Lebensdaten
1860 bis 1936
Geburtsort
Heilbronn
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Apotheker ; Chemiker ; Erfinder
Konfession
-
Normdaten
GND: 117674311 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stolz, Friedrich

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Stolz, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117674311.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (Fritz) Conrad (1825–86, Leiter d. v. Pless`schen Essigfabrik in H., später Apotheker in Ebersbach/Fils b. Hall, S d. Karl (1787–1864, aus Schrozberg (Hohenlohe), erwarb 1823 e. Apotheke in Kupferzell (Hohenlohe), u. d. Wilhelmine Christiane Eleonore Schwab, Gastwirts- u. Bgm.-T aus Langenburg (Hohenlohe);
    M Katharina Gerstner (1834–1907;
    Ov Christian (1827–1918, 1861–64 Apotheker in Ingelfingen (Hohenlohe), Karl (1830–99, 1856–90 Apotheker in Kupferzell;
    Ur-Gvv Johann Conrad, Handelsmann in Schrozberg;
    1900 Helene Kerler (1877–1961, aus Brackenheim b. H., T e. RA;
    2 T Margarethe (* 1903, Wilhelm Fitzky, * 1897, Dr. phil., Chemiker in Höchst b. F.), Helene (* 1905, Peter Rössel, 1903–44 ⚔, Dr. rer. pol.);
    Vt Karl (1867–1938, 1893–1936 Apotheker in Kupferzell; N 2. Grades Karl (1904–68, 1936–68 Apotheker in Kupferzell.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Progymnasiums in Hall und der Militärdienstzeit als „Einjährig-Freiwilliger“ begann S. eine Apothekerlehre bei seinem Onkel Karl Stolz in Kupferzell. Seine Gehilfenzeit absolvierte er in Weinsberg und Heilbronn. 1882–84 studierte S. Pharmazie an der Univ. München und erhielt 1884 die pharmazeut. Approbation. Danach studierte er Chemie und wurde Assistent bei →Adolf Baeyer (1835–1917), bei dem er eine Dissertation „Über die Jodpropiolsäure“ anfertigte, mit der er von Baeyer 1886 an der Univ. Erlangen promoviert wurde. Nach vier weiteren Jahren als Assistent bei Baeyer war S. seit 1890 als Forschungschemiker, seit 1897 als Laborleiter bei den Farbwerken Hoechst tätig (Ruhestand 1930). S. arbeitete bei Hoechst sehr vielseitig und erfolgreich auf dem damals noch jungen Gebiet der synthetischen Arzneimittel. Sein 1893 gefundenes „Pyramidon“ (Freiname Aminophenazon;4-Dimethylamino-1,5-dimethyl-2-phenyl-1,2-dihydro-3H-pyrazol-3-on) wurde zu einem gefragten Analgetikum und war seinem Vorgänger „Antipyrin“ (Freiname Phenazon; 1,5-Dimethyl-2-phenyl-2,3- dihydro-1H-pyrazol-3-on) wegen der geringeren Nebenwirkungen weit überlegen. Pyramidon kam 1897 auf den Markt (DRP 90959, 1897). 1978 wurden die Aminophenazone in Deutschland wegen der Möglichkeit der Bildung kanzerogener Nitrosamine aus dem Verkehr gezogen. Bereits 1904 gelang S. mit der Synthese des Adrenalins, des Hormons des Nebennierenmarks (L)-1-(3,4- Dihydroxyphenyl)-2-methylamino-ethanol), die historisch erste Synthese des Racemats eines Hormons. Synthetisches Adrenalin brachte Hoechst unter dem Namen „Suprarenin“ in den Handel. Während seiner 40jährigen Tätigkeit bei Hoechst hat S. fast alle Gebiete der damaligen Arzneimittelforschung beeinflußt bzw. mitgeprägt. Markante Beispiele sind das Lokalanästhetikum und Analgetikum Procain (Novocain), das Chemotherapeutikum Arsphenamin (Salvarsan) und das Sympathomimetikum Ephedrin. Novocain ([2-(Diethylamino)ethyl]-4-aminobenzoat) wurde 1904 von Alfred Einhorn (1856–1917) und Emil Uhlfelder in den Farbwerken Hoechst synthetisiert und als Ersatzpräparat für Cocain eingesetzt. Das von Paul Ehrlich (1854–1915) und Sahachirō Hata (1873–1938) entdeckte Salvarsan (3,3’-Diamino4,4’-dihydroxyarsenobenzol-dichlorhydrat) war das erste Chemotherapeutikum überhaupt und wurde von 1910–73 von Hoechst produziert. Ephedrin [(1R,2S)-2-Methylamino-1-phenylpropan-1-ol], das Alkaloid der Ephedra-Arten, dessen Synthese 1917 Ernst Schmidt (1845–1921) und August Eberhard (1887–1960) gelang, wurde eines der erfolgreichsten Antiasthmatika des 20. Jh.

  • Auszeichnungen

    A Dr. med. h. c. (Marburg 1930); – Benennung e. Spezialtankers d. Farbwerke Hoechst (1957); Ehrentafel am Robert-Mayer-Gymn. in Heilbronn.

  • Werke

    Über d. 4-Amidoantipyrin, in: Liebigs Ann. d. Chemie 293, 1896, 58–69 (mit L. Knorr);
    Zur Constitution d. Säurederivate d. 1-Phenyl-3-methyl5-pyrazolons, in: Journal f. Prakt. Chemie 55, 1897, S. 145–71;
    Synthetic Suprarenine, in: Pharmaceutical Journal 80, 1909, S. 826 (mit F. Flächer);
    Patente:
    Verfahren z. Darst. v. 1-Phenyl-2-alkyl3-methyl-5-pyrazolon, DRP 95643, 1897;
    Verfahren z. Darst. v. opt. aktivem Phenylpropanolmethylamin, DRP 527 620, 1931 (mit F. Flächer);
    Verfahren z. Gewinnung v. p-Oxyphenylmethylaminopropanol, DRP 526 393, 1931.

  • Literatur

    M. Bockmühl, in: Zs. f. angewandte Chemie 43, 1930, S. 285 f. (P);
    H. W. Flemming, Dr. F. S., d. Erfinder d. Pyramidons, 1965 (P);
    ders., Die erste Hormonsynthese durch Dr. F. S., 1966 (P, Patente);
    Ch. Friedrich, F. S., Ind.apotheker u. , in: Pharmazeut. Ztg. 155, 2010, S. 3938–42 (P);
    Dt. Apotheker-Biogr. II;
    Pogg. VI;
    Frankfurter Biogr.;
    zur Fam.:
    A. Wankmüller, Die Apothekerfam. S., in: Btrr. z. württ. Apothekengesch. 16, 1988, S. 74–76.

  • Autor/in

    Horst Remane
  • Empfohlene Zitierweise

    Remane, Horst, "Stolz, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 433-434 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117674311.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA