Lebensdaten
1859 bis 1935
Geburtsort
Hasel (Líska, Nordböhmen)
Sterbeort
Krumau (Krummau, Český Krumlov, Südböhmen)
Beruf/Funktion
Photograph
Konfession
katholisch,evangelisch/seit 1905
Normdaten
GND: 130607452 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seidel, Josephus (Taufname)
  • Seidel, Josef
  • Seidel, Josephus (Taufname)
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Zitierweise

Seidel, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130607452.html [29.03.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (* 1833), aus Oberkamnitz (Horní Kamenice, Nordböhmen), Glaskugler (Hohlglasfeinschleifer), S d. Josef, Glaskugler, u. d. Klara Richter;
    M Anna (* 1836), aus Kunnersdorf (Kunratice u České Kamenice, Nordböhmen), unehel. T d. Klara Ni(e)tsche;
    3 B u. a. Anton(ius) (* 1862), Vitragenmaler, Julius (* 1875, Franziska Guerteler, 1879–1958), Glasmaler, 1 Schw;
    1905 Elisabeth (Alžběta) (1872–1955), aus Griffen (Kärnten), Fachlehrerin, T d. Franz Brod, aus Budweis-Bucharten (České Budějovice-Pohůrka, Böhmen), u. d. Juliane Merdaus;
    3 S Helmut (1908–94, ⚭ Anna Kutschera, 1909–89), Elektroing., Franz (František) (1908–97, ⚭ Maria [Marie, Mitzi, Kitty] Brod, 2003, aus Budweis–Bucharten, T d. Franz Brod, * 1875), Photograph in K., führte nach S.s Tod d. väterl. Photoatelier bis z. Auflösung durch tschechoslowak. Behörden 1953 weiter (s. L), Arnold (1910–43), Anwalt;
    N Hans August (* 1910, ⚭ Melanie Kesselborn, * 1920, aus Kreuzen, Oberösterr.), Photograph.

  • Leben

    S. erlernte in Nordböhmen das Handwerk des Glasschleifers bzw. Porzellanmalers, es folgten Wanderjahre in verschiedenen Orten Österreich-Ungarns. Wahrscheinlich in Klausenburg eignete er sich das Photographenhandwerk an, danach arbeitete er als Kopierer, Retuscheur und Photoplatten-Präparateur. In den Böhmerwald kam er vermutlich um 1886, zuerst nach Prachatitz, und trat noch im selben Jahr in Krumau als Geschäftsführer in das Photoatelier der Witwe Gotthart Zimmers ein, das er seit etwa 1890 selbständig weiterführte. Neben der Porträtphotographie im Atelier und Repro-Aufträgen bereiste er den Böhmerwald, um dort Landschafts- und Ortsansichten, Denkmäler, Kunstgegenstände, Industrie- und Handwerksbetriebe mit deren Erzeugnissen sowie die Bewohner im Alltag und bei festlichen Anlässen abzulichten. Besonders bekannt wurden seine Aufnahmen der Krumauer Madonna, der Höritzer Passionsspiele, der Böhmerwälder Holzindustrie oder das 1932 entstandene Alpenpanorama, das vom|Schöninger (Klet') im Böhmerwald aus den 150 km entfernten Dachsteinstock zeigt. Spätestens seit 1900 betrieb S. den „Böhmerwaldverlag“ für Photo-Postkarten mit eigenen Motiven. Diese bildeten mit der Zeit die wichtigste Einnahmequelle; S. photographierte und belieferte Orte im Böhmerwaldgebiet und darüber hinaus bis nach Niederbayern und Oberösterreich. Seine Photos illustrierten regionale Zeitungen und Zeitschriften, wie etwa die „Waldheimat“ sowie volkskundliche Arbeiten des Heimatforschers Josef Blau (1872–1960). Auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bestellte bei ihm Ortsansichten des böhm. Gebiets zu Dokumentationszwecken.

    Als überzeugter Sozialdemokrat wurde S. früh zum Sprecher der örtlichen Arbeiterbewegung und setzte sich 1892 für die Gründung eines Arbeiterbildungsvereins in Krumau ein, der dt. und tschech. Mitgliedern offenstand. Aus nicht näher bekannten Gründen wurde er später jedoch aus der örtlichen Sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen.

    In dem Bemühen, stets auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, ließ S. 1905 ein modernes Jugendstil-Ateliergebäude mit Glasdach errichten und machte um 1910 erste Farbphotographien. 1927 stieg S.s Sohn Franz als Lehrbursche in den Betrieb ein und führte diesen 1935 nach dem Tod des Vaters in dessen Sinne weiter bis zur Auflösung 1953 durch die tschechoslowak. Behörden. Die Photographien beider dokumentieren Kontinuität und Wandel in einer Zeitspanne von mehr als sechs Jahrzehnten. Die Negative fast sämtlicher Aufnahmen, die 1886–1952 entstanden, wurden nach dem Tod von Franz' Witwe 2003 „wiederentdeckt“. Sie sind in gutem Zustand erhalten, ebenso das Ateliergebäude mit originaler Einrichtung und technischer Ausrüstung. – Seit 2008 ist es als Museum zugänglich.

  • Werke

    W Negative : die meisten davon numerierte Glasplattennegative v. Porträtaufnahmen (mit dazugehörigen Findbüchern mit detaillierten Informationen über d. Porträtierten), daneben mehrere hundert Negative u. Postkarten v. Landschafts- u. Ortsaufnahmen;
    zeitgenöss;
    Veröff;
    v;
    Photogrr.: J. Laurenčič (Hg.), Unsere Monarchie, Naše mocnářství, Nasza monarchia, La nostra monarchia, Die österr. Kronländer z. Zeit d. fünfzigj. Reg.-Jubiläums seiner k. u. k. apostol. Majestät Franz Joseph I, 1898, S. 113;
    J. Blau, Böhmerwälder Hausindustrie u. Volkskunst, Bd. 1, 1917, Nachdr. 1993;
    Waldheimat, Mschr. f. Gesch., Kunst, Landes- u. Volkskunde d. Böhmerwaldes, 1924–1933;
    Verz.:
    Kat. hist. Ansichten aus d. Böhmerwalde u. d. zugehörigen oberösterr. u. bayer. Grenzgebiete, Neueste Original-Aufnahmen u. eigener Verlag v. J. S., Krummau o. J. [1910], Nachdr. 2003;
    Nachlaß:
    Mus. Fotoateliér S., Český Krumlov (P);
    Böhmerwaldmus. Passau (ca. 40 Farbnegative im Format 13́18, zwei Diavorträge, Texte v. J. Blau, ca. 40 Diapositive) u. S.s Projektor.

  • Literatur

    I. Jordan, Photogr. im Böhmerwald 1880–1940, 1984;
    P. Scheufler, Gal. c. k. fotografů [Galerie d. k. u. k. Fotografen], 2001 (P);
    R. Karpaš, Pohlednice, Historie lístků, které zmenšily svět [Postkarten, Die Gesch. d. Karten, die d. Welt kleiner machten], 2005;
    Th. Langer, Hist. Fotogr., Probleme d. Materialerfassung u. Auswertung am Beisp. d. Fotogrr. J. u. Franz S., Dipl.arb. Passau 2006;
    dies., Die Wiederentdeckung d. Fotoateliers S., Das Bildgedächtnis d. Böhmerwaldes in Český Krumlov/Krummau, in: Rundbrief Fotografie 15, 2008, Nr. 1, S. 8–13 (P);
    F. Fellner (Hg.), Das fotogr. Gedächtnis, Fotografická pamět', Böhmerwald & Mühlviertel, Šumava & Mühlviertel, 2007 (L);
    E. V. Rathenböck, Das Gedächtnis d. Böhmerwalds, in: neues museum, Die österr. Mus.zs., Nr. 07/1 & 2, Juni 2007, S. 110–15.

  • Autor/in

    Theresa Langer
  • Empfohlene Zitierweise

    Langer, Theresa, "Seidel, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 175-176 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130607452.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA