Lebensdaten
1930 bis 2004
Geburtsort
Hermannstadt (Sibiu, Siebenbürgen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Übersetzer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129061115 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schuster, Paul
  • Haller, Kurt
  • Schusther, Paul
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Zitierweise

Schuster, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129061115.html [23.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1903–93), Kaufm. in H.;
    M Martha Josephi (1906–96), aus Hahnbach (Siebenbürgen);
    5 Geschw;
    1) (⚮) Zimra Harsányi (Ps. Ana Novac) (* um 1930), Schriftst. in Paris (s. W), 2) Edith Gross (* 1929), aus Bukarest, Kostümbildnerin an d. Oper ebd. sowie an d. Theatern v. Kronstadt u. Temesvar, Malerin in Köln (s. Siebenbürger Sachsen), 3) Ingrid Marie Pachmann (* 1943), Lehrerin;
    1 S aus 2) Gad Johannes (1964–91), Journalist.

  • Leben

    S. gehörte seit Anfang der 1950er Jahre zu den bedeutendsten Schriftstellern der nach dem 2. Weltkrieg im kommunistischen Rumänien zu neuem Leben erweckten dt. Literatur. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Hermannstadt ging er 1949 für zwei Jahre als Reporter der dt.sprachigen Tageszeitung „Neuer Weg“ nach Bukarest und war danach drei Jahre lang Volksschullehrer in Talmesch und Burgberg. 1954 kehrte er nach Bukarest zurück, wo er als Journalist der Tageszeitung „Neuer Weg“ und seit 1959 als Redakteur der „Neuen Literatur“ tätig war. Als Redaktionsmitglied dieser Literaturzeitschrift, in der mehrere seiner Erzählungen und Essays erschienen, leistete S. seit Mitte der 1960er Jahre einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der starren|Normen des sozialistischen Realismus, dessen ästhetische Vorgaben er bis dahin hatte befolgen müssen.

    In seinen Erzählungen (Der Teufel u. d. Klosterfräulein, 1955, 21957, 31962; Strahlenlose Sonne, 1961, 21963; Februarglut, 1964, u. a., von denen einige auch ins Rumän. bzw. Ungar, übers. wurden) distanzierte er sich von der bürgerlich-konservativen siebenbürg.-sächs. Welt und setzte sich als einer der wenigen rumäniendt. Autoren jener Jahre mit dem Nationalsozialismus in den Reihen seiner Landsleute auseinander. Sein zweibändiger Roman „Fünf Liter Zuika“ (I, 1961, 21963, erweiterte Aufl. 2002, II, 1965; verbesserte Aufll. 1967 u. 1968) rollt am Schicksal einer Familie in einer Vielzahl von Handlungsabläufen die Geschichte der Siebenbürger Sachsen seit dem Ende des 1. Weltkrieges auf. „Ausgewogener Erzählrhythmus, gefeilte, vom linguistischen k. u. k.-Mischmasch gefärbte Sprache, geschickt gespannte einfache Alltagsgeschichten“ zeichnen ein atmosphärisches Bild von den ev. Gemeinden Siebenbürgens (O. Marytnova 2002).

    1971 kehrte S. nach einem Besuch in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr nach Rumänien zurück und ließ sich 1972 in West-Berlin als freischaffender Schriftsteller und Leiter einer Schreibwerkstätte nieder. 1976-84 erstellte er die literarische Zeitschriftenschau für den Norddt. Rundfunk. Von seinen in Deutschland entstandenen Werken verdient die „Hl. Cäcilia“ (1986) Erwähnung, eine herb und kühl erzählte Geschichte einer Liebe zwischen einem sächs. Bauernmädchen und einem bukowin. Orgelbauer, die an rigiden sächs. Wertvorstellungen scheitert. Mehrere rumän. Autoren wurden von ihm ins Deutsche übersetzt (u. a. Dinicu Golescu, Liviu Rebreanu, Zaharia Stancu, Norman Manea).

  • Auszeichnungen

    Prosapreis d. rumän. Schritfst. verbandes (1965).

  • Werke

    Weitere W Rübezahl u. d. Glaserjockl, Märchenspiel, 1954;
    Erzz.:
    Alte Sachen – neue Brillen, 1964;
    Yoko u. Tadashi, 1965;
    Huftritt, 2003;
    zahlr. Berr., Reportagen u. Rezensionen;
    zu Ana Novac:
    A péboly hétköznapjoi, dt. Übers. u. d. T.: Die schönen Tage meiner Jugend, 1967, franz. u. d. T. Les beaux jours de ma jeunesse, journal, 1996, engl. u. d. T.: The beautiful days of my youth, My nine months in Auschwitz, mit Vorw. v. M. Goldenberg, 1997.

  • Literatur

    A. M. Sperber, in: Gazeta literară 12 (106) v. 22.3.1956;
    Ch. Gebert, in: Frankfurter Rdsch. v. 6.3.1969;
    H. Anger, in: Karpatenrdsch. v. 28.6.1968, S. 8;
    ders., ebd. v. 18.7.1968;
    H. Stănescu, in: Lex. dt.sprachiger Schriftst. II, bearb. v. G. Albrecht u. a., 1968, 21993;
    H. Liebhardt. in: Neuer Weg v. 4.7.1969;
    A. Hacke. Warten auf d. Blitz, Über d. Abenteuer, anderen d. Schreiben beizubringen, in: SZ 43 v. 5./6.9.1987;
    St. Sienerth, in: Siebenbürger Sachsen;
    ders., in: Südostdt. Vjbll. 51, 2002, H. 4, S. 337-52;
    H. Bergel, ebd. 53, 2004, H. 3. S. 199-202;
    O. Marytnova, in: Die Zeit v. 28.11.2002;
    dies., in: NZZ v. 5.8.2003;
    I. Brantsch, in: Dt. Ostdienst, 2004, H. 7. S. 20-22.

  • Autor/in

    Stefan Sienerth
  • Empfohlene Zitierweise

    Sienerth, Stefan, "Schuster, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 769-770 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129061115.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA