Lebensdaten
1888 bis 1964
Geburtsort
Biebrich/Rhein bei Wiesbaden
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Journalistin ; Politikerin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118613189 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sender, Sidonie Zippora (eigentlich)
  • Sender, Tony
  • Denis, Dora (Pseudonym)
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Zitierweise

Sender, Toni, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118613189.html [19.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus jüd. Fam., zu der auch Joseph ( 1879), hzgl. Hoflieferant in B., gehört;
    V Moritz (Moses) (um 1854–1929, aus B., Kaufm., Vorsteher d. jüd. Gde. in B. (s. L), S d. Salomon;
    M Marie Dreyfuß ( n. 1929), aus d. Schweiz; 2 ältere Schw; Lebensgefährte Robert Dißmann (1878–1926), Gewerkschaftsfunktionär, 1900–08 Geschäftsführer d. Dt. Metallarbeiterverbands, Mitbegründer d. USPD, Pol., seit 1920 RT-Abg. (s. L).

  • Leben

    S. stammte aus einem orthodox jüd. Elternhaus. 1901 brach sie gegen den Willen ihrer Eltern die jüd. Töchterschule in Biebrich ab, um in Frankfurt/M. die Handelsschule zu besuchen. Als sie 1906 in die SPD eintrat, arbeitete sie bereits in einer Immobilienfirma. 1910 ging sie in die Pariser Zentrale einer Metallwarenhandlung und engagierte sich in der sozialistischen Partei im 14. Bezirk. Bei Kriegsbeginn 1914 kehrte sie zurück in die Zentrale ihrer Firma in Frankfurt. S. gehörte zu den Kritikern der Kriegskreditbewilligung in der SPD und engagierte sich zusammen mit ihrem Lebensgefährten Robert Dißmann in der innerparteilichen Opposition. Im März 1915 nahm sie als Delegierte an der Frauenkonferenz der Sozialistischen Internationalen in Bern teil, die jeden Krieg ächtete. 1917 gründete sie die Unabhängige Sozialistische Partei (USPD) mit und bekannte sich auf deren Leipziger Frauenkonferenz 1919 zum Rätesystem, lehnte jedoch die undemokratischen Parteimethoden der Kommunisten ab. 1918/19 war sie die einzige Frau im Frankfurter Arbeiter- und Soldatenrat.

    S., 1920–33 Reichstagsmitglied, bis 1922 für die USPD, dann für die SPD, gehörte der ersten Generation von Parlamentarierinnen in Deutschland an, die Frauenfragen in alle politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Diskussionen hineintrug. Gleichzeitig war sie als Gewerkschafterin 1919–33 Redakteurin der Betriebsrätezeitung des Metallarbeiterverbandes. Sie absolvierte nach der externen Abiturprüfung 1928 nebenher ein|Volkswirtschaftsstudium und übernahm 1927 zusätzlich die Redaktion der sozialdemokratischen Zeitschrift „Frauenwelt“. Als SPD-Vertreterin im Wirtschafts- und im Außenpolitischen Ausschuß sprach sie im Plenum u. a. zu Arbeitsrechtsfragen, Handelsabkommen und Zollfragen. 1926 trat sie erstmals in amerik. Gewerkschaftsversammlungen auf.

    Seit Ende der 1920er Jahre engagierte sie sich im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Am 5.3.1933 floh sie zunächst in die Tschechoslowakei, erhielt wenig später das Angebot, für die „Volksgazet“ in Antwerpen zu schreiben, wurde im März 1934 aus Deutschland ausgebürgert und blieb nach einer dreimonatigen Vortragsreise 1935 in den USA, deren Staatsbürgerschaft sie 1943 erhielt. S. zählte zu den wenigen dt. politischen Emigranten, denen es gelang, eine aktive politische Rolle in den USA zu spielen. Sie arbeitete als Journalistin, seit 1941 als Abteilungsleiterin für europ. Arbeitsforschung beim „Office of Strategic Services“ und für den Gewerkschaftsbund AFL–CIO, engagierte sich 1944 als Wirtschaftsspezialistin bei den in Gründung befindlichen Vereinten Nationen (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) und war 1949 bis zu ihrem Ruhestand Vertreterin des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften bei den UN. Behinderungen infolge einer Parkinson-Erkrankung führten 1956 zum Ende ihrer Karriere. Erst die Veröffentlichung ihrer Autobiographie 1981 machte ihr Leben und Wirken als Marxistin auch in Deutschland wieder bekannt.

  • Auszeichnungen

    T.-S.-Preis d. Stadt Frankfurt/M. (seit 1992).

  • Werke

    Die Frauen u. d. Rätesystem, Rede auf d. Leipziger Frauenkonferenz am 29. Nov. 1919, hg. im Auftrag d. Zentral-Vorstandes d. U.S.P.D.;
    Große Koalition? Diktatur über d. Proletariat oder Diktatur d. Proletariats, Das Ergebnis v. Moskau [1920];
    Gegen e. Bündnis mit d. Schwerind., 1923;
    Fünf J. nach d. Nov.rev., Vortr., gehalten auf d. Sächs. Landesparteitag d. VSPD am 1. Dez. 1923, 1924, CD-ROM 2004;
    So wurde ich Sozialistin, in: Volksstimme, Nr. 251 v. 26. 9. 1929, S. 46;
    The autobiography of a German rebel, 1939, dt. u. d. T. Autobiogr. e. dt. Rebellin, hg. v. G. Brinkler-Gabler, 1981;
    Nachlaß:
    State Historical Soc. of Wisconsin, T. S. Papers. – Qu Urkk. d. Fam. Moritz Sender, Standesamt Wiesbaden-Biebrich.

  • Literatur

    C. Wickert, Unsere Erwählten, Soz.demokrat. Frauen im Dt. RT u. Preuß. LT (1919–1933), 1986;
    dies., Sozialistin, Parlamentarierin, Jüdin: Die Beispiele Käte Frankenthal, Berta Jourdan, Adele Schrieber-Krieger, T. S. u. Hedwig Wachenheim, in: Juden u. dt. Arbeiterbewegung bis 1933, hg. v. L. Heid u. A. Paucker, 1992, S. 155–64;
    A. Hild-Berg, T. S. (1888–1964), 1994;
    V. Depkat, Lebenswenden u. Zeitenwenden, Dt. Politiker u. d. Erfahrungen d. 20. Jh., 2007;
    Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., hg. v. J. Dick u. M. Sassenberg, 1993;
    Schumacher, M. d. R.;
    BHdE I;
    Nassau. Biogr.;
    Frankfurter Biogr. (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    - zu Robert Dißmann: J. Hoffmann u. G. Simon, Linker Gewerkschaftsführer u. unabhängiger Soz.demokrat, R. D. (1878–1926), in: Btrr. z. Gesch. d. Arbeiterbewegung 41, 1999, H. 4, S. 106–21;
    Schumacher, M. d. R.;
    zu Moritz:
    Der Israelit, v. 19. 9. 1929, P.-M. Glöckler, Schauplatz d. Gesch., Der hist. Friedhof Wiesbaden-Biebrich u. seine Vorgänger, 1999, S. 59.

  • Portraits

    Fotos in: Archiv d. soz. Demokratie, Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn;
    StadtA Frankfurt/M.

  • Autor/in

    Christl Wickert
  • Empfohlene Zitierweise

    Wickert, Christl, "Sender, Toni" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 248-249 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118613189.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA