Lebensdaten
1760 oder 1761 bis 1812
Geburtsort
Czaslau
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Komponist ; Pianist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11867286X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dussek, Johann Ladislaus
  • Dussek, Johann Ludwig
  • Dussek, Johann Ladislaus
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel
Personen in der ADB
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Dussek, Johann Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11867286X.html [23.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Königgrätzer Ratsfamilie;
    V Joh. Jos. (1738–1818), Organist u. Chordirektor in Czaslau, S eines Wagenmeisters M Veronika, T des Richters Joh. Stebeta;
    B Franz Benedikt (1765- n. 1816), Musikdirektor in Venedig u. Mailand, Opernkomponist;
    Schw Veronika Rosalia (1779–1833, Cianchettino), Klavierlehrerin u. Komponistin in London;
    1792 Sophia (1775–1847), Sängerin, Pianistin u. Harfenistin, T des Domenico Corri (1746–1825), Opernkomponist in Neapel;
    T Olivia (1797–1847, Buckley), Organistin u. Komponistin in London;
    N Pio Cianchettino (1799–1851), Komp.

  • Leben

    Schon früh von seinem Vater musikalisch unterwiesen, wurde D. als Jesuitenzögling in Kattenberg und als Chorknabe in Iglau von einem Verwandten, Pater Ladislaus Spinar, weiter unterrichtet. Nach Verlassen des Neustädter Gymnasiums in Prag und einem Semester Philosophiestudium an der dortigen Universität kam er in Begleitung eines Gönners, des Grafen Männer, 1779 nach den Niederlanden, wo er als Organist und Klavierlehrer der Kinder des Statthalters tätig war. Es begannen Jahre ausgedehnter Konzertreisen als Pianist, zum Teil auch als Glasharmonikaspieler, durch Deutschland, nach einem Aufenthalt in Litauen auch nach Paris. 1790 floh er vor der französischen Revolution nach London, wo er nach mancherlei Konzerterfolgen eine Musikalienhandlung und Notenstecherei mit seinem Schwiegervater gründete. Nach dem Zusammenbruch dieses Unternehmens flüchtete D. im Winter 1799/1800 vor seinen Gläubigern nach Hamburg. Die nächsten Jahre standen im Zeichen der durch Fürst Radziwill vermittelten engen Freundschaft mit Prinz Louis Ferdinand von Preußen. 1808 kehrte D. als Kapellmeister des Fürsten Talleyrand nach Paris zurück. – Sein musikalisches Schaffen gründet sich wesentlich auf seine Eigenart als Pianist, dem man, abgesehen von seiner technischen Meisterschaft, vor allem Weichheit und Zartheit des Spiels nachrühmte. Seine Kunst, das Instrument singen zu lassen, verband sich mit neuartigen Pedalwirkungen, die er übrigens als einer der ersten in seinen Kompositionen genau vorschrieb. Der Musik des Freundes Louis Ferdinand nahe verwandt, zeigt sein vorwiegend dem Klavier zugewandtes Schaffen vor allem in seiner reich bewegten Harmonik die typische Haltung des Frühromantikers. Seine besten Werke übertreffen, von Beethoven und Clementi abgesehen, die Kompositionen aller anderen Klaviervirtuosen seiner Zeit.

  • Werke

    Verz. b. Eitner u.
    Grove, Auswahl b. Kahl (s. L); Neuausg. b.
    A. Prosniz, Hdb. d. Klavierlit. I, 21908, S. 104;
    hervorzuheben sind 15 Klavierkonzerte, über 50 Sonaten f. Klavier 2hdg., u. a. „The Farewell“, „La Chasse“, „Elégie harmonique“, „Plus ultra“; Kammermusikwerke.

  • Literatur

    ADB V; A. Méreaux, Les Clavecinistes de 1637 à 1790, Paris 1867, S. 79-81 (P);
    E. Prout, J. L. D., in: Monthly Musical Record, London 1899, Nr. 342;
    M. Unger, Zu J. L. D.s Lebenslauf, in: Allg. Musikztg. 39, 1912, S. 1231-33, 1263-65;
    ders., Btrr. z. Lebensbeschreibung J. L. D.s, in: Neue Musikztg. 35, 1914, S. 170-74;
    L. Schiffer, J. L. D., s. Sonaten u. s. Konzerte, Diss. München 1914: H. Engel, Die Entwicklung d. dt. Klavierkonzerte v. Mozart bis Liszt, 1927, S. 107-13;
    P. Egert, Die Klaviersonate im Za. d. Romantik, 1934, S. 34-42;
    H. Truscott, D. and the concerto, in: The Music Review 16, Cambridge 1955, S. 29-53;
    Wurzbach;
    Grove;
    W. Kahl, in: MGG III, Sp. 1006-11 (auch f. Fam., W, L, P); St. V. Klíma, Ján Ladislav Dusík 1760-1812 (in Vorbereitung).

  • Portraits

    Zeichnung u. Stich v. J. Godefroy, Abb. in: G. Kinsky, Gesch. d. Musik in Bildern, 1929, S. 268, u. MGG III, Taf. 24;
    7 P b. H. W. Singer I, 1931, S. 168 f.

  • Autor/in

    Willi Kahl
  • Empfohlene Zitierweise

    Kahl, Willi, "Dussek, Johann Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 205 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11867286X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dussek: Johann Ludwig D., als Pianofortespieler und Componist für sein Instrument in gleiche Linie mit Clementi und J. B. Cramer zu stellen, wurde am 9. Febr. 1761 zu Czaslau in Böhmen geboren. Unter der Leitung seines Vaters Joh. Jos. D., dem tüchtigen Organisten und ersten Schullehrer des Städtchens, machte D. rasche Fortschritte auf dem Clavier und auf der Orgel. Als Chorknabe nach Iglau in Mähren geschickt, unterwies ihn dort Chordirector P. Spener auch in theoretischen Studien. D. kam nun als Organist nach Kuttenberg, blieb dort zwei Jahre, studirte dann in Prag Philosophie und begab sich hierauf unter der Aegide des Grafen Männer nach den Niederlanden, wo sein Ruf als Virtuose sich rasch verbreitete. Einige Zeit fungirte er noch als Organist in Malines und Bergen-op-Zoom, dann concertirte er als Clavierspieler namentlich in Amsterdam und im Haag und veröffentlichte auch hier seine ersten Compositionen (3 Concerte und 12 Sonaten für Clavier mit Violine). Obwol nun bereits auf einer bedeutenden Stufe der Vollkommenheit angelangt, hielt es D. doch für angemessen, noch von dem Rathe eines erfahrenen Mannes zu profitiren. Dieser Mann war kein geringerer als C. Ph.|Em. Bach in Hamburg, wohin sich D. im J. 1783 begab und hier seinem Spiel die letzte Feile gab. Von Hamburg wandte sich D. nach Berlin, wo er sich auf der von Hessel construirten Clavier-Harmonika öffentlich hören ließ und viel Aufsehen erregte, auch selbst an der Verbesserung dieses Instrumentes mithalf. Und abermals trieb es ihn weiter: dies Mal nach Petersburg, wo er längere Zeit zu verweilen gedachte, aber, vom Fürsten Karl v. Radziwill überredet, dessen Engagement annahm und ihm auf des Fürsten Güter nach Lithauen folgte. Gegen Ende 1786 reiste D. nach Paris und ließ sich bei Hofe mit großem Beifall hören. Seinen Bruder Franz wiederzusehen, der in Mailand eine Musikdirectorstelle bekleidete, begab sich D. dorthin und erregte auch hier als Clavier- und Harmonikaspieler großes Aufsehen. Sein Besuch war abermals nur vorübergehend; er kehrte nach Paris zurück und blieb hier, bis ihn die Revolution vertrieb. Er wählte, wie so viele Künstler damals, den Weg nach London. Sein erstes Auftreten daselbst war in einem der Salomon-Concerte am 2. März 1790 und nun finden wir seinen Namen bei allen bedeutenderen Vereins- und Privat-Concerten, u. a. auch in den Benefiz-Concerten Haydn's. Mit der berühmten Harfenspielerin Mme. Krumpholz trat er wiederholt auf und verdanken mehrere seiner Duos für Clavier und Harfe diesem Umstande ihr Entstehen. Ein Besuch des schon damals bedeutenden Clavieretablissement J. Broadwood veranlaßte D., von da sich häufig der Instrumente dieser Fabrik zu bedienen. Die Bekanntschaft mit Miß Corri (der einzigen Tochter des neapolitanischen Componisten Domenico Corri), die als Clavier- und Harfenspielerin und als Sängerin gerade damals, von Schottland kommend, in London Aufsehen machte, führte zur ehelichen Verbindung und traten beide zu Anfang 1793 zum ersten Male als Ehepaar in ihrem Concerte auf. Schon im Sommer 1791 hatte D. mit Dom. Corri einen Ausflug nach Schottland gemacht; später errichteten beide eine Musikalienhandlung und Notenstecherei und veranlaßten u. a. Haydn zur Composition der bekannten 12 englischen Originalcanzonetten. Das Unternehmen selbst nahm jedoch ein jähes Ende; beide waren zwar Künstler, aber keine Geschäftsmänner, stürzten sich in Schulden und zogen auch den Theaterdichter Da Ponte, der mit ihnen eine Handelsverbindung eingegangen war, mit hinein. Die Gläubiger drängten derart, daß es D. für gerathen fand, im J. 1800 sein Heil in schleuniger Flucht zu suchen. Zum zweiten Male treffen wir D. in Hamburg, wo er die Bekanntschaft einer hochgestellten Dame machte, deren Neigung zu ihm so weit ging, daß sie ihn auf ihr Gut an der dänischen Grenze sozusagen entführte. D. hielt es auch hier nur zwei Jahre aus. Sehnsucht nach der Heimath trieb ihn ins Elternhaus, wo er seinen Vater nach langer Trennung umarmte. Auf der Rückreise über Magdeburg erwarb er sich die Zuneigung des edlen Fürsten Louis Ferdinand von Preußen, begleitete ihn nach Berlin und blieb ihm zur Seite als Lehrer und Freund, bis der Tod des heldenmüthigen Fürsten bei Saalfeld (10. Oct. 1806) das schöne Bündniß löste. D. fand alsbald eine geeignete Stellung beim Fürsten von Ysenburg, begab sich aber 1808 nach Paris, wo er ein Engagement als Concertmeister beim Fürsten von Benevent (Talleyrand-Périgord) annahm. Noch im J. 1809 trat D. im Concert Rode's auf und riß alle Zuhörer zur Bewunderung hin, dann aber verschwindet sein Name. Eine allgemeine Abspannung der Kräfte trat ein, gleichzeitige unförmliche Beleibtheit machte ihn träge und der Genuß geistiger Getränke, in denen er Hülfe zu finden glaubte, beschleunigte nur das Ende seines vielbewegten Lebens. Er verschied in den Armen Neukomm's zu St. Germain en Laye (bei Versailles) am 20. März 1812. — In D. schätzte man nicht nur den ausgezeichneten Künstler, der zur Verbreitung der besten Tonwerke deutscher Meister unendlich viel beitrug, sondern auch den feingebildeten, liebenswürdigen|und stets gefälligen Menschen. Sein Spiel war solid, correct, voll Seele, Ausdruck und Delicatesse; es sprach aus, was er selber fühlte. Seine Compositionen vereinigen Gedankenfülle, thematische Verarbeitung, Mannigfaltigkeit des technischen Theils und wohlthuende Wärme und bewähren sich noch heute beim Unterricht als sichere Basis eines soliden Spiels. D. veröffentlichte an Claviercompositionen eine concertirende Sinfonie für zwei Claviere mit Orchesterbegleitung, op. 63, dem Fürsten Talleyrand gewidmet, Concerte und Duos für Clavier und Harfe oder für zwei Claviere, namentlich op. 11 und op. 38, 12 große Clavierconcerte, 1 Quintett op. 41, 1 Quartett op. 56 (Prinz Louis Ferd. gew.), 10 Trios mit Violine (oder Flöte) und Violoncell, 30 Sonaten mit Violine, 9 vierhändige Sonaten und 3 dito Fugen, 53 Sonaten für Clavier allein (darunter „Les adieux à Clementi“, „Le retour à Paris“, op. 70, „L'invocation“, op. 77, Sonate „Dédiée à son ami Muzio Clementi“, op. 44, eine große Anzahl Divertissements, Fantasien, „Fantasie und Fuge, seinem Freunde J. B. Cramer gew.“, op. 55, „Elégie harmonique sur la mort de S. A. R. le Prince Louis Ferdinand de Prusse“, op. 61), Rondos, Variationen und mehrere Tänze. Eine Gesammtausgabe in 12 Bänden, „Oeuvres complettes“, erschien in den J. 1812—18 bei Breitkopf & Härtel. Dussek's Clavierschule in engl. Sprache erschien in deutscher Uebersetzung, seinem Vater gewidmet, ebenfalls bei Breitkopf & Härtel, in franz. Sprache bei Erard. Zwei Opern, die D. in London aufführen ließ, hatten keinen Erfolg; eine Messe und kleinere Kirchenstücke stammen noch aus seiner Jugend. Der Drang, für die Kirche zu schreiben, erwachte in ihm erst wieder in den letzten Lebensjahren in Paris. In einer für den Fürsten Esterhazy componirten sehr umfangreichen Messe, G-dur, war es ihm ganz besonders darum zu thun, sich noch ein Mal als tüchtiger Contrapunktist zu zeigen. Gedruckt erschienen von Gesangsachen nur: VI Canons für 3 und 4 Stimmen, dem Fürsten v. Hatzfeld gewidmet; Lied in 3 Noten, B. C. D. ("Wo Liebe sich bettet"), beide bei Breitkopf & Härtel. — Die bekanntesten Porträts von D. sind der Kupferstich von P. Condé nach Cosway's Oelgemälde; der Kupferstich von C. F. Riedel, Leipzig 1804; die in Paris bei Langlumé erschienene größere Lithographie von Maurir, die uns D. bereits in seiner übermäßigen Körperfülle zeigt. Eine Büste nach der Larve, die Dr. Spurzheim von der Leiche nahm, lieferte Calamare.

    Dussek's Bruder, Franz, der ebenfalls von seinem Vater zu einem tüchtigen Meister ausgebildet wurde, schrieb zur Zeit seines Aufenthaltes in Italien eine Anzahl Opern. — Dussek's oben erwähnte Frau, geb. Corri. wurde 1775 zu Edinburg geboren und spielte schon als vierjähriges Kind öffentlich Clavier; 1788 zog sie mit ihrem Vater nach London. Sie vermählte sich nach Dussek's Tode mit dem Musiker Moralt und errichtete in Paddington eine Musiklehranstalt. — Noch sei der Schwester Dussek's, Veronica, gedacht, die gleichfalls im Elternhause musikalisch ausgebildet wurde. Ihr Bruder ließ sie nach London kommen, wo sie 1799 als Clavierspielerin auftrat und sich mit F. Cianchettini von Rom vermählte. Beider Sohn, Pio, zeigte als Knabe eminentes musikalisches Talent. Kaum fünf Jahre alt spielte er im Kings-Theater in London eine Sonate auf dem Pianoforte und improvisirte über gegebene Themas. Er reiste dann mit den Eltern nach Holland, Frankreich und Deutschland. Am 16. März 1805 gab Mad. Dussek-Cianchettini in Berlin ein Concert im Theatersaal, ließ sich mit einem Concert eigener Composition hören und spielte mit ihrem fünfjährigen Söhnchen vierhändige Variationen über God save the king. Der Kleine, den man nur den „englischen“ Mozart nannte, rechtfertigte später keineswegs die auf ihn gesetzten hohen Erwartungen — es fehlte eben der Mozart'sche Vater.

  • Autor/in

    C. F. Pohl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Carl Ferdinand, "Dussek, Johann Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 494-496 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11867286X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA