Lebensdaten
1860 bis 1948
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118797417 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Singer, Samuel
  • Singer, S.

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Zitierweise

Singer, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797417.html [16.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf, Kaufm.;
    M Regine Frankfurter; ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Akad. Gymnasiums in Wien 1869–77 studierte S. an der dortigen Univ. Recht, Philosophie, Geschichte, Germanistik, Romanistik und Anglistik und legte 1881/82 sein erstes jur. Staatsexamen ab. 1884 wurde er ohne Dissertation bei Wilhelm Emil Wahlberg (1824–1901) zum Dr. iur., ein Jahr später auf der Grundlage der ungedruckten Arbeit „Bruchstück eines Wörterbuchs der german. Sprachen“ bei Richard Heinzel (1838–1905) zum Dr. phil. promoviert. Nach seiner Habilitation in Bern (ohne Habil.schr.) 1891 war S. dort als Privatdozent für German. Philologie und seit 1896 als unbesoldeter ao. Professor für Vergleichende Literaturgeschichte und Sagenkunde bzw. seit 1899 für Ältere dt. Sprache und Literatur tätig. 1904 wurde S. Ordinarius (seit 1910 besoldet, 1913/14 Dekan, 1930 em.); seit 1921 war er Schweizer Staatsbürger.

    Der Schwerpunkt von S.s editorischen, sammelnden und interpretierenden Arbeiten, die sich z. T. über die Fachwelt hinaus an ein größeres Publikum richteten, liegt in der German. Philologie und der (Schweizer.) Volkskunde. Von seinem Lehrer Heinzel übernahm S. die Sorgfalt bei der positivistisch-genauen Erhebung der Fakten und verband sie mit dem weiten Blick für Epochen und Räume. Er verstand seine Quellen immer im Zusammenhang mit der mündlichen Überlieferung, maß dem Austausch zwischen Germania und Romania bzw. orientalischer Literatur besondere Bedeutung zu und stellte Verbindungen zur Antike und zur historischen Lesart der Bibel her. S.s Lebenswerk besteht in der Sammlung mittelalterlicher Sprichwörter, aus der er eine dreibändige Edition zusammenstellte (Sprichwörter d. MA, 1944–47). Im kulturübergreifenden, sprachvergleichenden Ansatz dieses Werkes taucht ein Grundgedanke von S.s philologischer Dissertation ein letztes Mal auf. Das unveröffentlichte 35bändige Gesamtmanuskript bildete die Grundlage für den nach S.s Tod vom „Kuratorium Singer der Schweizer Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften“ in Bern weitergeführten und 1995–2002 publizierten monumentalen „Thesaurus proverbiorum medii aevi“ (13 Bde. u. e. Qu.verz.). Zu S.s Schülern zählen Marta Marti, Marga Noeggerath-Bauer, Arnold H. Schwengeler und Gertrud Strich-Sattler. 1947/48 fungierte S. als Auskunftsperson für Thomas Mann bei dessen Arbeiten am Mittelalterroman „Der Erwählte“ (1951).

  • Werke

    u. a. Schweizer Märchen, 2 Bde., 1903/06, Nachdr. 1971;
    Aufss. u. Vortrr., 1912;
    Wolframs Willehalm, 1918;
    Die Dichterschule v. St. Gallen, 1922;
    German.-roman. MA, Aufss. u. Vortrr., 1935;
    Neue Parzival-Stud., 1937;
    Hg.:
    Dt. Volksbücher, 1889, Nachdr. 1973 (mit A. Bachmann);
    Ulrich v. dem Türlin, Willehalm, 1893, 21990;
    Der Tannhäuser, 1922;
    Mhdt. Lesebuch, 1945;
    Sprache u. Dichtung 1–72, 1910–48 (Reihenhg. mit H. Maync u. F. Strich);
    Nachlaß:
    Burgerbibl., Univ.bibl. u. StA d. Kt. Bern, Bern;
    DLA, Marbach;
    Univ.archiv Wien;
    Thomas-Mann-Archiv, Zürich.

  • Literatur

    FS f. S. S., hg. v. H. Maync, 1930 (W-Verz. S. 204–17;
    P);
    A. Schirokauer u. W. Paulsen (Hg.), Corona, Studies in Celebration of the eightieth Birthday of S. S., 1941;
    R. Liver, Vorwort in: Thesaurus proverbiorum medii aevi, Bd. 1, 1995, S. V–XVI;
    W. Mieder, Parömiograph. Standardwerk mit (un)vermeidbaren Problemen, Krit. Lobgesang auf d. „Thesaurus proverbiorum medii aevi“, in: Mittellat. Jb. 33/1, 1998, S. 185–97;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    ÖBL (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W);
    Internat. Germanistenlex. (W, L);
    Enz. Märchen (W, L).

  • Portraits

    P Ölgem. v. P. Gauchat, Abb. in: FS f. S. S. (s. L);
    Collage (mit Ztg.foto) v. C. Amiet, 13. 7. 1930 u. Foto (Univ.bibl. Bern, Slg. S.), Abb. in: Der kl. Bund v. 14. 7. 1940, S. 219;
    Zeichnung (Univ. Bern, Inst. f. Germanistik).

  • Autor/in

    André Schnyder
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnyder, André, "Singer, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 465 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797417.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA