Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Bozner Familie
Konfession
-
Normdaten
GND: 142168246 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Menz, von( seit 1722)
  • Menz
  • Menz, von( seit 1722)
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Zitierweise

Menz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142168246.html [18.08.2019].

CC0

  • Leben

    Das Geschlecht stammt aus Kaltern. Die Söhne eines Johann M. ( 1611), Melchior, Peter, Hans und Alexander, waren 1616 Bürger zu Bozen. Melchiors Enkel Georg (1639–85) wird 1681 in der Merkantilmatrikel erstmals als Kaufmann erwähnt. Dessen Sohn Georg (1665–1720) bekleidete Ämter im Stadtrat sowie das Bürgermeister-, Spital-, Kirchen-, Propst- und Merkantilrichteramt. Johann Peter (1690–1734) erhielt 1721, gemeinsam mit seinem Bruder Georg Anton (1697–1762), den österr. erbländischen Ritterstand mit dem Titel „Edle von“ und ein Jahr später den alten Reichsritterstand wegen ihrer Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung Bozens und insbesondere die dortigen Messen sowie um die Versorgung der durchziehenden kaiserlichen Armeen. Der Reichtum der Familie beruhte auf Speditions- und Geldgeschäften im Transithandel zwischen Deutschland und Italien (Leinwand und Holz gegen Seidenwaren und Südfrüchte) sowie den Erträgnissen des Orientwarenhandels auf den Bozner Messen. Er mehrte sich durch Einheirat in reiche Kaufmanns- und Adelsgeschlechter, deren Schlösser, Ansitze und Herrschaften als Mitgift, im Erbwege oder als Pfandgut in ihren Besitz übergingen. Johann gründete die „Gebrüder v. Menz'sche Baugesellschaft“, die 1764 die Entsumpfung der Eisack-Moosgründe bei Sigmundskron durchführte. Anton Melchior Maria ( 1801) galt als der Reichste seines Geschlechtes. In seinem Haus empfing er 1783 Kaiser Joseph II. Seine Witwe ( 1811) führte die Läden am „Menzengang“ erfolgreich weiter und vererbte das riesige Vermögen ihrem einzigen Kinde Anna Maria Annette (1796–1869), in 1. Ehe (1816) verheiratet mit Karl v. Panzoldi, in 2. mit Ludwig Graf v. Sarnthein. Sie besaß die Schlösser Ravenstein, Sigmundskron, Haselburg, Gerstburg sowie mehrere Paläste und Häuser in Bozen und am Ritten. 1802 erhielt die Familie die Tiroler Landmannschaft. Georg Anton beschwerte sich 1808 beim Merkantilmagistrat wegen Beeinträchtigung seines Holzhandels „zu Wasser“. Durch direkte Bestellung von 10 000 Nanking-Baumwollzeugen in Kalkutta, die er nach Augsburg verkaufte, erzielte er mehrere Jahre hindurch hohe Gewinne. Im Januar 1810 beteiligte er sich an einer Befreiungsaktion für Andreas Hofer, wofür er einen Wechsel von 2 500 Gulden ausstellte. Peter Paul (1771–1840) bekleidete 1807-10 während des Tiroler Freiheitskampfes das Amt des Bürgermeisters von Bozen. 1809 versorgte er den Landsturm mit Waffen und Kleidern. Er gründete ein Schutzkomitee angesehener Bürger, das sich bemühte, durch diplomatische Aktionen und die Zahlung von Geldern sowohl an den Intendanten v. Hormayr als auch an den General v. Buol-Berenberg den Krieg von der Handelsstadt möglichst fernzuhalten. Später erreichte er sogar eine teilweise Rückzahlung der Darlehen. Karl (1780–1847) wurde Diplomat und wirkte als Legationssekretär in Mailand, Neapel und Palermo. Im Freiheitskampf 1809 kehrte er in die Heimat zurück und war als Unterintendant Hormayrs Verbindungsoffizier zum Hauptquartier. Nach der zweiten Berg-Isel-Schlacht (30.5.1809) übernahm er die politische Verwaltung im befreiten Innsbruck. Später verfügte er als ziviler Kommandant des Etsch- und Eisackkreises von Trient aus die Auflösung der irredentistischen Stadtmilizen in Italienisch-Tirol. Nach der dritten, unglücklich verlaufenen Berg-Isel-Schlacht flüchtete er nach Wien, wo er seit 1833 Hofrat der Staatskanzlei und Leiter des geheimen Dienstes war.

    Der Verfall Bozens als Handels- und Messestadt war nicht nur durch die Napoleonischen Kriege und die darauffolgende, nach Aufhebung der Kontinentalsperre ausbrechende Wirtschaftskrise bedingt, sondern auch durch die Verlagerung der Handelswege nach Verona. Zum Verfall der großen Handelshäuser kam bei den M. noch eine verderbliche Vermögenszersplitterung aufgrund der zahlreichen Nachkommenschaft. Die meisten Nachkommen schlugen deshalb die Beamten- oder Advokatenlaufbahn ein. Die Familie repräsentiert beispielhaft die Vorbindung des erfolgreichen Großkaufmanns mit dem konservativ-kunstsinnigen Edelmann. Baustilistisch hat sie sich in den prunkvoll verzierten Kommerz-Palästen und Laubengängen Bozens ein bleibendes Denkmal gesetzt.

  • Literatur

    O. Stolz, Handel u. Gewerbe, Märkte u. Städte, in: Tirol, Land u. Natur, Volk u. Gesch., 1933, S. 305-36;
    R. v. Granichstaedten-Czerva, Bozner Kaufherren (1550–1850), 1941;
    H. Krasensky, Die Bozner Marktordnung 1718, 1957;
    G. Otruba (Hrsg.), Europ. Commerzreisen um d. Mitte d. 18. Jh., 1982, s. 60.

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Empfohlene Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Menz" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 100 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142168246.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA