Lebensdaten
1854 bis 1941
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Reichenberg (Liberec, Böhmen)
Beruf/Funktion
Industrieller ; Zeitungsverleger
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 1073348377 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stiepel, Wilhelm (bis 1918)
  • Stiepel, Wilhelm Friedrich Johann von
  • Stiepel, Wilhelm von (seit 1918)
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Zitierweise

Stiepel, Wilhelm von (seit 1918), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1073348377.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (s. 1);
    M Johanna Zelenka;
    1) Reichenberg 1884 Maria (1856–1901, T d. Theodor Frank (* 1826), Eisenwarenhändler in R., u. d. Marie Schmidt († 1920), 2) Wien 1903 Anna (1874–1960, T d. Franz Mayrgündter (1841–1907, Mühlenbes. in Guntramsdorf (Niederösterr.), u. d. Marie Kindl (1848–1919);
    1 T aus 1), 2 S aus 2) Wilhelm (Willi) Heinrich (1906–85, ⚭ Martha Haas, geb. Schachinger, * 1901, aus Linz), nach Buchdruckerlehre seit 1926 Mitgesellschafter u. Prokurist, 1941–45 Alleingesellschafter d. Fa. Gebrü- der Stiepel in R., seit 1939 Leiter d. Wirtsch.gruppe Druck d. Gauwirtsch.kammer Reichenberg, 1945 Enteignung u. Flucht n. Österr., gründete 1946 mit seiner Frau d. Fa. Donau-Pharmazie GmbH in Linz u. d. Papierhersteller Stiepel in Linz bzw. Traun, Heinrich (Harry) Tugendhold Viktor (1909–38, Dr. rer. pol. (Wien 1933), Mitgesellschafter d. Fa. Gebrüder Stiepel in R., 3 T aus 2).

  • Leben

    S. verbrachte seine Kindheit bei Verwandten, der Druckerfamilie Stumpf, in Bochum und besuchte dort die Bürgerschule und bis 1870 das Progymnasium. Nach einer Druckerlehre im väterlichen Unternehmen in Reichenberg arbeitete er zwei Jahre als Schriftsetzer bei der Verlagsdruckerei Klinkhardt in Leipzig, dann ein Jahr in Hannover und Wien und trat 1877 als Mitarbeiter und 1881 als Mitinhaber in den väterlichen Druck- und Verlagskonzern Gebrüder S. ein. 1886 übernahm er als Alleingesellschafter das Unternehmen bzw. die Herausgabe der „Reichenberger Zeitung“. Diese erschien seitdem unter der Chefredaktion seines Schwagers Wilhelm Feistner nun mit dem Untertitel „Organ für die dt.-nationale Partei in Böhmen“ auch mit einer eigenen Abendausgabe und gehörte zu den fünf großen dt.sprachigen Blättern der böhm. Länder bzw. nach 1918 der Tschechoslowakei. S. übernahm keine politischen Ämter, ebenso blieb die Zeitung überparteilich national und vertrat im dt., zentralistischen und wirtschaftsliberalen Spektrum die dt.-fortschrittliche Richtung, zumal S. 1885 aus dem dt.-nationalen Verein in Reichenberg ausgeschlossen und im selben Jahr die „Dt. Volkszeitung“ als offizielles Blatt der Dt.nationalen Partei in Reichenberg gegründet worden war.

    Studienreisen nach Frankreich, Großbritannien und in die USA regten S. zu kontinuierlicher technischer Modernisierung seiner Betriebe an. 1897 wurde die erste 16seitige Rotationsmaschine installiert, 1898 folgte die erste Linotype-Zeilensetzmaschine in der Habsburgermonarchie und 1929 eine 64seitige Rotationsmaschine, die bis 1993 im Dienst blieb. S. fungierte seit 1899 als Zensor der österr.-ungar. Nationalbank, seit 1918 als Zensor der Filiale Reichenberg der tschechoslowak. Nationalbank und seit 1908 als Kustos, seit 1920 als Kassenwart des Nordböhm. Gewerbemuseums in Reichenberg.

    In der Tschechoslowakei erweiterte S. das Unternehmen um einen Verlag für die dt. Minderheit, wo u. a. die dt. Ausgabe der tschechoslowak. Gesetzessammlung, jur. und textilindustrielle Fachzeitschriften, Lexika, Kalender, Adress- und Kursbücher, Schulbücher sowie Reihen wie „Bücher der Deutschen“, „Schriften der Dt. Gesellschaft der Wissenschaften und Künste“, „Sudetendt. Lebensbilder“ und auch dt. Übersetzungen tschech. Literatur erschienen. Die Reichenberger Zeitung wies seit 1915 den Untertitel „Tagblatt für das dt. Volk in Böhmen“ (seit 1934 „. . . in der Tschechoslowakei“) auf und vergrößerte als überregionale, parteipolitisch unabhängige, national-liberale Zeitung ihre Auflage von 14 000 Exemplaren (1900) über 68 000 (1930) auf 73 000 (1934) und übertraf damit alle anderen außerhalb Prags herausgegebenen dt. Tageszeitungen der Tschechoslowakei. Zu neuen Periodikatiteln des Verlags gehörte z. B. seit 1932 die Radio-Zeitschrift „Europa-Stunde“, das offizielle Organ des dt. Rundfunks der Tschechoslowakei. Daneben wurden im Auftrag Dritter ca. 30 Zeitungen bzw. Publikums- und Fachzeitschriften gedruckt. Nach Betriebserweiterung um Kunstdruck, Photolithographie, Buchbinderei sowie Buch- und Musikalienhandlung gründete S. 1925 die Kofferfabrik Globus, so daß der Konzern um 1929 mehr als 700 Beschäftigte hatte. Nach dem Münchener Abkommen wurde Anfang Nov. 1938 die Reichenberger Zeitung unter nationalsozialistischer Herrschaft eingestellt. S. gelang es aber, mit der Übernahme der bis dahin in Prag angesiedelten „Die Zeit“, nun mit den Untertiteln „Hauptorgan der NSDAP im Reichsgau Sudetenland“ bzw. „Amtsblatt des Reichsstatthalters und seiner Behörden“, weiterhin die regional bedeutendste Tageszeitung Reichenbergs zu drucken. Sein Sohn Willi, der nach dem Tod des Vaters 1941 Alleininhaber des Konzerns wurde, leitete schon seit 1939 die Wirtschaftsgruppe Druck der Gauwirtschaftskammer Reichenberg. 1945 wurde die Firma Gebrüder S. vom tschechoslowak. Staat enteignet und die tschech. Sozialdemokratie übernahm die Druckereien unter dem Namen „Cíl“ (Das Programm). 1950 entstanden aus dem unter Nationalverwaltung gestellten Betrieb die „Severočeské tiskárny“ (Nordböhm. Druckereien), deren jüngster Nachfolger bis heute besteht. Das 1950 aus dem „Reichenberger Heimatbrief“ hervorgegangene kleinregionale Vertriebenenorgan „Reichenberger Zeitung“ mit Sitz in Detmold, seit 1951 in München, knüpfte an S.sche Zeitungstraditionen an, ohne daß daran Mitglieder der Verlegerfamilie S. mitwirkten.

  • Auszeichnungen

    A Handelskammerrat (1888–1918); KR (1904); Orden d. Eisernen Krone 3. Kl. (1906); türk. Mecidiye-Orden mit Kommandeurskreuz (1912).

  • Quellen

    Archivbestand Bratři Stiepelové, k. s., knihtisk a kamenotisk, Liberec 1886–1950 (Gebr. Stiepel, Kommanditges., Buch- u. Steindruck Reichenberg 1886–1950), in: Státní oblastní archiv v Litoměřicích (Staatl. Regionalarchiv in Leitmeritz).

  • Literatur

    s. auch 1);
    E. Arnold, Die Dt.böhm. Ausst. Reichenberg 1906, 1909;
    Dt. Ztg. Bohemia v. 26. 3. 1929, S. 5;
    K. Borda, Gesch. d. Hauses S. u. d. Fa. Gebrüder S. zu Reichenberg in Böhmen II, in: Mitt. d. Fam.-Verbandes Stiepel, H. 5, 1935, S. 81–114 (P);
    75 J. Reichenberger Ztg., 1935 (P);
    Der dt. Rundfunk in d. Tschechoslowak. Rep., hg. v. O. Frankl, 1937;
    Die Zeit (Reichenberg) v. 25. 3. 1939, S. 15;
    G. Dengler, Die „Reichenberger Ztg.“ 1918/ 1919, 1940;
    90 J. „Reichenberger Ztg.“, in: Reichenberger Ztg., Jg. 1, H. 1, 1950, S. 1 f., ebd. v. 5. 6. 1959, S. 7;
    Aus d. Lebenswerk d. Gebrüder S., ebd. v. 15. 8. 1960, S. 3 (P);
    J. Preussler, 100 J. Reichenberger Ztg., in: Jeschken-Iser-Jb., Jg. 4, 1960, S. 36–46 (P);
    K. Chýba, Slovník knihtiskařů v Československu, Bd. 1, 1966;
    W. Menzel, Erinnerungen an W. v. S. d. Älteren, ebd., Jg. 21, 1977, S. 91–93;
    Sudetendt. Ztg. v. 12. 7. 1991, S. 6 (P);
    J. Kubíček u. a., Noviny České Republiky, 2 Bde., 2004;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Robert Luft
  • Empfohlene Zitierweise

    Luft, Robert, "Stiepel, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 332-333 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1073348377.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA