Lebensdaten
1861 bis 1936
Geburtsort
Liben bei Prag
Sterbeort
Hollywood oder Los Angeles (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Sängerin ; Altistin
Konfession
-
Normdaten
GND: 117303704 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rössler, Tini (geborene)
  • Schumann-Heink, Ernestine
  • Heink, Ernestine (verheiratete)
  • mehr

Verknüpfungen

Visualisieren

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schumann-Heink, Ernestine, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117303704.html [24.08.2016].

CC0

Schumann-Heink, Ernestine (Tini), geborene Rössler

Sängerin, * 15.6.1861 Liben bei Prag, 17.11.1936 Hollywood oder Los Angeles (Kalifornien, USA), San Diego, Greenwood Cemetery.

  • Genealogie

    V Hans Rössler, k. u. k. Major; M Charlotte Goldmann; 1) 1882 Ernst Heink, Sekr. an d. Dresdner Oper, 2) 1893 Paul Schumann (1859–1905), Schausp., Regisseur, seit 1882 Mitgl. d. Hamburger Stadttheaters, seit 1898 d. Berliner Hoftheaters (s. Eisenberg), 3) 1905 1914 William Rapp jr., RA; 2 S, 2 T aus 1), 2 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    Nachdem ihr von der Mutter, einer begabten Altistin, geerbtes Stimmtalent bereits früh entdeckt worden war, erhielt S. ihre erste gesangliche Schulung durch Marietta v. Leclair in Graz. Erst 15jährig, übernahm sie in Graz die Alt-Partie in Beethovens 9. Sinfonie. Ihr Bühnendebüt gab sie unter dem Namen Tini Rössler 1878 in Dresden als Azucena in Verdis „Il trovatore“. Dort erhielt sie weitere Gesangsausbildung von Aloysia Krebs-Michalesi. Nach einem Engagement an der Berliner Krolloper 1882 wechselte sie 1883 an die Hamburger Oper, wo sie zunächst nur kleine Rollen singen durfte. Erst als S. mehrfach kurzfristig für die dortige erste Altistin, Marie Goetze, als Carmen, Fidès (Meyerbeer, „Le prophète“) und Ortrud (Wagner, „Lohengrin“) eingesprungen war, konnte sie sich dort durchsetzen. Erste Gastspiele führten sie nach Berlin, Paris und London; 1896 wirkte S. zum erstenmal bei den Bayreuther Festspielen mit, wo sie bis 1914 zu hören war. Seit 1898 Mitglied der New Yorker Metropolitan Opera, gab sie auf einem Gastspiel der „Met“ in Chicago 1898 ihr Debüt als Ortrud im „Lohengrin“ und stellte sich in derselben Rolle am 9.1.1899 in New York vor. Mit Unterbrechungen trat sie bis 1932 an der „Met“ auf.

    Seit 1903 unternahm S. immer wieder ausgedehnte und sehr erfolgreiche Konzerttourneen mit jeweils über 100 Auftritten durch die USA, wo sie landesweite, enorme Popularität erlangte. Ein künstlerischer Höhepunkt ihrer Karriere war am 25.1.1909 die Gestaltung der Rolle der Klytämnestra in der Uraufführung von Richard Strauss' „Elektra“ in Dresden. Während des 1. Weltkriegs absolvierte S., seit 1908 amerik. Staatsbürgerin, zahllose Auftritte vor amerik. Soldaten. Nach dem Krieg reduzierte sie ihre Bühnenauftritte und konzentrierte sich auf Konzerte. Noch mit 60 Jahren unternahm sie eine ausgedehnte Asientournee. 1928 wollte sie ihre Laufbahn beenden, nahm jedoch nach dem Verlust ihres gesamten Vermögens am „Schwarzen Freitag“ 1929 ihre Konzert- und Tourneetätigkeit wieder auf und war auch sehr häufig im Rundfunk zu hören. 1935 begann sie, nun 74jährig, noch eine erfolgreiche Hollywood-Karriere in dem Film „Here's to Romance“.

    Obwohl S.s künstlerische Existenz v. a. mit ihren großen Wagner-Porträts der Erda, Frikka, Waltraute, Brangäne assoziiert wird, lag S.s besondere Begabung in ihrer – sonst kaum in dem Maße anzutreffenden – Vielseitigkeit und stimmlichen Wandelbarkeit. Sie soll insgesamt über 150 Rollen beherrscht haben, die von Gluck und Mozart über Meyerbeer, Rossini und Donizetti bis zu Verdi, Wagner und R. Strauss reichten – darüber hinaus ein außergewöhnlich großes Lieder- und Konzertrepertoire. Die Vielzahl der von ihr erhaltenen Schallplattenaufnahmen, die sich über einen Zeitraum von rund 30 Jahren erstrecken – die letzten stammen von 1931 –, dokumentiert ebenso eindrucksvoll die stimmliche Langlebigkeit der Altistin. Gerade durch das Vermeiden einer fachlichen Spezialisierung auf die strapaziösen hochdramatischen Partien konnte sie sich nicht nur den vollen, üppigen Klangcharakter ihres pastosen, charakteristisch timbrierten Alts jahrzehntelang erhalten, sondern auch eine für diese Stimmlage ungewöhnliche Beweglichkeit und Koloratursicherheit.

  • Literatur

    M. Lawton, S.-H., The Last of The Titans, 1929;  J. McPherson, E. S.-H., in: The Record Collector 17, 5&6, 1967, S. 98-140 (P);  J. Dick u. M. Sassenberg (Hg.), Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., 1993, S. 338 f. (P);  J. B. Steane, Singers of the Century, First Series, 1996, S. 206-10;  EisenbergÖBLBiogr. Lex. Böhmen;  J. Kesting, Die gr. Sänger, 1986;  J. M. Fischer, Gr. Stimmen, 1993;  Opera GroveNew Grove (P)New Grove (P).

  • Portraits

    versch. Szenenfotos in d. Slg. F. N. Manskopf (Stadt- u. Univ.bibl. Frankfurt), u. a. S. als Klytämnestra (Doppelbildnis mit Annie Krull als Elektra), Dresden 1909, Abb. in: New Grove u. New Grove.

  • Autor

    Kurt Malisch
  • Empfohlene Zitierweise

    Malisch, Kurt, "Schumann-Heink, Ernestine" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 754 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117303704.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.