Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Patrizierfamilie in Frankfurt am Main
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1081742976 | OGND | VIAF: 14145424469786830200
Namensvarianten
  • Stalburg, von
  • Stallburg
  • Stalburger
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Zitierweise

Stalburg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081742976.html [15.04.2021].

CC0

  • Leben

    Die Herkunft der Familie ist unklar, möglicherweise stammte sie ursprünglich aus Mainz. Das erste Mitglied der Frankfurter Familie S. war der Tuchscherer Hans (Henne) von Reddelnheim (Rödelheim) ( 1443), der 1402 das Frankfurter Bürgerrecht erlangte. Als er sich 1421 im Haus „Stalberg“ auf dem Liebfrauenberg niederließ, nahm er den Hausnamen als Beinamen an. Seine Enkel Claus d. Ä. (1428–74) und Kraft ( 1484) beteiligten sich spätestens 1449 an dem von ihrem Schwager Hans Bromm († 1457) gegründeten Handelsunternehmen. Dieses trieb anfangs hauptsächlich Handel mit Venedig und besaß später auch Niederlassungen in Genua. Das Netz der Geschäftsverbindungen reichte von Oberitalien über Straßburg und Frankfurt bis nach Halle und Lübeck. Aus Italien importierte man hauptsächlich Seide und andere Luxuswaren sowie Gewürze nach Deutschland, während aus dem Ostseeraum Pelze, Fisch, Bernstein, Wachs und aus Thüringen Waid nach Italien exportiert wurden. War der risikoreiche Fernhandel zunächst äußerst ertragreich, ging der Gewinn seit den 1480er Jahren zurück. 1497 wurde die Handelsgesellschaft Bromm-S. aufgelöst und von den ehemaligen Teilhabern unabhängig voneinander weitergeführt. 1468 wurde Claus d. Ä. durch seine zweite Heirat mit der Patriziertochter Margarethe von Ergersheim († vor 1499) in die vornehmste Frankfurter Patriziergesellschaft Alten-Limpurg aufgenommen und im nächsten Jahr in den Rat kooptiert. Wenige Monate nach seinem Tod wurde sein Bruder Kraft Mitglied des Rates. Damit war aufgrund des|im Handel erworbenen Reichtums und einer geschickten Heiratspolitik innerhalb von nur zwei Generationen der Aufstieg in das Patriziat erfolgt. Die S. gehörten fortan über viele Generationen zu den führenden Frankfurter Familien und waren maßgeblich an der Politik der Reichsstadt beteiligt. 1469–1802 saßen 23 Familienmitglieder als Ratsherren, Schöffen und Stadtschultheißen im Rat. Zwischen 1505 und 1787 stellten die S. 25mal einen der beiden jährlich vom Rat aus den beiden ersten Ratsbänken gewählten Bürgermeister (15mal den Älteren und 10mal den Jüngeren Bürgermeister). Bekanntestes Mitglied der Familie war Claus d. Reiche (1469–1524, s. u.). In den nächsten drei Generationen erlangten in direkter Linie je einer seiner Söhne, Enkel und Urenkel mit dem Schultheißenamt das höchste städt. Amt: Claus (1501–71), 1562–71 Schultheiß, Christoph (1538–1606), 1592–1606 Schultheiß (s. Frankfurter Biogr.), Hieronymus S. (1590–1662), 1648–62 Schultheiß.

    In der ersten Hälfte des 16. Jh. verband sich ein Stamm mit ital. Geschlechtern und wanderte aus Frankfurt aus. Seit der Mitte des 16. Jh. zogen sich die S. allmählich aus dem Handel zurück, um von ihrem Grund- und Rentenbesitz zu leben und sich ausschließlich der städt. Politik zu widmen. Einige Familienmitglieder schlugen eine militärische oder höfische Laufbahn außerhalb Frankfurts ein: Hieronymus Augustus (1579– n. 1630) Hauptmann der Vereinigten Generalstaaten der Niederlande, Hans Heinrich (1583–1620) gefallen als Fähnrich in Diensten der böhm. ev. Stände, Philipp (1587–1629) Stallmeister, dann Offizier im Regiment zu Pferd des Prinzen Heinrich von Oranien, Johann Ogier (1602–64) Page bei Gf. Schönburg, Stallmeister bei Gf. v. St. Severin in Neapel, Hans Daniel (1650–93) 1680 hzgl. württ. Oberrat auf der adeligen Bank und Justizrat in Stuttgart, Johann Carl (1739–1804) 1761 fürstl. nassau-saarbrück. Regierungsrat, 1787 Geheimer Rat, Gesandter zum Oberrhein. Kreis 1776–90 für Nassau-Saarbrücken, 1791–1804 für Nassau-Usingen, seit 1785 für Isenburg und die Reichsstadt Friedberg.

    1808 starb mit Johann Adolf Friedrich v. S. (1736–1808) der letzte männliche Namensträger der Familie. Er war zugleich auch das letzte in den Rat kooptierte Familienmitglied, hatte sich aber schon 1789 aus der Politik zurückgezogen. Bereits im Vorjahr hatte er das von Claus d. Reichen Ende des 15. Jh. erbaute Stammhaus Groß-Stalburg am Großen Kornmarkt an die Dt.-ref. Gemeinde verkauft, die es für den Bau einer Kirche abriß. Als letzter S. saß Johann Friedrich Maximilian v. S. (1736–1802) bis zu seinem Tod im Rat. In weiblicher Linie starb die Familie mit Sophie Wilhelmine Luise v. S. (1762–1824) aus, die 1788 Christian August v. Boltog (1744–1808) geheiratet hatte.

    Das Familienwappen zeigt in blauem Feld drei silberne Pilgermuscheln (oben 2, unten 1). Das von Claus d. Reichen Ende des 15. Jh. erworbene Landgut, die sog. Stalburg-Öde, ist in der heutigen Glauburgstraße 80 nach mehrfachen Umbauten noch in Resten erhalten und wurde seit 1879 als Gasthaus (Zur Stalburg) genutzt, heute als Theater (Stalburg Theater).

  • Quellen

    Inst. f. Stadtgesch. Frankfurt (Stalburg Archiv).

  • Literatur

    E. Heyden, Das Frankfurter Patriziergeschl. v. S., in: Frankfurter Konversationsbl., Beibl. d. Postztg., 1862, Nr. 48–50;
    B. Dölemeyer, Frankfurter Juristen im 17. u. 18. Jh., 1993;
    H. Körner, Frankfurter Patrizier, neubearb. u. fortges. v. A. Hansert, 2003, S. 379–401;
    J. K. v. Fichard, Frankfurter Geschlechtergesch., Fasz. 286 (Ms. im Inst. f. Stadtgesch. Frankfurt am Main);
    Frankfurter Biogr.

  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Matthäus, Michael, "Stalburg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 41-43 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081742976.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA