Lebensdaten
geboren um 1140
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118645609 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Archipoeta

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Zitierweise

Archipoeta, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118645609.html [24.01.2019].

CC0

  • Leben

    Name, Geburts- und Todesjahr und nähere Lebensumstände des Dichters, der wie einige andere nach ihm die ehrende Bezeichnung A., „Erzpoet“, trug und nach seiner Wiederentdeckung durch J. Grimm unter diesem Namen in die Geschichte der Weltliteratur eingegangen ist, sind unbekannt. Es ist nicht einmal sicher zu erweisen, ob er ein Deutscher oder ein Romane aus dem Westen des staufischen Reiches war; doch sichern ihm seine Beziehungen zu Rainald von Dassel, dem Kanzler Friedrich Barbarossas, und seine Stellung zu diesem selbst einen Platz in der deutschen Geschichte. Er mag um 1140 geboren sein, aus ritterlichem Geschlecht, entschied sich aber für das Studium. Mit Bibel und Liturgie und mit der römischen Dichtung war er gründlich vertraut. Nur etwa zwischen 1161 und 1165 ist sein Leben genauer zu verfolgen, in der Lombardei, in Salerno, Vienne und Köln. Er gehörte damals zur Umgebung Rainalds, von dessen Gnade er wirtschaftlich abhängig war. Zehn Gedichte, die sämtlich auf das Verhältnis zu Rainald Bezug nehmen, können mit Bestimmtheit als Eigentum des zu Zeiten gewiß sehr fruchtbaren Dichters angesehen werden; ihrer Art nach meist Bittgedichte in abwechslungsreicher Einkleidung, stellen sie kostbare Persönlichkeitsdichtung aus einer farbensatten Zeit dar. Heraus heben sich die berühmte, u. a. von Bürger übersetzte Beichte „Mihi est propositum“ und der feierliche Hymnus auf Barbarossa, der wohl im November 1163 in Novara vor dem Kaiser vorgetragen wurde; der A. schuf diesen, nachdem ihn sein Gönner aufgefordert hatte, Friedrichs Siege über die Lombarden in einem Epos zu verherrlichen. Reinster Typus des ruhelosen Vaganten, war A. dem Lebensgenuß bei Weib, Wein und Würfelspiel, die er in seiner Beichte offenherzig preist, ungehemmt ergeben. Hieraus nahm er die beste Kraft seiner Dichtung, von der er mit echtem Künstlerstolz spricht. Doch ist an seinem Werk alles ausgewogen und maßvoll. Die kunstvoll aufgebauten Gedichte scheinen mit höchster Freiheit geschaffen zu sein, natürlicher Fluß und Wohllaut der lateinischen Rede verbinden sich mit sehr reiner Form. Für Ernst und Scherz, die gern unmerklich ineinander übergeführt sind, ist der rechte Ton gefunden, mit feinem Witz und warmem Humor gelingt es ihm immer wieder, seinen Beschützer mit seinen Schwächen zu versöhnen. Wenige Dichtergestalten des lateinischen Mittelalters lassen sich an Ursprünglichkeit und Tiefe mit dem A. vergleichen.

  • Werke

    Die Gedichte d. A., hrsg. v. M. Manitius, 1913, 21929;
    Übers, v. B. Schmeidler, 1911;

    W. Stapel, Des A. erhaltene Gedichte, lat. u. dt., 1927;
    K. Langosch, Polit. Dichtung um Kaiser Friedr. Barbarossa, 1943, S. 98 ff.

  • Literatur

    F. J.E. Raby, A History of secular Latin poetry in the middle ages II, 1934, S. 180-89;
    W. Stach, Salve mundi domine!, 1939;

    O. Schumann, in: Vf.-Lex. d. MA I, 1933;
    F.Gennrich, in: MGG (L).

  • Autor/in

    Bernhard Bischoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Bischoff, Bernhard, "Archipoeta" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 336 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118645609.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA