Lebensdaten
1651 bis 1695
Geburtsort
Weilheim
Sterbeort
Weilheim
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123696321 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stainhard, Franz
  • Stainhart, Franz d. Ä.
  • Steinhard, Franz
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Zitierweise

Stainhart, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123696321.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Dominikus (s. 1);
    Weilheim 1683 Katharina (* 1661), T d. Johannes Loth (Lott) (* 1635), Hüter in W., u. d. Regina Rait;
    K u. a. Franz (II) (1683–1741?), Bildhauer in München.

  • Leben

    Die wohl in der väterlichen Werkstatt in Weilheim ausgebildeten Brüder Franz und Dominikus traten international hervor. Von ca. 1674–82 waren sie in Italien tätig, seit ca. 1677 in Rom. Dort schufen sie gemeinsam ihr Hauptwerk, den umfangreichen Dekor eines von dem Architekten Carlo Fontana für den Fürsten Colonna entworfenen Prunkschranks (Rom, Galleria Colonna; archivalisch belegt sind Arbeiten daran von Febr. 1679 bis Juli 1680). In dessen Front eingefügt sind neben ornamentalen Elementen 28 Elfenbeinreliefs mit biblischen und mythologischen Darstellungen, im Zentrum eine Kopie von Michelangelos „Jüngstem Gericht“.

    Gleich nach der Rückkehr aus Italien 1682 konnte Dominikus dem jungen bayer. Kf. Max Emanuel (1662–1726) für 200 fl. ein Elfenbeinrelief „Belagerung Jerusalems durch Titus und Weissagung des Basilides“ (verschollen) verkaufen. Im Jan. 1683 bewarben sich beide Brüder gemeinsam um eine feste Anstellung am Münchner Hof. Sie gaben an, sie seien ledig und in der Lage, auch in Holz, Perlmutt, Koralle, Achat und Bernstein zu arbeiten.

    Die Bewerbung blieb trotz Fürsprache von Hofbauamt und Hofkammer erfolglos; daraufhin ließen sich die Brüder in Weilheim nieder. 1690 übersiedelte Dominikus nach München und wird dort 1705 als Beisitzer der Zunft genannt. Die Abwesenheit des Kurfürsten, zunächst in Brüssel als Statthalter der Niederlande 1692–1701, dann im Exil 1704–15, war für die Münchner Künstler sehr ungünstig. Dennoch gelang es Dominikus, lukrative Aufträge vom Hof zu erhalten, so 1702 für sechs Reliefs mit der Geschichte Mosis für je 600 fl., von denen er im selben Jahr zwei Stücke vollendete. Die restlichen wurden erst 1715, drei Jahre nach seinem Tod, von seiner Witwe ausgehändigt. Ein Gönner beider Brüder S. war der Geh. Rat Korbinian v. Prielmair (1643–1707), der von Dominikus Reliefs der Verkündigung (erworben 1702) und der Taufe Christi sowie eine Statuette des hl. Sebastian besaß (alle verschollen).

    Das umfangreiche Werk von Franz und Dominikus S. ist bis heute nicht gründlich erfaßt und bedarf einer kritischen Sichtung. Nicht einmal ihr gemeinsames frühes Hauptwerk, die Reliefs am Schrank der Galleria Colonna, die Basis für die Beurteilung des verstreuten Œuvres, ist vollständig dokumentiert. Von Dominikus, dem begabtesten Bildhauer der Familie, sind ausschließlich Elfenbeinskulpturen, überwiegend Reliefs, bekannt (mehrere signierte Arbeiten im Bayer. Nat.mus. München). Ihm dienten zwar für seine Darstellungen oft – wie zu dieser Zeit üblich – Stiche nach Gemälden von Raffael, Michelangelo oder auch von Barockmalern als Vorlagen, doch entwickelte er bei einigen seiner Reliefs, unter Ausnutzung der Form der in der Mitte gewölbten Elfenbeinrohlinge, originelle Kompositionen mit kunstvoll hinterschnittenen Figuren, die er schräg, mitunter fast waagrecht anordnete und damit auf die dickere, mittlere Zone des Werkstücks konzentrierte. Mit seinen besten Arbeiten, wie der „Auffindung Mosis“ oder den vier mythologischen Reliefs aus der Slg. Stroganoff (Bayer. Nat.mus.), leistete er auf hohem künstlerischem Niveau einen eigenwilligen Beitrag zu der virtuosen spätbarocken Elfenbein-Kleinplastik, die ganz dem Zeitgeschmack entsprach und damals eine letzte Blüte erlebte.

  • Werke

    Reliefschmuck e. Prunkschranks (Rom, Gall. Colonna, vollendet 1680);
    4 Reliefs mit mythol. Darstell., sign., ehem. Slg. Stroganoff (München, Bayer. Nat.mus.);
    9 Reliefs mit Darst. aus d. Gesch. Mosis, aus versch. Folgen (ebd., Mus. Sterckshof, Deurne b. Antwerpen, u. Slg. Reiner Winkler, Wiesbaden);
    weitere Arbb.: Bayer. Nat.mus. München;
    German. Nat.mus. Nürnberg;
    Kunsthist. Mus. Wien;
    Kunstslgg. d. Stifte St. Florian u. ;
    Wallace Coll. London;
    Art Mus. Providence, Rhode Island;
    Slg. Reiner Winkler, Wiesbaden u. a.

  • Literatur

    R. Berliner, Die Bildwerke in Elfenbein, Kat. Bayer. Nat.mus., 1926;
    Hanns R. Huber, Corbinian v. Prielmair, Diss. München 1944 (masch.), S. 387 f. u. 397;
    Ch. Theuerkauff, Scultura barocca in avorio, Nuove attribuzioni ad Adam Lenckhardt e a Dominicus Steinhart, in: Antichità viva 10, 1971, S. 33–51;
    ders., „Kunststückhe von Helfenbein“, Zum Werk d. Gebrüder S., in: Alte u. moderne Kunst 124/25, 1972, S. 22–33;
    ders., Elfenbein, Slg. Reiner Winkler, Bd. 1, 1984, S. 131–33, Bd. 2, 1994, S. 89–94;
    P. Volk, Die bildende Kunst am Hofe Max Emanuels, in: Kf. Max Emanuel, Ausst.kat. München 1976, Bd. 1, S. 127, Bd. 2, Kat. Nr. 253 f.;
    Apoll schindet Marsyas, Ausst.kat. Bayer. Nat.mus. München 1995, S. 254–56;
    S. Haag, Meisterwerke d. Elfenbeinkunst (Kurzführer d. Kunsthist. Mus. Wien), 2007, S. 152 f.;
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Peter Volk
  • Empfohlene Zitierweise

    Volk, Peter, "Stainhart, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 40-41 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123696321.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA