Lebensdaten
1871 bis 1952
Geburtsort
Ratibor (Oberschlesien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Sammler sozialistischer Literatur
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11912792X | OGND | VIAF: 8190931
Namensvarianten
  • Stein, Max

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Zitierweise

Stein, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11912792X.html [01.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Simon († 1888), Schankwirt, Getreidehändler in R.;
    M Rosalie Cohn;
    Halb-B Ludwig, studierte Med. in Breslau, Mitgl. verbotener sozialist. Bewegungen;
    1900 Hedwig Vollpracht (* 1871, ev.);
    2 S Hellmut, Hartwig, 2 T Erika, Renata (* 1917, s. L).

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters wurde S. aus der höheren Schule genommen und in eine Lehre zur Getreidehandlung May in Glatz (Oberschlesien) gegeben. Durch seinen Halbbruder Ludwig, der in Breslau Medizin studierte, kam S. früh in Kontakt mit sozialist. Schrifttum. In seiner Ausbildungszeit unterhielt er Verbindungen zu Handwerkern und Arbeitern, die eine Gewerkschaft gründen wollten. S. wurde 1889 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (Sekretär der Glatzer Sozialdemokraten und Vertrauensmann gegenüber dem Gesamtvorstand in Berlin), bis er als Agitator der SPD denunziert wurde. Ab 1893 arbeitete S. in der Leipziger Verlagsbuchhandlung Wiest und begann, sozialist. Schriften zu sammeln. In Leipzig knüpfte er als Mitglied des Arbeitervereins (1893) Kontakte zu führenden Sozialdemokraten wie Konrad Haenisch, Paul Löbe, Hermann und Käte Duncker sowie Alexander Helphand,|die ihm auch Schriften mit Widmung überließen. Nach Zwischenstationen im Buchhandelsgewerbe arbeitete S. seit 1900 in der Gleiwitzer Dachpappen- und Teerproduktion Ludwig Gassmann, ab 1906 in Breslau bei Gassmann & Nothmann. Diese höher dotierten Stellen ermöglichten S. planmäßige Erwerbungen für seine Sozialistica-Bibliothek. Daneben engagierte er sich im Breslauer Kulturleben (u. a. Theaterverein, Universität). 1927 wurde S. Vorstandsmitglied der „Vereinigten Dachpappenfabriken AG“ (VEDAG) in Berlin, der größten dt. Dachpappenfabrik. 1935 im „Stürmer“ als „Jude“ denunziert, verlor S. seine berufliche Stellung und seine Ehrenämter. 1938 und 1941 kurzfristig im KZ Sachsenhausen interniert, kam S. durch Intervention seiner Frau und von Freunden rasch wieder frei. Einer Deportation entging S. wegen der „privilegierten Mischehe“. Nach dem Krieg baute S. in Berlin-Steglitz einen sozialdemokratischen Bildungskreis auf und war bis zu seinem Tod in der Bezirkspolitik aktiv.

    Durch unermüdlichen und sachkundigen Sammlerfleiß gelang es S., wichtige Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung für die Nachwelt zu bewahren. Die in mehr als 50 Jahren zusammengetragene „Bibliothek Stein“ bildet neben den Beständen des Amsterdamer Internationalen Archivs für Sozialgeschichte eine der wichtigsten Sammlungen für Forschungen zur Geschichte des Sozialismus. Sie enthält zahlreiche Unikate und Rarissima, darunter Erstausgaben sozialistischer Klassiker und früher sozialistischer Zeitschriften. Dabei stellt die Bibliothek nur einen kleinen Ausschnitt aus der reichen Sammeltätigkeit von S. (Briefmarken, Medaillen, Berliner Eisen, Porzellan, Autographen und gedruckte Materialien) dar. Durch Hinweise auf Nachlässe, Antiquariate und Neuerscheinungen unterstützten viele Freunde S. beim Aufbau seiner Sammlung. Ein umfangreicher Schriftwechsel zeigt das weitgespannte Netz seiner Kontakte. Die teilweise erhaltene Autographensammlung befindet sich seit 1952 als Depositum im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Teile der Sammlung, u. a. die von S. erworbenen Nachlässe von Konrad Hänisch und Paul Löbe, wurden bereits während der NS-Zeit an das Reichs- und Heeresarchiv in Potsdam abgegeben, die Sammlung selbst stand seit 1942 unter der Aufsicht der Gestapo. Einen umfangreichen Bestand an Büchern und Broschüren zur „Bürgerlichen Revolution von 1848“ verkaufte S. 1949 an die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt / Main, weitere ca. 10 000 Bände 1951 an die FU Berlin, von denen ca. 7500 Bände den Kern der Sozialistica-Sammlung bilden, die den Namen „Bibliothek Stein“ erhielt. Dieser Bestand wurde 1980–92 formal und sachlich tief erschlossen und war Grundlage des 1993 veröffentlichten „Katalog Stein“, dem eine ca. 2700 Titel umfassende Mikrofiche-Ausgabe rarer und ideengeschichtlich bedeutsamer Quellen beigegeben wurde.

  • Auszeichnungen

    A Vors. d. Normenausschusses u. erster Schatzmeister d. Verbandes Dt. Dachpappenfabrikanten (1913);
    Mitgl. d. IHK Breslau;
    Ehrenbürger d. Univ. Breslau (1921).

  • Quellen

    Qu Autographen: Geh. StA Preuß. Kulturbes., VI. HA, Nl. Max Stein (Depositum); -persönl. Nachlaß: Geh. StA Preuß. Kulturbes., VI. HA, Nl. Max Stein.

  • Literatur

    A. Spiller, Die Bibl. d. oberschles. Soz.demokraten M. S. in d. UB d. FU Berlin, 1970;
    ders., M. S., e. oberschles. Bibliophiler u. sein Verdienst um d. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Breslau, in: Jb. d. Schles. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Breslau 17, 1972, S. 239–48;
    W. Krimpenfort, Bibl. Stein, Soz.gesch. im 19. u. 20. Jh., Kat., hg. v. U. Naumann, 1993 (P), darin u. a. Renata Stein, Erinnerungen an meinen Vater M. S. (1871–1952, erg. durch Angaben aus dessen Tagebüchern u. sonstigen Unterlagen, S. VII–XI;
    C. Nowak, Der Nachlaß M. S., Die Bearb. e. Teilnachlasses im GStA u. deren Einordnung in d. als „gestörte Überlieferung“ existierenden Gesamtnachlaß, unveröff. Dipl.arb. HU Berlin 1995;
    S. Kleinschmidt, in: Bewahren – Verbreiten – Aufklären, Archivare, Bibliothekare u. Sammler d. Qu. d. dt.sprachigen Arbeiterbewegung, hg. v. G. Benser u. M. Schneider, 2009, S. 321–25;
    Wenzel;
    Rhdb. (P)

  • Portraits

    | Gipsbüste v. P. Schulz, 1925 (FU Berlin, Lesesaal), Abb. in: P. Schulz, 50 Köpfe, 1930;
    danach Bronzenachguß, 1989 (FU Berlin, Foyer d. UB).

  • Autor/in

    Ulrich Naumann
  • Empfohlene Zitierweise

    Naumann, Ulrich, "Stein, Max" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 156-157 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11912792X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA