Lebensdaten
1901 bis 1986
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Politikerin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1031768335 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwarzhaupt, Emma Sophie Elisabeth
  • Schwarzhaupt, Elisabeth
  • Schwarzhaupt, Emma Sophie Elisabeth

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Zitierweise

Schwarzhaupt, Elisabeth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1031768335.html [21.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1871–1961), 1906 Rektor d. Falk-Mittelschule in F.-Bockenheim, 1920 Stadtschulrat f. d. Volks- u. Mittelschulen, 1928 Stadtoberschulrat, 1921–32 Mitgl. d. Preuß. LT (DVP), schrieb 1927–29 Leitart. f. d. Frankfurter Nachrr., 1934 Versetzung in d. vorzeitigen Ruhestand, nach 1945 Bezirksvorst. u. Spruchkammervors. (s. Frankfurter Biogr.), S d. Peter, Lehrer in Schlüchtern, u. d. Sophie Margarete N. N.;
    M Frieda (1873–1961), Volksschullehrerin, T d. Friedrich Emmerich, Kaufm., Vers.dir., u. d. Emma N. N.;
    B Adolf (1903–45 ⚔), Kaufm.; – ledig.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1920 an der Schillerschule in Frankfurt/M. und dem Lehrerinnenexamen 1921 studierte S. hier Rechts- und Staatswissenschaften und absolvierte 1925/30 die jur. Staatsprüfungen. 1935 wurde sie mit der Arbeit über „Fremdwährungsklauseln im dt. Schuldrecht“ promoviert. Bis 1933 arbeitete sie als Richterin in Frankfurt und Dortmund sowie als Juristin bei der „Städtischen Rechtsauskunftsstelle“ ihrer Heimatstadt. Sie war zu dieser Zeit bei der DVP engagiert, für die sie sich 1930–33 an Wahlkämpfen beteiligte. In Reden und Schriften setzte sie sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander, v. a. mit dessen Programmatik gegenüber den Frauen. Nach der NS-Machtübernahme wurde S.s Anstellung am Dortmunder Gericht nicht verlängert. Ihr Verlobter, ein jüd. Arzt, floh 1933 vor der Verfolgung über die Schweiz in die USA, während sich S. entschied, in Deutschland zu bleiben. Bis 1936 arbeitete sie als Rechtsberaterin beim „Reichsbund der dt. Kapital- und Kleinrentner“ in Berlin. Aufgrund ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der politischen Ausrichtung des Verbands wechselte sie 1936, zunächst als „juristische Hilfsarbeiterin“, in die Kanzlei der Ev. Kirche Deutschlands (EKD) in Berlin; 1939 wurde sie als erste Frau zur Konsistorialrätin im Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ernannt (1944 Oberkonsistorialrätin). Somit konnte sie zwar einer gesicherten Tätigkeit nachgehen, litt gleichwohl unter der eingeschränkten Handlungsfreiheit und den Kompromissen mit der NS-Politik. Sie stand der Bekennenden Kirche nahe und half wiederholt, deren Vikare und Vikarinnen vor der Dienstverpflichtung in „kriegswichtigen Betrieben“ zu bewahren.

    1948 trat S. auf Drängen Martin Niemöllers (1892–1984) als jur. Referentin in das Kirchliche Außenamt (Frankfurt) ein und engagierte sich bald auch in der ökumenischen Bewegung. Schon früh wurde sie von der CDU umworben, in die sie 1953 eintrat und für die sie im selben Jahr in den Bundestag einzog. Divergenzen mit Niemöller, dessen Kritik an Adenauers Außen- und Deutschlandpolitik S. nicht teilte, mögen zu dieser beruflichen Neuorientierung mit beigetragen haben. Sie wurde Mitglied des Rechtsausschusses und profilierte sich rasch als engagierte und kompetente Expertin für Fragen des Ehe- und Familienrechts. Auf Druck der Frauen aus der CDU-Fraktion betraute Adenauer S. 1961 mit der Leitung des neugeschaffenen Bundesministeriums für Gesundheitswesen und ernannte sie damit zur ersten Bundesministerin in der Geschichte der Bundesrepublik. In ihre frühe Amtszeit fiel der Contergan-Skandal, worauf S. sich v. a. für die Reform des Arzneimittelgesetzes einsetzte; auch die Verbesserung der medizinischen Prävention sowie der Lebensmittelhygiene trieb sie energisch voran. Mit der Bildung der Großen Koalition 1966 übergab S. ihr Amt an die Sozialdemokratin Käte Strobel (1907–96). S. wirkte als Mitglied des Rechtsausschusses an der Reform des Nichtehelichenrechts maßgeblich mit, kandidierte aber 1969 nicht mehr für den Bundestag.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Akademikerinnenverbandes (seit 1929, 1970–74 Vors.) u. d. Dt. Frauenrats (1970–72 Präs.); Gr. BVK (1965); Wilhelm Leuschner-Medaille (1976).

  • Werke

    Was hat d. dt. Frau v. NS zu erwarten?, 51932;
    Die Stellung d. Frau im NS, 1932;
    Fremdwährungsklauseln nach dt. Schuldrecht, 1935;
    Die Gleichberechtigung v. Mann u. Frau, Nach d. Gesetz v. 18. Juni 1957, 1957 (mit D. Reinicke);
    Die Frau als Wählerin, in: Wir Frauen im Staat, hg. v. H. Zarnack, 1953, S. 42–45;
    Frau, in: RGG2, 1958, Sp. 1065–77;
    Meine Welt brach zusammen, in: Als Hitler kam, 50 J. nach d. 30. Jan. 1933, Erinnerungen prominenter Augenzeugen, 1982, S. 162–68;
    |Aufzeichnungen u. Erinnerungen, in: Abg. d. Dt. BT, Aufzeichnungen u. Erinnerungen, II, 1983, S. 235–83;
    Als Frau in der Pol., Hoffnung u. Wirklichkeit, in: CDU Hessen 1945–1985, hg. v. Werner Wolf, 1986, S. 175–80;
    zahlr. Btrr. zu Fragen d. Frauen-, Ehe- u. Fam.rechts u. d. Gesundheitspol.;
    Teilnachlässe:
    Inst. f. Stadtgesch., Frankfurt/M.;
    Ev. Zentralarchiv, Berlin.

  • Literatur

    W. Henkels, 99 Bonner Köpfe, 1963, S. 278–81;
    Mitt.bl. d. Dt. Akademikerinnenbundes 5, 1981, S. 5;
    H. Mundzeck, in: Juristinnen in Dtld., Eine Dok. (1900–1984), hg. v. Dt. Juristinnenbund, 1984, S. 109–24, 22003, S. 213–18 (P);
    G. Metzler, Frauen, die es geschafft haben, 1985, S. 217–33;
    R. Süssmuth, in: Rhein. Merkur v. 11. 1. 1986 (P);
    U. Salentin, E. S., Erste Ministerin d. Bundesrep., 1986;
    dies., in: Hess. Streiflichter, hg. v. K. Böhme u. W. Mühlhausen, 1995, S. 166–72;
    Frauen in Wiss. u. Pol., hg. v. D. Frandsen u. a., 1987, S. 99–107;
    C. Wenzel, in: Ariadne, Alm. d. Archivs d. dt. Frauenbewegung, H. 18, 1990, S. 23 f.;
    H.-M. Lauterer, Gottesbildlichkeit d. Menschen u. Gleichberechtigung v. Frau u. Mann, E. S. (1901–1986), in: . . . u. über Barmen hinaus, Studien z. kirchl. Zeitgesch., hg. v. J. Mehlhausen, 1995, S. 145–58;
    H.-R. Laurien, in: Sie prägten Dtld., Eine Gesch. d. Bundesrep. in pol. Porträts, hg. v. H. Sarkowicz, 1999, S. 69–83;
    R. Marquardt, Das Ja z. Pol., Frauen im Dt. BT 1949–1961, Ausgew. Biogrr., 1999;
    E. S. (1901–1986), Portrait e. streitbaren Politikerin u. Christin, hg. v. d. Hess. Landesreg., 2001 (P);
    S. Wasserberg, in: NZZ v. 19. 1. 2001 (P);
    W. Woelk u. Th. Halling, Konrad Adenauer, d. „rote Hilde“ u. d. Gründung d. Bundesgesundheitsministeriums 1961, in: Gesch. d. Med., Gesch. in d. Med., Forschungsthemen u. Perspektiven, hg. v. J. Vögele, 2006, S. 81–88;
    Frankfurter Biogr. (P);
    Nassau. Biogr.;
    H.-M. Lauterer, in: Demokrat. Wege;
    Kanzler u. Min.;
    Munzinger;
    BBKL 20;
    Lex. Christl. Demokratie;
    Biogr. Hdb. MdB;
    Juristinnen (W, L, P).

  • Autor/in

    Gabriele Metzler
  • Empfohlene Zitierweise

    Metzler, Gabriele, "Schwarzhaupt, Elisabeth" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 27-28 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1031768335.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA