Lebensdaten
1842 bis 1905
Geburtsort
Hall (Tirol)
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 117287873 | OGND | VIAF: 27844649
Namensvarianten
  • Stolz, Otto

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Zitierweise

Stolz, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117287873.html [18.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (1811–77, Dr. med., Arzt, 1854–77 Dir. d. Landesirrenanstalt in H. (s. ÖBL), S d. N. N., n. Ausbildung als Holzschnitzer u. Bildhauer Mesner in Dt.-Matrei (Osttirol);
    M Aloisia (Anna?) ( 1850), T d. Josef Rapp (1780–1865, Dr. iur., Finanzrat in Trient, k. k. Gubernialrat in I., 1829 Kammerprocurator in Linz, 1848 in I., Rechtshist., Gesch.schreiber, Vf. v. „Tirol im Jahre 1809“ (s. ADB 27; ÖBL), u. d. Anna v. Stolz (1786–1841;
    Ur-Gvm Franz Joseph v. Stolz zu Latschburg (1736–1828), Salzoberamtsrat in Dt.-Matrei;
    Ov Michael (1820–90, Bildhauer in I., Zeichenlehrer an d. Realschule ebd., 1885 Rr.kreuz d. Franz Joseph-Ordens (s. ADB 36; ThB; ÖBL);
    Om Johann Rapp (1829–1908, Dr. iur., RA, Pol., 1877–80 Bgm. v. Kaltern (Südtirol), 1870–95 LT-Abg. in Tirol, 1873–98 Reichsrats-Abg., Franz Frhr. Rapp v. Heidenburg (1823–89, österr. Adel 1871, Frhr. 1883), Dr. iur., Notar, 1867–69 Bgm. v. I., 1871–77 u. 1881–89 Landeshptm. v. Tirol (beide s. ÖBL);
    B Friedrich (d. Ä.) (1850–1915), o. Prof. f. vgl. Sprachwiss. in I., HR (s. ÖBL);
    Innsbruck 1876 Paula (1848/50–1915, T d. Josef Meyer (1811–54, Eisenwarenhändler in I., u. d. Anna Katzung;
    2 S Friedrich (d. J.) (1878–99 Unfall), Bryol. (s. ÖBL), Otto (1881–1957, o. Prof. f. österr. u. Tirol. Gesch. sowie Archivkde. in I. (s. Teichl; Tirol-Lex.; Personenlex. Österr.; F. Fellner u. D. A. Corradini, Österr. Gesch.wiss. im 20. Jh., 2006; Österr. Historiker 1900–1945, hg. v. K. Hruza, 2008, S. 419–60);
    E Otto (* 1923), Dr. med., Arzt.

  • Leben

    S. besuchte drei Jahre das Franziskanergymnasium in Hall, danach bis zum Abitur das Obergymnasium in Innsbruck. 1860 begann er ein Studium der Mathematik, Chemie und Botanik an der Univ. Innsbruck, wo Anton Baumgarten (1817–80) zu seinen Lehrern zählte. Nach sechs Semestern setzte er sein Studium an der Univ. Wien fort. Außer Mathematik – hier war v. a. Josef Petzval (1807–91) sein Lehrer – studierte er auch Astronomie bei Carl Ludwig v. Littrow (1811–77). Nach der Promotion zum Dr. phil. bei Baumgarten 1864 in Innsbruck absolvierte er seinen Militärdienst in Mainz und Lemberg. 1867 wurde S. zum Assistenten an der Universitätssternwarte in Wien bestellt und habilitierte sich im selben Jahr mit der Arbeit „Über die Achsen der Linien zweiter Ordnung in allgemeinen trigonometrischen Punktkoordinaten“ (in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien 55, 1867) für das Gesamtgebiet der Mathematik. Mit einem Stipendium besuchte er 1869/70 Berlin, wo er Vorlesungen bei Karl|Weierstraß, Leopold Kronecker und Ernst Eduard Kummer hörte. 1870/71 ging er nach Göttingen zu Felix Klein und Alfred Clebsch. Vor allem die Vorlesungen von Weierstraß beeinflußten ihn außerordentlich; S. schrieb 1885 ein Lehrbuch der Analysis (Vorlesungen über allg. Arithmetik), worin er Begriffe wie reelle und komplexe Zahlen, Konvergenz, Darstellbarkeit von Zahlen durch Kettenbrüche sorgfältig und exakt definierte. Klein, mit dem S. zeitlebens freundschaftlich verbunden war, würdigte S.s Einfluß auf seine Untersuchungen (v. a. hinsichtlich d. Nichteuklidischen Geometrie).

    1872 wurde S. ao., 1876 o. Professor für Mathematik an der Univ. Innsbruck, wo er bis zu seinem Tod blieb (1877/ 78 u. 1888/89 Dekan, 1890/91 Rektor). Als Lehrer und Forscher errang S. internationales Ansehen. Seine Lehrbücher waren weit verbreitet und seine vielseitigen Forschungen (mehr als 60 wiss. Arbeiten), von geometrischen Untersuchungen über zahlreiche Betrachtungen aus der Analysis mit gefinkelten, in allen Details ausgeführten Beweisen, bis zu geschichtlichen Betrachtungen, sind heute noch geachtet. Von S. stammt der Beweis der Regel von De l’Hospital im Fall unendlich durch unendlich oder ein Satz über die Darstellung von irrationalen Zahlen durch Kettenbrüche. S. machte auf die Bedeutung von Bernard Bolzano (1781–1848) für die Entwicklung der Infinitesimalrechnung aufmerksam (B. Bolzanos Bedeutung in der Geschichte der Infinitesimalrechnung, in: Math. Ann. 18, 1881, S. 255–79) und untersuchte das von ihm so genannte „Archimedische Axiom“ (Zur Geometrie der Alten, insbes. über e. Axiom d. Archimedes, in: Math. Ann. 22, 1883, S. 504–20). Der Satz von Stolz-Cesàro beschreibt ein Konvergenzkriterium für Folgen (Über Verallgemeinerung eines Satzes von Cauchy, in: Math. Ann. 33, 1889, S. 237–45). 1875 gründete er das math. Seminar, das es ausgezeichneten Mathematikern wie Leopold Gegenbauer (1849–1903) und Wilhelm Wirtinger (1865–1945) ermöglichte, zeitweise in Innsbruck zu wirken.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. kgl. Böhm. Ges. d. Wiss. Prag (1890), d. Österr. Ak. d. Wiss. Wien (korr. 1893, o. 1899) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (korr. 1900);
    Rr. d. Ordens d. Eisernen Krone III. Kl. (1898); HR (1904).

  • Werke

    Vorlesungen über allg. Arithmetik, 2 Bde., 1885/86;
    Grundzüge d. Differential- u. Integralrechnung, 3 Bde., 1893–99;
    Zur Erklärung d. absolut convergenten uneigtl. Integrale, in: Wiener Berr. 107, 1898, S. 207–24;
    Theoret. Arithmetik, 2 Bde., 1900/02 (mit A. J. Gmeiner);
    Einl. in d. Funktionentheorie, 2 Bde., 1904/05 (mit dems.);
    Zur Erklärung d. Bogenlänge u. d. Inhaltes e. krummen Fläche, in: Transactions of the American Mathematical Soc. 1902, S. 23–37.

  • Literatur

    J. A. Gmeiner, in: Jber. d. Dt. Mathematiker-Vereinigung 15, 1906, S. 309–22 (W-Verz.);
    ders., in: Mhh. f. Math. u. Physik 17, 1906, S. 161–78;
    W. Wirtinger, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 56, 1906, S. 292–95 (P);
    F. Huter (Hg.), Forsch. z. Innsbrucker Univ.gesch. 10, 1971, S. 28–32 (P);
    Ch. Binder, Über d. Briefwechsel Felix Klein – O. S., in: Wiss. Zs. d. Univ. Greifswald 38, 1989, S. 4–7;
    Pogg. III–V;
    Lex. bed. Mathematiker, hg. v. S. Gottwald, H.-J. Ilgauds u. K.-H. Schlote, 1990;
    Personenlex. Österr.;
    Tirol-Lex.;
    ÖBL;
    DSB 13;
    Complete DSB.

  • Autor/in

    Christa Binder
  • Empfohlene Zitierweise

    Binder, Christa, "Stolz, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 434-435 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117287873.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA