Lebensdaten
1476 oder 1477 bis 1521 oder 1522
Geburtsort
Brieg (Schlesien)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Humanist ; Geograph
Konfession
-
Normdaten
GND: 119355906 | OGND | VIAF: 317279033
Namensvarianten
  • Stein, Bartholomaeus
  • Stein, Bartholomeus
  • Stenus, Barthel
  • mehr

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Zitierweise

Stein, Barthel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119355906.html [07.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Georg († 1484), mehrmals Bgm., Ratsherr u. Schöppe in Brieg;
    M Anna († 1484);
    Geschw.

  • Leben

    Nach dem frühen Tod der Eltern, die ihn und mehrere Geschwister jedoch nicht mittellos zurückließen, besuchte S. im Alter von etwa sieben Jahren die Johanniterschule von Brieg. 1495 bezog er die Univ. Krakau und wurde 1498 zum Baccalaureus und 1501 zum Magister artium promoviert, was mit der venia legendi verbunden war. Ebenfalls 1501 erfolgte mit Unterstützung des ehemaligen Rektors der Universität und 1505 zum Bischof von Breslau gewählten Johannes Turzo (1465/66–1520) seine Berufung zum Rektor der Domschule St. Johann in Breslau. Dort verkehrte S. mit dem ebenfalls als Schulrektor und später als Stadtschreiber tätigen Humanisten Laurentius Corvinus (1465–1527). Nach vier Jahren verließ S. Breslau, um in Wien weiterzustudieren. 1505 an der med. Fakultät eingeschrieben, hörte er auch Vorlesungen des dort seit 1496 lehrenden Conrad Celtis (1459–1508) und dürfte dessen 1496/ 1502 veröffentlichte Beschreibung von Nürnberg bereits vorher gekannt haben. Seit 1506 lehrte S. wieder an der Univ. Krakau, las über die „Parva Naturalia“ und die „Oeconomica“ des (Pseudo-)Aristoteles bzw. über die „Tusculanes“ Ciceros. Zudem war er Mentor der beiden Söhne des Fugger-Faktors Leonhard Vogel, die er 1508 auch zur eigenen Fortbildung an die Univ. Wittenberg begleitete, und durch deren harte Erziehung er sich den Unwillen des Wittenberger Rektors Christoph Scheurl (1481–1542) zuzog.

    Bf. Turzo bewog Scheurl, S. dennoch für eine Lektur vorzuschlagen, die diesem mit 20 Goldgulden Jahresentgelt übertragen wurde. Hierbei dürfte es sich um den ersten nachgewiesenen besoldeten Lehrauftrag für Geographie in Deutschland gehandelt haben. Die Fakultät erwartete eine kosmographische, d. h. mathematisch-astronomisch ausgerichtete Lehrveranstaltung, stattdessen kündigte S. ein öffentliches Kolleg über die geographische Lage der bewohnbaren Gebiete der Erde an, soweit diese in der Antike bekannt war. Er interpretierte die wegen ihrer Kürze didaktisch besonders geeignete Chorographie des röm. Geographen Pomponius Mela nach dem Kenntnisstand von 43 n. Chr. in der vorgeschriebenen Orientierung am Text. Als Lehrbuch verwendete S. das Werk nach der Rezension des Hermolaus Barbarus (Ermolao Barbaro), das er, ergänzt durch seine Antrittsvorlesung, 1509 für die Lehre neu herausgab. Nach S. zeigt eine Erdbeschreibung den Staaten und den Bürgern den Schauplatz ihrer Tätigkeit und ist für die Kriegsführung ebenso unerläßlich wie für den Warenhandel. Seine schwache Gesundheit bewog S. 1512 zur Aufgabe des Lehramtes, danach hielt er sich vorübergehend in Leipzig bei dem einflußreichen Humanisten Hieronymus Emser (1477/78–1527) auf, reiste jedoch noch im selben Jahr nach Breslau zurück. Hier trat er zunächst als Pfründner in das Hospiz des Johanniterordens zu Corpus Christi ein. 1514 zum Ordensgeistlichen geweiht, erhielt S. 1517 die Pfarrei eines nahe liegenden Kommendedorfes übertragen, der er bis 1521 vorstand.

    Mangelnde Landeskenntnis auch der Gebildeten regte S. zum Schreiben an. So verfaßte er 1504/05 die „Descriptio totius Silesie“; die erste, überwiegend topographische Stadtbeschreibung von Breslau (Descripcio Vratislaviae) entstand nach seinem Wittenbergaufenthalt um 1512 /13. S. gehört zu jenen Humanisten, die den Laudes urbium der oberital. Städte ein Städtelob der Reichstädte entgegensetzten, um deren kulturelle Entwicklung in der dt. Nation hervorzuheben. Der spätere Breslauer Reformator Johann Heß (1490–1547), 1510 in Wittenberg zum Magister promoviert und 1513 Sekretär von Bf. Turzo in Breslau, benutzte S.s „Descriptio“ in seiner eigenen, verlorengegangenen Landesbeschreibung „Silesia Magna“ und besorgte auch den Druck der von S. für die Schule verfaßten Geschichte des jüd. Volkes (Ducum, Iudicum, Regnum Israelitici populi [ . . . ] hystorica methodus, 1523). S.s geographische Arbeiten blieben bis ins 18.Jh. unveröffentlicht, ihre Rezeption als wichtige Quelle erfolgte erst im 20. Jh.

  • Werke

    Pomponius Mela, Praelectio Bartholomei Steni in Libellum Pomponii, 1509;
    Christl. Leychenpredigten, T. 3, 1591;
    Descriptio Silesiæ, in: F. W. v. Sommersberg (Hg.), Regnum vannianum antiquam Silesiam complectens, 1722;
    Descriptio Vratislaviae, Descriptio Silesiae, hg. v. J. G. Kunisch, 1836;
    Descriptio totius Silesie et civitatis regie Vratislaviensis, Beschreibung v. Schlesien u. seiner Hauptstadt, hg. v. H. Markgraf, 1902;
    Descriptio totius Silesiae, hg. v. F. Nieländer, 1927;
    Descriptio Vratislaviae, hg. v. M. Goebel, 1927;
    Bartłomieja Steina Renesansowe opisanie Wrocławia, 1995, auch lat., dt. u. poln.

  • Literatur

    ADB 35;
    G. Bauch, Btrr. z. Lit.gesch. d. schles. Humanismus, in: Zs. d. Ver. f. d. Gesch. Schlesiens 26, 1893, S. 225–38;
    A. Schaube, ebd. 60, 1926, S. 60–80;
    P. Habel, in: Schles. Lb. IV, 1931, S. 91–98;
    H. Beck, Gr. Geographen, 1982, S. 22–44;
    H. P. Harder, Landesbeschreibungen Mitteleuropas v. 15–17. Jh., 1983, S. 29–45;
    M. P. Fleischer, Der schles. Späthumanismus, in: Qu.buch z. Gesch. d.|ev. Kirche in Schlesien, hg. v. G. A. Benrath u. a., 1992, S. 65–67;
    E. Walter, Wo hat d. Johanniter B. S. seine Beschreibung Breslaus geschrieben?, in: Im Gedächtnis d. Kirche neu erwachen, Studien z. Gesch. d. Christentums in Mittel- u. Osteuropa, Festgabe f. Gabriel Adriányi z. 65. Geb.tag, hg. v. R. Haas, 2000, S. 83–103;
    Repert. Fontium.

  • Autor/in

    Rainer W. Gärtner
  • Empfohlene Zitierweise

    Gärtner, Rainer W., "Stein, Barthel" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 139-140 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119355906.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Stein: Bartholomäus St. (Stenus), in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts in Brieg in Schlesien geboren, bezog im Sommersemester 1495 die Universität Krakau und wurde dort 1498 Baccalar und 1501 Magister der Philosophie. Nachdem er als Magister legens aufgetreten war, besuchte er vorübergehend eine andere Universität, um 1506 wieder nach Krakau zurückzukehren. Im November 1508 siedelte er nach Wittenberg über, wo er durch Christoph Scheurl's Vermittlung 1509 als erster Docent der Geographie angestellt wurde.|Seiner ersten Vorlesung legte er den Pomponius Mela zu Grunde, den er zu diesem Zwecke, nach der Recension des Hermolaus Barbarus, drucken ließ. 1512 finden wir ihn in freundlicher Berührung mit Hieronymus Emser in Leipzig. Nach der Heimath zurückgekehrt, trat er in Breslau in den Johanniterconvent zu Corpus Christi und schrieb hier sein wichtigstes Werk „Descriptio totius Silesiae atque civitatis regiae Wratislaviensis“, die älteste Beschreibung von Breslau und die erste ausführlichere von Schlesien, vermuthlich im Jahre 1516. St. dürfte um das Jahr 1520 gestorben sein. 1523 erschien von ihm noch in Nürnberg, durch Thomas Venatorius veröffentlicht, der die Handschrift für diesen Zweck von dem Breslauer Reformator Johann Heß zugeschickt erhalten hatte, eine „Geschichte des jüdischen Volkes“.

    • Literatur

      Schles. Zeitschrift XXVI, 225 f.

  • Autor/in

    Gustav Bauch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauch, Gustav, "Stein, Barthel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 601-602 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119355906.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA