Lebensdaten
1808 bis 1870
Geburtsort
Wernesgrün (Vogtland)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Erfinder ; Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118762036 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schubert, Johann Andreas
  • Schubert, Andreas
  • Schubert, Johann Andreas
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Zitierweise

Schubert, Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118762036.html [11.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Michael (1756–1829), Tagelöhner in W.;
    M Johanna Sophia Döhler (1768–1838);
    Pflege-V Ludwig Ehrenfried v. Rackel (1766–1820), Oberhofrichter u. Polizeipräs. in Leipzig; Pflege-M Eleonore Henriette Sahrer v. Sahr (1774–1839);
    B u. a. Christoph (* 1797), Rußbuttenhändler in W;
    1) Dresden 1832 Laura Florentine Dennhardt (1809–51), 2) 1855 Sophie Eben (1825–1900);
    1 S aus 1) William (Willy) (1847–1935), Ing., Gewerbeinsp., Oberreg.rat in Leipzig, 1 T aus 1) Anna Laura (* 1837);
    5 T aus 2).

  • Leben

    Günstige Umstände führten S. als Pflegekind in die Familie des Leipziger Polizeipräsidenten v. Rackel. Er besuchte die Thomasschule in Leipzig und 1821-24 das Freimaurerinstitut Dresden-Friedrichstadt. Anschließend folgte bis 1828 ein Architekturstudium an der Bauschule der Dresdner Kunstakademie, wo seine außergewöhnliche mathematischtechnische Begabung erkannt wurde. In der Werkstatt des Dresdner Hofmechanikers Rudolf Sigismund Blochmann (1784–1871) lernte S. die handwerkliche Seite des Maschinenbaus kennen und wurde in die Problematik der Maschinenkonstruktion eingeführt. 1828 trat er als Lehrkraft für Buchhaltung und zweiter Lehrer für Mathematik in die neu gegründete Technische Bildungsanstalt Dresden ein und wurde 1832 zum Professor ernannt. S. verkörperte den typischen Polytechniker mit vielseitigem Berufsbild und diversen Tätigkeitsfeldern. Er verstand es, Lehre, wissenschaftliche Tätigkeit und praktische Berufsausübung miteinander zu verknüpfen. S. verfügte nicht nur über die Fähigkeit, in freier Rede seine Schüler zu fesseln, sondern vermittelte durch den Einsatz spezieller Lehrmittel (Musterbll., Masch.- u. Getriebemodelle) jene Anschaulichkeit, die schwierige ingenieurtechnische Gegenstände als Einheit von empirischen und theoretischen Komponenten verständlich machten. Seiner außerordentlichen Lehrerfolge wegen gelanges ihm. Einflußauf die praktische und wissenschaftliche Gestaltung der Ausbildung sowie auf das neue Organisationsstatut von 1835 zu nehmen: Seine Hauptlehrgebiete, die technische Mechanik, Baulehre und Maschinenkunde, avancierten zu den zentralen Fächern der Anstalt.

    1836 gründete S. in Dresden-Übigau den „Dresdener Actien-Maschinenbau-Verein“ u. a. zur Fabrikation von Dampfmaschinen und -kesseln. 1837 wurde der unter seiner Leitung gebaute erste sächs. Elbdampfer „Königin Maria“ in Betrieb genommen. In Übigau wurde auch die von S. konstruierte „Saxonia“ erbaut, die 1839 als erste dt. Dampflokomotive die Eisenbahnstrecke Leipzig-Dresden befuhr. Als Unternehmer war S. hingegen wenig erfolgreich; 1841 ging seine Firma in Liquidation. S.s Engagement in öffentlichen Angelegenheiten kam in seiner maßgeblichen Beteiligung an der Gründung des „Sächs. Ingenieur-Vereins“ (1846), der Tätigkeit als Dampfkesselinspektor für den Bezirk Dresden-Bautzen (seit 1849) sowie als Mitglied der „Technischen Deputation“ des sächs. Innenministeriums und weiterer Kommissionen zum Ausdruck. Während des Dresdner Maiaufstandes 1849 übte S. als Zugführer der technischen Kompanie mäßigenden Einfluß auf die Studenten aus; seiner liberalen Gesinnung wegen mußte er freilich in der Folgezeit manche berufliche Herabsetzung erfahren.

    Die Jahre von 1845 bis zu seinem Austritt aus dem Lehramt 1869 waren vom Straßen-, Eisenbahn- und Brückenbau geprägt. 1851 wurde S. Vorstand der Bauingenieurabteilung der 1851 zur Polytechnischen Schule aufgerückten Bildungsanstalt; die Konzentration auf diese Fächer brachte ihn zu seinen ursprünglichen Neigungen zurück. Hervorzuheben ist für diese Zeit eine umfangreiche gutachterliche Tätigkeit beim Bau des Elstertal- und Göltzschtalviaduktes. S.s Ziel, die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der Baupraxis, waren damals noch Grenzen gesetzt, so daß seine Leistung im Zusammenhang mit diesen beiden großen Brücken oft überbewertet wurde. Aus der Vielzahl seiner Schüler, unter ihnen Max Maria v. Weber (1822–81) und Moritz Rühlmann (1811–96), ging ein Stamm wissenschaftlich gebildeter Ingenieure hervor, welche die Industrialisierung des Landes voranbrachten.

  • Auszeichnungen

    Rr. d. Sächs. Verdienstordens (1859);
    Reg.rat (1869).

  • Werke

    Hdb. d. Mechanik f. Praktiker, 1832;
    Elemente d. Maschinenlehre, 2 Bde., 1842/44;
    Theorie d. Konstruktion steinerner Bogenhrücken, 2 Bde., 1847/48;
    Btr. z. Berichtigung d. Theorie d. Turbinen. 1850;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Sächs. HStA, Dresden.

  • Literatur

    H. Pönicke, in: Sächs. Lb. II, 1938, S. 361-68 (P);
    A. Weichold, J. A. S., Lb. e. bed. Hochschullehrers u. Ing. aus d. Zeit d. industr. Rev., 1968;
    G. Banse u. S. Wollgast (Hg.), Biogrr. bed. Techniker, Ingenieure u. Technikwiss., 1983, S. 160-66 (P);
    R. Sonnemann, J. A. S., e. verdienstvoller Pionier d. industr. Rev. in Sachsen, in: Zs. f. sächs. Gesch., Denkmalpflege, Natur u. Umwelt 37, 1991, S. 9-11 (P);
    Gesch. d. TU Dresden in Dokumenten u. Bildern, I, 1992, S. 26 f. (P);
    J. A. S., e. sächs. Lehrer u. Ing., in: Kat. z. Sonderausst. Verkehrsmus. Dresden, 1995;
    R. Forberger, Die industr. Rev. in Sachsen 1800–61, II, 1999, S. 547;
    Berühmte Vogtländer I (P);
    K. Mauersberger, in: Professoren TU Dresden (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. L. Kriebel, um 1840 (München, Dt. Mus.);
    Photogr. v. H. Krone, um 1865 (TU Dresden, Hermann-Krone-Slg.).

  • Autor/in

    Thomas Hänseroth, Klaus Mauersberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Hänseroth, Thomas; Mauersberger, Klaus, "Schubert, Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 606-607 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118762036.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA