Lebensdaten
um 1575 bis 1648
Geburtsort
wahrscheinlich Freising
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12262162X | OGND | VIAF: 66655220
Namensvarianten
  • Stadlmair, Johann
  • Stadlmaier, Johann
  • Stadlmayer, Johann
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Zitierweise

Stadlmayr, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12262162X.html [19.01.2021].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbekannt;
    1) 1604 Elisabeth Kienberger ( 1619), aus Salzburg, 2) 1621 Eva Köllner, T e. Ratsbürgers in I.;
    5 K aus 1) u. 2) u. a. S aus 1) Alphons(us) (Taufname: Hans Christoph) (1610–83, Benediktiner in Kloster Weingarten, Prof. d. Theol. an d. Univ. Salzburg, 1652–73 Rektor, danach Abt in Weingarten (s. ADB 35; ÖML), Johann Conrad, T Maria Elisabeth ( Georg Geiger, Rgt.kanzlist in I.), Maria Katharina (⚭ Ambros[ius] Rainer [Reiner], 1604–72, aus Altdorf b. Weingarten, Komp., ksl. Hofkapellmeister in I., s. New Grove2; ÖML, S d. Jacob Reiner, vor 1560–1606, Kirchenmusiker, Komp., Magister chori musici d. Benediktinerstifts in Weingarten, 1574/75 Schüler v. Orlando di Lasso in München, beide s. ADB 28).

  • Leben

    S. wurde, folgt man Titelblatt und Widmung seines 1603 erschienenen „Sacrum Beatissimae Virginis Mariae canticum“ („Frisingensis“) wahrscheinlich in Freising geboren. Sein Geburtsjahr dürfte um 1575 liegen, da bereits für das Jahr 1596 von dem Erscheinen eines bisher nicht auffindbaren Drucks achtstimmiger Messen in Augsburg berichtet wird. In einer Stellungnahme der Innsbrucker Hofkammer von 1619 ist S. zudem als „noch ain zimblich junger, beriebiger Mann“ (Senn, 1954, S. 207) erwähnt.

    Seit 1603 im Dienst des Salzburger Fürstbf. Wolf Dietrich v. Raitenau, wurde S. 1604 zum Vizekapellmeister und auch zum Kapellmeister ernannt. Drei Jahre später verließ er Salzburg, um dem Ruf Ehzg. Maximilians nach Innsbruck zu folgen, wo er als Hofkapellmeister angestellt wurde. Von Maximilian hoch geschätzt, erhielt er dort u. a. 1618 die Summe von 1500 fl. für einen Hauskauf. Außerdem wurde er im Testament seines Dienstherren mit einem Legat von 800 fl. bedacht.

    Mit dem Tod Maximilians 1618 begannen für S. schwierige Jahre, da der Innsbrucker Hofstaat und damit auch die Hofkapelle 1619 aufgelöst wurden. Leopold V., der Nachfolger Maximilians, war bis 1623 zunächst nur Statthalter von Tirol und hielt, nachdem er 1607 Bischof von Straßburg geworden war, meist Hof in Zabern im Elsaß, wo er bereits eine Hofkapelle besaß. Die kleine Rente, die S. vom Hof erhielt, wurde 1620 erhöht; auf ein erneutes Gesuch hin wurde er vom Erzherzog 1621 zum provisorischen Kapellmeister ernannt mit der Aufgabe, die Kapelle bei Anwesenheit des Hofes in Innsbruck zu leiten. Dafür wurde seine Rente auf 200 fl. heraufgesetzt. Darüber hinaus nahm S. die Tätigkeit eines von der Regierung bestellten Inspektors der Metzger- und Fleischbankordnung an; schließlich faßte er den Entschluß, sich um das Amt des Domkapellmeisters in Wien zu bewerben. Der Erzherzog bestellte ihn daraufhin als wirklichen Hofkapellmeister mit einem Gehalt von 400 fl., wobei die bisherigen 200 fl. als Rente weiter gezahlt wurden. Auch nach dem Tod Leopolds 1632 behielt dessen Witwe Claudia de’Medici trotz der mit dem 30jährigen Krieg verbundenen finanziellen Schwierigkeiten S. als Hofkapellmeister. Außerdem unterstützte sie finanziell den Druck etlicher seiner Werke.

    S. erfuhr als Komponist hohe Wertschätzung; seine gedruckten Arbeiten wurden von Italien bis Norddeutschland vielfach aufgeführt. Die von ihm überlieferten – ausschließlich geistlichen – Werke zeigen, daß er sich kompositorisch auf der Höhe seiner Zeit befand, wobei er Traditionen aus dem 16. Jh. mit den Errungenschaften des konzertierenden Stils des 17. Jh. vereinte. Kennzeichnend für den Stil S.s ist das starke Vordringen von Homophonie unter der beginnenden Ausbildung eines Außenstimmensatzes, der kaleidoskopartige Wechsel von Homophonie und Polyphonie, das Gegenübertreten von Wenig- und Vollstimmigkeit, der Taktwechsel und das Einschalten von Abschnitten langsameren Tempos – insgesamt also der aus der Gegenüberstellung heterogener Elemente resultierende Kontrast. Obwohl die Werke im wesentlichen noch modal konzipiert sind, zeigen sie dennoch eine wachsende Tendenz zu einer Dur-Moll-Tonalität.

  • Werke

    u. a. Messen: Missae f. 8 St. u. 2 B. c. (Orgel), Augsburg 1596 (vgl. G. Draudius, Biblioteca classica, Frankfurt/M. 1611, 21625), kein Exemplarnachgewiesen;
    Missae f. 8 St. u. 2 B. c. (Orgel), Augsburg 1610;
    Missae f. 12 St. u. 3 B. c. (Orgel), Wien 1616;
    Missae concertatae f. 6 St., 2 Zinken/Violinen, 4 Pos. u. B. c., Innsbruck 1631;
    Missae breves f. 4 St., cum una pro defunctis et alia, 5 St. u. B. c., Innsbruck 1641;
    Missae concertatae, 10 et 12 vocibus et instrumentis cum 4 partibus pro secundo choro (Cantus), 8 St., 2 Zinken/ Violinen, 3 Pos./Violen, 2 B. c., Innsbruck 1642;
    Missae f. 9 St. primo choro concertante a 5 St., secundo pleno et necessario cum symphoniis ad libitum, 9 St., 3 Zinken/Violinen, 3 Pos./Violen u. B. c., Antwerpen 1643;
    Magnificat-Vertonungen:
    Sacrum Beatissimae Virginis Mariae canticum, 5–8 St., München 1603;
    Magnificat, 4 v. super octo tonos, quibus accesserunt litaniae, antiphonae Mariales, 8 St., Passau 1608;
    Super magnae matris divino Magnificat, symphoniae variae ( . . . ) 8, 12 St., 2 oder 3 B. c. (Orgel), Innsbruck 1614;
    Cantici Mariani septies variati, liber quartus, 12 St. u. 3 B. c. (Orgel) op. 6, Innsbruck 1618;
    Psalmi vesperini, 1640, u. Psalmi integri, 1641, enthalten auch je 2 Magnificat-Vertonungen;
    weitere Slgg. u. W
    in MGG2 .

  • Literatur

    F. Daniel, Die konzertanten Messen J. S.`s, Diss. masch. Wien 1928 (grundlegend);
    B. Hinterleitner, Die Vokalmessen J. S.s, Diss. masch. Wien 1930 (grundlegend);
    W. Senn, Musik u. Theater am Hof zu Innsbruck, 1954;
    H. Heubner Junkermann, The Magnificats of J. S., Diss. Ohio State Univ. 1966;
    Theo Schmitt, Kompositionen d. Ordinarium Missae im süddt. konzertierenden Stil d. 17. Jh., Diss. Saarbrücken, 1981;
    ders., Die Parodiemesse „Fuggi pur se sai“ v. J. S. u. ihr Modell, e. gleichnamige Aria v. Giovanni Gabrieli, in: Kirchenmusikal. Jb. 67, 1985, S. 35–43;
    R. C. Charteris, Further manuscript discoveries in the Staats- u. Stadtbibl., Augsburg, in: Musica disciplina, A yearbook of the history of music 51, 1997, S. 179–230;
    E. Kubitschek, 1998 – Das Gedenkj. f. drei wichtige Kirchenkomp.: Georg Rhau, J. S. u. Johann Crüger, in: Singende Kirche 45, 1998, H. 1, S. 3–8;
    P. Tschmuck, Die höf. Musikpflege in Tirol im 16. u. 17. Jh., 2001;
    Riemann;
    MGG;
    MGG2;
    New Grove;
    New Grove2;
    ÖML.

  • Autor/in

    Theo Schmitt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitt, Theo, "Stadlmayr, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 13-14 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12262162X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA