Lebensdaten
1850 bis 1923
Geburtsort
Bretzenheim (Rheinprovinz)
Sterbeort
Weißwasser (Oberlausitz)
Beruf/Funktion
Grubendirektor ; Glasindustrieller ; Politiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 133820424 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schweig, Joseph
  • Schweig, Josef

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Zitierweise

Schweig, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133820424.html [16.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Benedikt (1806–74), Frucht- u. Weinhändler, Bes. e. Metzgerei in B., S d. Moses (bis 1808 Seligschweig, Seligschweis) (1765–1811), aus Sprendlingen/Nahe, Revendeur (Wiederverkäufer) in Langenlonsheim/Nahe;
    M Regina Hirsch (1810–68);
    Hamburg 1877 Henriette (1848–1903), T d. Moses Israel Nathanson (* 1803), aus Schwan (Meckl.), Großhandelskaufm. in Hamburg, u. d. Sofia Süßmann (* 1813), aus Elmshorn b. Hamburg;
    2 S Martin (1880–1913), aus Kreuznach/Nahe, Dr. phil., 1903 in Jena mit Unterss. z. Differentiation der Magmen promoviert, Bes. e. Glashütte in W., seine Versuche z. Erschmelzung v. Quarzglas mit elektr. Energie scheiterten an unzureichenden techn. Voraussetzungen, Bruno (1890–1986), aus W., Dr. phil., 1917 mit e. Diss. z. Reindarst. d. Scandiums promoviert, 1915–18 freiwilliger Teilnehmer am 1. Weltkrieg, Geschäftsführer u. Vertreter v. Glashütten in Dtld., emigrierte 1933 n. Großbritannien, international tätig als Berater v. Spiegelfabriken, Vf. v. „Mirrors, A Guide to the Manufacture of Mirrors and Reflecting Surfaces“, Mitgl. d. Royal Inst. of Science, London;
    2 T Hedwig (1878–1962), Sophie (1883–1957), beide emigrierten 1939 in d. USA, nachdem d. Erbengemeinschaft d. Zwangsverkauf („Arisierung“) d. Spiegelfabrik zugestimmt hatte;
    E Peter (* 1922), aus Berlin, Buchhändler, wanderte 1949 n. Jerusalem aus, Ingrid Kluger (* 1929), aus Berlin, Englischlehrerin, wanderte 1948 n. Haifa aus;
    N August (1871–1919, ⚭ Regina Natt, 1870–1943 Ghetto Theresienstadt), aus B., gründete 1895 mit S. e. Porzellanmanufaktur in W.; Verwandter Gerson v. Bleichröder (1822–93), Bankier (s. NDB II).

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Langenlonsheim und Kreuznach und der Teilnahme am Dt.franz. Krieg 1870/71 absolvierte S. 1876–78 eine kaufmännische Ausbildung in Hamburg. 1881 übernahm er in Weißwasser als Grubendirektor die Leitung der unrentablen Braunkohlenwerke, die er innerhalb eines Jahrzehnts zu einem leistungsfähigen Betrieb mit etwa 250 Bergarbeitern entwickelte. Mit mehreren Kompagnons initiierte er 1884 als stiller Teilhaber die zweite Glashütte in Weißwasser, 1889 gründete er mit zwei Kompagnons die „Oberlausitzer Glashüttenwerke Joseph Schweig & Co.“, die er 1902 als alleiniger Besitzer übernahm und zur AG umbildete. Hier hatte er 1891 eine Abteilung zur Produktion von Glaskolben für elektrisches Glühlicht eingerichtet. Die noch mit einem|Kohlefaden versehene Glühlampe war teuer und wenig haltbar. S. erkannte früh, daß mit einem verbesserten Produkt ein Massenmarkt entstehen würde, und übernahm die Glaskolbenproduktion auch in seinen neuen, 1899 gegründeten Betrieb „Neue Oberlausitzer Glashüttenwerke Joseph Schweig & Co. Weißwasser“. Kurz bevor 1906 der Durchbruch zur leistungsfähigen und billigeren Osram-Lampe erfolgte, hatte S. 1905 das Familienunternehmen in die „Neuen Oberlausitzer Glashüttenwerke Schweig & Co. AG“ umgewandelt, in deren Aufsichtsrat er als größter Anteilseigner bis zu seinem Tod blieb. Bis 1909 verdreifachte sich die Produktion, wobei jetzt die Herstellung der Glühlichtkolben für die Osram-Lampen die erste Stelle einnahm; die durch Angliederung weiterer Glashersteller und von Braunkohlenwerken 1909 entstandene „Vereinigte Lausitzer Glashüttenwerke AG“ (VLG) war bis zum 1. Weltkrieg die größte europ. Glashütte. Diese führende Stellung wurde Anfang der 20er Jahre erneut erlangt, nachdem das Werk 1920 von der AEG übernommen und als Zweigniederlassung Weißwasser dem Osram-Konzern eingegliedert worden war. Die Spitzenposition behauptete der Betrieb auch nach der Enteignung 1945 unter dem Namen „VEB Spezialglaswerk Einheit Weißwasser“. Die Privatisierung nach 1990 führte zur Gründung der „TELUX Spezialglas GmbH“, die Vorprodukte für Speziallampen und Fernsehröhren herstellt.

    S.s Tätigkeit hatte einschneidende Wirkung für die Region: Bis 1908 entstanden, z. T. mit S.s unmittelbarer Mitwirkung als Gründer oder Kreditgeber, elf Glashütten und eine große Anzahl von Zulieferern und Veredlungsbetrieben, die Weißwasser zum größten glasproduzierenden Ort Europas mit einer innerhalb weniger Jahrzehnte vervielfachten Einwohnerzahl machten. 1904 gründete er die „Internationale-Spiegel-Reklame-Automaten-Gesellschaft GmbH“, über die er die in der Spiegelfabrik Weißwasser in Lizenzproduktion hergestellten halbdurchsichtigen Spiegel absetzte, die europaweit Patentschutz besaßen. S. war auch langjährig in der Kommunal- und Parteipolitik und in regionalen Wirtschaftsverbänden tätig (1884 Dt. Freisinnige Partei, 1893 Freisinnige Volkspartei, 1910 Fortschrittliche Volkspartei), 1918 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Dt. Demokratischen Partei.

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger d. Stadt Weißwasser.

  • Literatur

    Die Glasind., Gen.anz. f. d. gesamte Glas- u. keram. Ind., 3. Beibl. Nr. 16, 1906;
    Neueste Nachrr. f. Weißwasser Nr. 205 v. 4. 9. 1923, (Nachruf);
    Sprechsaal f. Keramik, Glas- u. verwandte Industrien, 57. Jg., 1924, Nr. 26, S. 313;
    H. Schneider, Die Gesch. d. Juden v. Bretzenheim a. d. Nahe, in: Bretzenheim a. d. Nahe, Btrr. z. Gesch. u. Kultur, Bd. 4, 2002, S. 35, 99, 105 f. (Ahnentafel, Fam.gesch.);
    W. Schubert, Skizzen zu e. Biogr. v. J. S. (1850–1923), 2004 (Ms.);
    ders., in: Wer Weißwasser kennt, Zur Gesch. v. Vfg., Landesplanung, Wirtsch. u. Kultur e. Oberlausitzer Region, 2005, S. 51–62;
    ders., J. S., Moderner Unternehmer u. demokrat. Pol., in: Sächs. Heimatbll. 3, 2005, S. 238–51 (P);
    Förderver. Glasmus. Weißwasser (Hg.), Glashütten in Weißwasser, 2005, S. 29, 43, 51 u. 79 (P);
    Qu
    Hist. Archiv d. Stadt Weißwasser, Dok.slg.

  • Autor/in

    Werner Schubert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schubert, Werner, "Schweig, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 41-42 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133820424.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA