeburg;
    W.-S.-Ges. (1938?–43?).

  • Werke

    W. S.s Briefwechsel, hg. v. F. W. Kaeding, 2 Bde., 1890;
    W. S.s Original-Schrr. u. Reden, sein Briefwechsel u. d. auf seine Person bzgl. Dok., hg. v. F. W. Kaeding, 1890;
    Die Arbb. W. S.s, Seine Reden, Gutachten u. wiss. Vortrr., hg. v. F. W. Kaeding, 2 Bde., 1892.

  • Literatur

    ADB 36;
    K. Kreßler, W. S., 1890;
    M. Mellien, W. S. (1898);
    J. Knoevenagel, Warum verdient d. S.sche Stenogr. vor anderen Systemen d. Vorzug?, 1898|(P);
    Ch. Johnen, W. S. u. d. Entwickelung seiner Schr., 1899 (W, L, P);
    ders., Allg. Gesch. d. Kurzschr., 41940, bes. S. 101–15 u. 124–54;
    F. W. Kaeding, W. S., Sein Leben u. Wirken, 1922;
    R. Bonnet, Männer d. Kurzschr., 1935 (auch zu Franz);
    L. Schneider u. Georg Blauert, Gesch. d. dt. Kurzschr., 1936;
    F. Moser u. K. Erbach, Lebendige Kurzschr.gesch., 21942, bes. S. 68–74 (P);
    A. Mentz u. F. Haeger (Hg.), Gesch. d. Kurzschr., 21974, bes. S. 55–60;
    Mitteldt. Gedenktage, 1967;
    Preuß. Parlamentarier (P);
    Berliner Biogr. Lex.

  • Portraits

    Foto, 1852, in: Bilder aus d. Gesch. d. Kurzschr. 2, 1937, S. 20;
    Porträtrelief auf d. Grabmal (Berlin, Liesenstraße, Domfriedhof II).

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Stolze, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 437-438 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115378162.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA