Lebensdaten
1883 bis 1942
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Stockholm
Beruf/Funktion
Schachmeister
Konfession
jüdisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 119384892 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spielmann, Rudolf
  • Spielmann, Rudolf, Schachmeister
  • Špilʹman, Rudolʹf, Schachmeister
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Zitierweise

Spielmann, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119384892.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Moriz (1849–1924), aus Nikolsburg, Journalist, Redakteur u. Lit.kritiker b. Wiener Ztgg.;
    M Cäcilie Neustadtl (1859–1902), aus Veröcze, Slawonien;
    2 B Leopold (Poldi) (1881–1941, ⚭ Gertrud Lüdtke), Pianist, Dirigent, Edgar (Edi) (1887–1917), Kontorist, 3 Schw Melanie (1885–1927, ⚭ Heinrich Eckert, Bankier), Schausp. u. Schriftst., Jenny (1889–1964, Franz Scharwenka, * 1882, Schausp.), Schausp., Irma (1894–1939), Schausp.; – ledig.

  • Leben

    Bereits in seiner Kindheit von seinem Vater mit den Regeln des Schachspiels vertraut gemacht, galt S. bald als Schachwunderkind. Nach dem Gymnasium sollte er entweder eine Kaufmannslehre oder ein Mathematikstudium in Wien absolvieren. S. entschied sich 1903 jedoch, Berufsschachspieler zu werden und übersiedelte zu seinen Schwestern nach München. Im 1. Weltkrieg diente er in der k. u. k. Armee, zuletzt als Landsturmleutnant an der ital. Front. Danach lebte er wieder in Wien.

    S. nahm an mehr als 100 Turnieren teil, bestritt 50 Wettkämpfe und verfaßte zahlreiche Publikationen und Artikel zum Thema Schach. Bereits 1909 errang er gemeinsam mit Oldrich Duras (1882–1957) den dritten Platz bei einem Turnier in St. Petersburg. Der spätere Großmeister Savielly Tartakower (1887–1956) bezeichnete ihn als „letzten Ritter des Königgambits“, als S. 1912 das Turnier von Abbazia, bei dem das Königsgambit als Eröffnung vorgeschrieben war, für sich entscheiden konnte. Mit dieser Eröffnungsvariante beschäftigte sich S. Zeit seines Lebens immer wieder. 1914 siegte er beim Turnier in Baden bei Wien, 1919 gewann er das Viererturnier in Stockholm, 1922 teilte er in Teplitz-Schönau den ersten Platz mit Richard Réti (1889–1929).

    S. war kein Verfechter des modernen Schachspiels, sondern knüpfte an die romantische Tradition an (Spieleröffnung mit direktem Königsangriff). Er galt als einer der weltbesten Angriffsspieler. Seine größten Erfolge liegen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre, als er zu den sechs besten Spielern der Welt gezählt wurde: Sieg am Semmering 1926, Dritter in Berlin 1928, geteilter zweiter Platz in Karlsbad 1929. Trotz nachlassender Spielstärke konnte er in den 1930er Jahren noch achtbare Erfolge erzielen, wie etwa als Fünfter in Moskau 1935 oder 1938 mit einem zweiten Platz in Margate. Seit 1934 hielt sich S. zumeist in den Niederlanden auf und kam nur noch selten nach Österreich. Nachdem er während einer Tournee in Holland vom „Anschluß“ Österreichs erfahren hatte, begab er sich zur Familie seines Bruders nach Prag, wo er unter ärmlichen Bedingungen lebte. Anfang 1939 gelang ihm mit Hilfe des Präsidenten des schwed. Schachverbandes, Ludvig Collijn (1878–1939), die Flucht nach Schweden. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er mittellos in Stockholm und sicherte mit Simultanvorstellungen, Turnieren sowie als Schachjournalist sein Überleben. Hoffnungen auf eine Emigration in die USA erfüllten sich nicht. Zuletzt war S. von schweren Depressionen und beginnendem körperlichen Verfall gezeichnet. Die Materialien, anhand derer er seine Memoiren verfassen wollte, sind verschollen.

  • Werke

    Karl Schlechter, 1924;
    Ein Rundflug durch d. Schachwelt, 1929;
    Richtig opfern! Voraussetzungen, Ziel u. Durchführung im Schachspiel, 1935,|Nachdr. 1996, engl. 1951, Nachdr. 1995, span. 1968, franz. 1977, schwed. 1993.

  • Literatur

    M. Ehn (Hg.), R. S., Portrait d. Schachmeisters in Texten u. Partien, 1996 (W, L, P);
    ÖBL;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft.

  • Autor/in

    Elisabeth Lebensaft, Christoph Mentschl
  • Empfohlene Zitierweise

    Lebensaft, Elisabeth; Mentschl, Christoph, "Spielmann, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 689-690 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119384892.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA