Lebensdaten
1843 bis 1903
Geburtsort
Rottweil/Neckar
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Pulverindustrieller ; Fabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116258462 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Duttenhofer, Max Wilhelm von
  • Duttenhofer, Max Wilhelm (bis 1896)
  • Duttenhofer, Max von
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Zitierweise

Duttenhofer, Max von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116258462.html [09.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1800–54), Apotheker in Rottweil, seit 1853 Teilhaber der jüngeren Pulvermühle Flaiz in Rottweil, S des Pfarrers Heinr. Frdr. in Sondelfingen (N des Christian Frdr., s. Einl.) u. der Marg. Salome Camerer (aus der württ. Gelehrtenfamilie, s. NDB III);
    M Thessaline (1808–89), verw. Widmaier, T des Kaufm. Eha in Schömberg (Schwarzwald);
    B Karl (1849–1921), Dir. der D.schen Zweigfabrik Düneberg b. Geesthacht/Elbe, später Gendirektor der Köln-Rottweil-AG, Dr.-Ing. E.h., KR;
    1866 Anna Flaiz (1844–1914), Pulvermüllerstochter aus Rottweil;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    D. war in Ulm Apotheker geworden. Inzwischen hatte die tatkräftige Mutter die Apotheke verkauft, die Beteiligung an der Pulvermühle aber fortgesetzt und 1857 eine zweite, ältere Pulvermühle in Rottweil/Neckar hinzugekauft. Also studierte D. noch Chemie am Polytechnikum in Stuttgart, ehe er 1863 in die seit 1862 der Mutter allein gehörende Pulverfabrik eintrat. Dort waren 6 Arbeiter beschäftigt, das Werk aber bereits das leistungsfähigste im Land. D. entfaltete alsbald glänzende organisatorische und technisch-wissenschaftliche Fähigkeiten. Die erstarkenden Nationalstaaten mit ihren Rüstungen, die Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 und ebenso der zunehmende Berg- und Eisenbahnbau verlangten immer mehr und immer besseres Pulver. Das bedeutete scharfe Konkurrenz, 1871 konnte D. zwei weitere Werke in der Nähe aufkaufen. 1872 brachte die Umwandlung in eine AG „Pulverfabriken Rottweil“ das Kapital zu bedeutenden Erweiterungen und zur Errichtung einer Zweigfabrik in Düneberg 1877. D. wurde Vorstand und Direktor der AG und der Firmenname geändert in „Pulverfabrik Rottweil-Hamburg“. Damit war D.s Werk in Deutschland der „einzige ebenbürtige Konkurrent“ der AG „Vereinigte Rheinisch-westfälische Pulverfabriken“ geworden. Das prismatische Pulver C 82, das D. inzwischen erfunden hatte, war eine Spitzenleistung von besonderer Eignung für Artillerie. 1882 schloß D. mit den Vereinigten Rheinisch-westfälischen Pulverfabriken eine Vereinbarung, nach der alles Militärpulver auf gemeinsame Rechnung hergestellt werden sollte, was eine bessere Anpassung an die stoßweisen Aufträge ermöglichte. 1883/84 erwarb Rottweil-Hamburg die restlichen 2 württembergischen und 3 bayerischen Fabriken und errichtete in Belgrad und Hamburg Verkaufskontore. Kurz darauf wurde das Kartell von 1882 auch auf Handelspulver erstreckt. Weitere Auslandsgründungen folgten.

    Inzwischen arbeitete man überall in einer ganz neuen Richtung: an einem chemischen Pulver. D. sollte 1884 als erster das Ziel erreichen mit seinem neuen Pulver R. C. P. (Rottweiler chemisches Pulver). Es bestand aus Nitrocellulose, verbrannte rauchlos und fast ohne Rückstand und verdrängte in kürzester Zeit das schwarze Pulver. 1887 führte es Preußen ein. D. erhielt einen Groß-Auftrag und stellte sein Werk auf das neue Pulver um. Da kam 1889 die Preußische Gewehrfabrik in Spandau mit einem bedeutend besseren „Blättchenpulver“ heraus. D. übersah sofort die Lage und stellte alsbald sein ganzes Werk noch einmal um. Im gleichen Jahr wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats von Rottweil-Hamburg. 1890 gingen die beiden kartellierten Firmen in den „Vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabriken AG“ auf, mit D. als Vorsitzendem des Aufsichtsrats. Weitere Verbindungen folgten: 1894 ein Generalkartell mit den Vereinigten Sprengstoffabriken und schließlich die Bildung des Aktienkonzerns „Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken“ – eine Transaktion, die eine Reihe von Gewehr- und Munitionsfabriken ergriff, so insbesondere auch die Mauserwerke in Oberndorf nahe Rottweil. Damit war die Waffen-, die Munitions- und die Pulverindustrie Deutschlands in einem mächtigen Konzern vereint, eine Entwicklung, die D. aus Überzeugung gefördert hat. In seiner Person häuften sich die Aufsichtsratssitze und -vorsitze, so bei Mauser-Oberndorf, bei Daimler-Untertürkheim, bei der Diskontogesellschaft Berlin. 1898 betrieb er die Gründung einer „Centralstelle für wissenschaftlich-technische Untersuchungen“ in Neubabelsberg und wurde Vorsitzender ihres Kuratoriums und damit Bahnbrecher in der Industrieforschung. 25 Jahre war er Vorsitzender der Handelskammer Rottweil und lange Jahre Haupt der dortigen Deutschen Partei. Bismarck, sein Nachbar in Düneberg, war ihm freundschaftlich verbunden. Für Rottweil, wo er seinen Wohnsitz behielt, hat er viel getan. Rastlos tätig, in geschäftlichen Notwendigkeiten klar, weitblickend und oft auch hart, blieb er doch persönlich ein herzenswarmer und bescheidener Mensch voll Fürsorge für die ihm Anvertrauten.|

  • Auszeichnungen

    GKR.

  • Literatur

    Jberr. d. Handels- u. Gewerbekammern in Württ., 1873 ff.;
    F. A. Spiecker, Zur fünfundzwanzigjähr. Jubelfeier d. Vereinigten Köln-Rottweiler Pulver-Fabriken am 8.2.1898;
    O. Sautermeister, Die Obere Apotheke Rottweil, 1903, Festschr. z. 100j. Bestehen d. Rottweiler Gesch.- u. Altertums-Ver., 1831-1931, 1931;
    F. Haßler u. A. Bihl, 50 J. Dt. Waffen- u. Munitionsfabriken AG, 1939: Otto Schmid, in: Lb. Schwaben I, 1940, S. 114-24 (L, P);
    Industrie- u. Handelskammer Rottweil a. N. 1867-1953, 1953.

  • Autor/in

    Paul Gehring
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehring, Paul, "Duttenhofer, Max von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 206-207 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116258462.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA