Lebensdaten
1822 bis 1901
Geburtsort
Kleinkrichen bei Lüben (Schlesien)
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
preußischer General der Infanterie ; Diplomat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119237458 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schweinitz, Hans Lothar von
  • Schweinitz, Lothar von
  • Schweinitz, Hans Lothar von
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Zitierweise

Schweinitz, Lothar von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119237458.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1796–1872, s. Fam.art.), S d. Heinrich (1763–1826), auf Alt-Raudten, Wandritsch, Kleinkrichen usw., u. d. Henriette v. Unruh (1770–1832);
    M Emilie (1799–1870), T d. Karl Gustav v. Heugel (1741/42–1827), preuß. Oberst, Rgt.kdr.;
    B Oskar (1819–95, s. Fam.art.);
    London 1872 Anna (1849–1925), aus New York, T d. John Jay (1817–94), Jur., Dipl., Gesandter d. USA in Wien (s. DAB X), u. d. Eleanor Kingsland Field (1813–1909);
    8 S u. a. Wilhelm (1873–1932, ⚭ Victoria, 1882–1966, Ehrendame d. dt. Ksn. u. preuß. Kgn. Auguste Viktoria, T d. August Gf. Eulenburg, 1838–1921, preuß. Oberhofmarschall, Gen. d. Inf., Min. d. kgl. Hauses, s. NDB IV), preuß. Major, Bernhard (1883–1951), Hofmarschall, Fregattenkpt., Guido (1884–1927), Dipl.-Ing., Eberhard (1886–1953), preuß. Reg.assessor, 2 T u. a. Eleonore (1875–1948, ⚭ August v. Trott zu Solz, 1855–1938, Dr. iur. h. c., D. theol. h. c., preuß. Kammerherr, Staatsmin., Oberpräs. v. Brandenburg u. Hessen-Nassau, 1909–17 preuß. Min. d. geistl., Unterr.- u. Med.angelegenheiten, Ehrenmitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss., s. Nassau Biogr.); Ur-Gvv d. Ehefrau John Jay (1745–1829), amerik. Staatsmann;
    E Adam v. Trott zu Solz (1909–44), Dipl., Mitgl. d. Kreisauer Kreises, in Berlin-Plötzensee hingerichtet, Victor (1908–85), Oberstlt., Ind.kaufm.

  • Leben

    S. besuchte nach dem Unterricht durch Hauslehrer das Gymnasium St. Maria Magdalena in Breslau. Der wirtschaftliche Mißerfolg des Vaters zwang ihn zu einer militärischen Laufbahn. 1840 trat er in das I. Garde-Rgt. zu Fuß in Potsdam ein und bereiste als junger Leutnant West- und Südeuropa. In Frankfurt/M. traf er als Adjutant beim Oberkommando der Bundestruppen den preuß. Gesandten beim Bundestag, Otto v. Bismarck. 1857 wechselte er als Hauptmann in die Entourage des preuß. Prinzen Friedrich Wilhelm, den er als Adjutant auch nach dessen Hochzeit mit der engl. Prinzessin Victoria mehrfach nach Großbritannien begleitete. Einer Zeit als Militärattaché in Wien (1861/62) folgten die Rückberufung in das Gefolge des Kronprinzen (1863), die Teilnahme am Feldzug gegen Dänemark (1864) und die Beförderung zum Flügeladjutanten des preuß. Königs. Dieser schickte ihn im Juni 1865 als seinen Militärbevollmächtigten nach St. Petersburg. Inzwischen General, ging S. im Herbst 1869 als Gesandter des Norddt. Bundes nach Wien, wo er seit 1871 das Dt. Reich als Botschafter vertrat. 1876 wechselte er auf den Posten in St. Petersburg und wurde für die folgenden 16 Jahre ein entscheidender Mitgestalter der dt.-russ. Beziehungen. Bismarcks Methoden entsprachen nicht den Überzeugungen des konservativen Legitimisten. S. widersetzte sich lange einer Politik, die hinter dem Rücken Rußlands das Bündnis mit Wien suchte. Zwar mußte er die Zweibundpolitik mittragen, versuchte aber gleichzeitig einer Verschlechterung der dt.russ. Beziehungen entgegenzuwirken. Am Zustandekommen des Dreikaiserbündnisses war er deshalb entscheidend beteiligt. Nach dessen fristgemäßem Auslaufen brachte er 1887 mit einer gezielten Indiskretion Verhandlungen über den Rückversicherungsvertrag in Gang, den er nur als bündnistechnische Notwendigkeit empfand und von dessen Verlängerung er 1892 unter veränderten politischen Bedingungen abriet. S. berichtete aus Rußland mit einem außergewöhnlichen Sinn für die soziale und ökonomische Wirklichkeit und einer ausgeprägten Distanz gegenüber der russ. Oberschicht. Er genoß sowohl auf dt. wie auf russ. Seite großes Vertrauen, was ihn zu einem einflußreichen politischen Berater und einem der bedeutsamsten Diplomaten seiner Zeit werden ließ. Durch die spätere Veröffentlichung seiner Memoiren (1927/28) und des Briefwechsels (1928) wurde S. außerdem zu einem wichtigen Chronisten der dt. Diplomatie während der Regierungszeit Bismarcks.

  • Auszeichnungen

    Roter Adler-Orden (IV. Kl. 1866, III. Kl. 1866, II. Kl. 1871, mit Stern 1872, I. Kl. 1873, Großkreuz 1879); Hausorden v. Hohenzollern mit Schwertern (1866, Kreuz d. Rr. 1867, Stern u. Kreuz z. Großkomture 1892); Kronen-Orden (II. Kl. 1869, I. Kl. 1876); St. Stanislaus-Orden I. Kl. (1869); Großkreuz d. St. Leopold-Ordens (1871); Großkreuz d. St. Stefan-Ordens (1872); Haus-Orden d. Rautenkrone (1874); Großkreuz d. Haus-Ordens d. wend. Krone (1877); St. Alexander Newsky-Orden (1878, mit Diamanten 1883); Großkreuz d. Civilverdienstordens d. bayer. Krone (1883); Großkreuz d. Ordens d. württ. Krone (1884); Großkreuz d. sachsen-ernestin. Haus-Ordens (1884); Großkreuz d. ghzgl. hess. Ludewigs-Ordens (1884); St. Andreas-Orden (1884, mit Brillanten 1892); Schwarzer Adlerorden mit Brillanten (1888, mit Kette 1889).

  • Werke

    Der Orden v. goldenen Vließ, 1854;
    Denkwürdigkeiten d. Botschafters Gen. v. S., 2 Bde., 1927/28 (P);
    Briefwechsel d. Botschafters Gen. v. S., 1928 (P);
    Nachlaß:
    BA Koblenz (70 Briefe d. russ. Außenmin. v. Giers).

  • Literatur

    F. Thimme, Aus d. Nachlasse d. Botschafters v. S., in: Archiv f. Pol. u. Gesch. 1, 1923, S. 63–77;
    H. Rothfels, Die Denkwürdigkeiten d. Gen. v. S., in: HZ 138, 1928, S. 71–78;
    H. O. Meissner, in: Schles. Lb. IV, 1931, S. 379–88;
    A. Helms, Der Botschafter H. L. v. S. u. seine pol. Gedankenwelt, Diss. Breslau 1933;
    J. Seligmann, H. L. v. S., Diss. Bern 1936;
    O. Weber-Krohse, H. L. v. S., Der Botschafter Wilhelms I., als Charakter u. Staatsmann, Diss. Königsberg 1937;
    J. Kastl, Am straffen Zügel, Bismarcks Botschafter in Rußland, 1994 (P);
    J. Flöter, „Wenn wir ihn stürzen können, so sollten wir es je eher je lieber thun, . . .“, Zum Verhältnis Bismarcks u. d. preuß. Gesandten in Wien z. ministeriellen Krise in Cisleithanien u. zu Beusts Sturz, 1869–1871, in: MÖStA 45, 1997, S. 249–70;
    T. Krieg, in: BJ VII,|S. 407–10 u. Tl.;
    J. C. Struckmann, Preuß. Diplomaten im 19. Jh., 2003, S. 231 f.

  • Autor/in

    Martin Kröger
  • Empfohlene Zitierweise

    Kröger, Martin, "Schweinitz, Lothar von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 53-55 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119237458.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA