Lebensdaten
1846 bis 1928
Geburtsort
Eisenach
Sterbeort
Eisenach
Beruf/Funktion
Textilindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1082519839 | OGND | VIAF: 14145601903301321300
Namensvarianten
  • Stöhr, Paul Rudolph Eduard
  • Stöhr, Eduard
  • Stöhr, Paul Rudolph Eduard
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Zitierweise

Stöhr, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1082519839.html [29.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus thür. bäuerl. Fam., d. teils im hzgl. sächs. Jagddienst tätig war;
    V Gustav (1815–59, ltd. Beamter d. Kammgarnspinnerei Eichel & Cramer in E., S d. Henrich (* 1784), aus Wenigenlupnitz (Thür.), u. d. Wilhelmine Brauhardt;
    M Maria Anna Mathilde (1820–83, kath.), aus Heiligenstädt (Eichsfeld), T d. Georg König, aus Mühlberg, u. d. Katharina Trümper; 5 jüngere Geschw (1 früh †);
    Frankfurt/Main 1874 Minna Emilie (1856–1944, T d. Georg Heinrich Pfeil (1820–1901, in Frankfurt/Main, u. d. Amanda Elisabeth Beaufrère (1831–1900);
    3 S Georg (1875–1956, Nachf. in S.s Untern., seit 1908/10 Vorstandsmitgl. d. Kammgarnspinnerei Stöhr & Co., Hans (1877–1918, Max W. (1882–1953), beide Vorstandsmitgl. d. Botany Worsted Mills in Passaic (New Jersey, USA), 1 T Elisabeth (* 1876);
    N Werner (* 1886), Vorstandsmitgl. d.|Kammgarnspinnerei Stöhr & Co., 1938 Präs. d. IHK bzw. Wirtsch.kammer in Leipzig (s. L).

  • Leben

    S. absolvierte 1861 die Schule, anschließend bis 1865 eine kaufmännische Lehre in der Eisenacher Farbenfabrik. Danach trat er in die Fa. „C. F. Schellhas & Söhne, Zigarrenfabrik in Bremen“ ein, 1866 in die Spinnerei „Eichel & Cramer“ in Eisenach. Dort Prokurist und Geschäftsführer, schied er 1879 aus und gründete 1880 mit weiteren Teilhabern die Kammgarnspinnerei „Stöhr & Co. KGaA“ in Leipzig-Plagwitz (Gründungskapital 1,5 Mio. Mark). Im Unterschied zu den meisten Unternehmen dieser Zeit entstand das Werk S.s aus einem Guß. Das macht die Kammgarnspinnerei in Plagwitz zu einem der beeindruckendsten Monumente der europ. Industriearchitektur.

    Mit S.s Unternehmen wurde die bis dahin dominierende franz. Konkurrenz bei Garnen ausgeschaltet. Zwar führte 1885 die Umstellung der Mode von weichen, fließenden Stoffen auf starre Stoffe aus harter Glanzwolle zu Verlusten, die Erweiterung der Geschäftsbeziehungen nach Nordamerika und die rasche Lieferfähigkeit bei den veränderten Marktbedingungen sicherte jedoch die erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens. 1889 gründete die Familie Stöhr mit Georg Hirsch (1863–1939) und weiteren dt. Textilunternehmern die „Botany Worsted Mills“ in Passaic (New Jersey), die die gesamte Produktionskette von der Rohwolle bis zum fertigen Stoff beherrschte. Das Unternehmen entwickelte sich zur größten Kammgarnspinnerei der USA. 1918 wurde diese Beteiligung von den US-Amerikanern sequestriert, 1923 aus den Händen der Alian Property Custodian zurückerworben.

    S. war 1900 beteiligt an der Gründung der „Sächs. Kunstweberei Claviez AG“ in Leipzig, später in Adorf (Vogtland), 1916 umbenannt in „Textilosewerke und Kunstweberei Claviez AG“, seit 1927 „Teppich- und Textilwerke AG“. Die bereits 1902 vorgenommene Erweiterung durch Erwerb eines Gebäudes der Fa. Claviez ermöglichte die Gründung der „Konkordia Spinnerei Stöhr & Co.“ in Neschwitz/Elbe. 1907 wurde die Spinnerei „C. F. Solbrig Söhne AG“ Chemnitz erworben. Das Gesamtunternehmen S.s beschäftigte nun ca. 10 000 Menschen. 1911 erfolgte die Umwandlung in eine AG, S. fungierte hier als Aufsichtsrat. 1916 schied er aus der Kammgarnspinnerei aus. S. verlegte seinen Wohnsitz nach Eisenach, wo er die Eisenacher Stapelfaserfabrik (später „Viskose AG“ Arnstadt) gründete. 1886 kaufte S. die Waldenburg in der Gemeinde Salzberg in Berchtesgaden, die er 1898 erweitern ließ. Gleichzeitig ließ S. das Stöhr-Haus (im Untersbergmassiv) für den Dt.-Österr. Alpenverein bauen.

    Der erstgeborene Sohn Georg übernahm 1916 den Vorstandsvorsitz, Hans und Max standen dem Unternehmen in Passaic vor. Die Kammgarnspinnerei wurde durch weitere Expansion auch nach Osteuropa zum größten dt. Kammgarnkonzern, 1943 auch beteiligt an: „Leipziger Wollkämmerei“, „Elberfelder Textilwerke AG“ (Etag), „Ohligser Leinen- und Baumwollweberei AG“, „Vaterländische Kammgarnspinnerei und Weberei AG“ Budapest und „Corona Kammgarnspinnerei RAG“ Ghimbav (Rumänien).

    Das Leipziger Unternehmen wurde 1946 verstaatlicht und existierte seit 1948 als „VEB Mitteldt. Kammgarnspinnerei“, seit 1967 als „VEB Buntgarnwerke“. 1969 erfolgte der Zusammenschluß mit dem „VEB Leipziger Wollgarnfabrik“ und dem „VEB Sächs. Kammgarnspinnerei Coßmannsdorf“, 1990 wurde das Unternehmen liquidiert. Seitdem wurde das 50 000 m 2 Areal zum wichtigsten Objekt der Umnutzung von Industriebrachen in Leipzig entwickelt, u. a. für die Expo 2000.

    In der Bundesrepublik existierte das Unternehmen weiter. Seit 1948 wurde in Rheydt-Odenkirchen (heute Mönchengladbach) wieder produziert. Es erfolgten verschiedene Unternehmenszu- und verkäufe sowie Fusionen. 1976 wurde die Produktion der Kammgarnspinnerei in die neu gegründete „Kammgarnspinnerei Stöhr GmbH“ überführt. Der Betriebsteil Vertrieb „Kammgarn“ wurde 2010 an die „Südwolle GmbH & Co. KG“ verkauft, die Gesellschaft selbst 2009 aufgelöst. Sämtliche Anteile an der „Stöhr & Co. AG i. L.“ wurden 2010 an ihre 100 %ige Tochter „S. C. Stoehr Rom S. R. L.“ in Rumänien verkauft.

  • Auszeichnungen

    A KR (1897);
    Ehrenbürger v. Salzberg u. Eisenach (1921).

  • Quellen

    Sächs. StA; StA Leipzig.

  • Literatur

    Zum 22. März 1916, Ein kurzes Lb. z. dauernden Erinnerung d. geliebten Jubilar Herrn KR E. S. in Verehrung u. Freundschaft zu seinem 70. Geb.tag ( . . . ) dargebracht v. Otto Jäger in Gera, [1916];
    Nachruf
    in: Leipziger Mschr. f. Textil-Industrie, H. 3, 1928 (P);
    B. Heintze, Walter Cramer (1886–1944, Ein Leipziger Unternehmer im Widerstand, 1993;
    ders., Walter Cramer, d. Kammgarnspinnerei Stöhr & Co in Leipzig u. d. sog. Judenfrage, 2003;
    G. Höschle, Die dt. Textilind. zw. 1933 u. 1939, 2004;
    M. Schäfer, Fam.unternehmen u. Unternehmerfam., Zur Sozial- u. Wirtsch.gesch. d. sächs. Unternehmer 1850–1940, 2007;
    zu Werner:
    U. Heß u. H. Starke, Kammergeschichte(n), 150 J. IHK f. Sachsen 1862–2012, 2012, S. 89.

  • Autor/in

    Ulrich Heß
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Ulrich, "Stöhr, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 388-389 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1082519839.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA