Lebensdaten
1889 bis 1974
Geburtsort
Aldekerk/Niederrhein
Sterbeort
Duisburg
Beruf/Funktion
katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 127285296 | OGND | VIAF: 25129792
Namensvarianten
  • Erasmi, Ernst (Pseudonym)
  • Anscharius, P. (Pseudonym)
  • Germanus, Dr. (Pseudonym)
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Zitierweise

Schroeder, Oskar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd127285296.html [22.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann, Schornsteinfegermeister;
    M Katharina Dickmanns.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums in Kempen studierte S. seit 1910 Theologie in Münster. 1914 trat er in das bfl. Priesterseminar ein und wurde ein Jahr später in Essen zum Priester geweiht. 1916 übernahm er eine Anstellung als Kaplan und Schulrektor in Waldniel/Niederrhein; 1918 legte er die Prüfung für das Höhere Lehramt in Religion, Hebräisch, Philosophie und Englisch ab. 1921 arbeitete er als Dezernent für Apologetik beim „Volksverein für das kath. Deutschland“ in Mönchengladbach. Nach seiner Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über „Die Kulturphilosophie W. Wundts und W. Windelbands“ 1922 bei Max Scheler (1874–1928) in Köln war er fortan als Lehrer an verschiedenen Lehrerseminaren und Oberschulen tätig, zuletzt 1936-55 am Landfermann-Gymnasium in Duisburg.

    S., der nonkonformistische Positionen vertrat und kühne Visionen entwickelte, gehört zu den führenden Gestalten des dt. Reformkatholizismus. Seine in die Studienzeit zurückreichende Freundschaft zu Johannes Hessen (1889–1971) und seine engen Kontakte zu Friedrich Heiler (1892–1967) standen am Beginn seiner Aktivität für eine radikale Reform von Theologie und Kirche und seiner Absage an die Neuscholastik mit ihrem einseitigen „Intellektualismus“. In den von ihm und Hessen erarbeiteten, anonym erschienenen – indizierten – Schriften „Der Katholizismus, Sein Stirb und Werde“ (1937) und „Der Katholizismus der Zukunft“ (1940) griff S. Reformvorschläge der „Modernisten“ Alfred Loisy (1857–1940) und George Tyrrell (1861–1909) auf und forderte radikal einen theologischen Neuansatz, der in die Zeit vor der Hellenisierung des Christentums zurückreichen sollte. Diesem Ziel diente auch der von ihm und Josef Thomé (1891–1980) 1941 ins Leben gerufene „Rhein. Reformkreis“, dem über dreißig Theologen angehörten und der mit seinen Kontakten zu bekannten Publizisten und Theologieprofessoren wie Walter Dirks (1903–91), Joseph Wittig (1879–1949), Karl Adam (1876–1966) und Theodor Steinbüchel (1888–1949) weit über das Rheinland hinaus wirkte. Seit 1941 stand S. in diesem Kreis als Koordinator in führender Position und arbeitete auch dessen Richtlinien aus. Entschieden wandte er sich 1943 in einer Denkschrift gegen die pauschale Verurteilung dt. Theologen durch den Freiburger Ebf. Conrad Gröber. Auch wenn sein national-völkisch gefärbtes Konzept der kath. Kirche in Deutschland und seine Forderung nach einer genuin „dt. Frömmigkeit“ Nähen zur NS-Ideologie aufwies, wehrte er sich, auch in der Auseinandersetzung mit Adam, erfolgreich gegen eine Vereinnahmung des Kreises durch die Nationalsozialisten.

    1945 erschien seine Schrift „Gedanken zu einer Kulturpolitik im neuen Volksstaat“, die das Kulturprogramm der rhein. CDU beeinflußte. Auch nach Kriegsende blieb S. seinem kritischen und ökumenischen Katholizismus treu, etwa in anonymen Artikeln zum Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, oder in der von ihm besorgten dt. Ausgabe von Tyrrells Werk „Das Christentum am Scheideweg“ (1959, hg. v. E. Erasmi). Erst 1969 trat S., ermutigt durch das II. Vatikanische Konzil, mit einem Werk über die Geschichte der reformkath. Bewegung aus der Anonymität heraus; es dauerte weitere dreißig Jahre, bis die kirchenhistorische Forschung seine Bedeutung für eine zeitgemäße, ökumenische Theologie und Kirche erkannte.

  • Werke

    Weitere W Woher d. Entfremdung v. Rel. u. Kirche?, 1922;
    Die rel. Schwarmgeisterei in d. Gegenwart, 1922;
    Ein neues Dogma?, in: W. Falkenhahn (Hg.), Veritati, FS J. Hessen zu seinem 60. Geb.tag, 1949, S. 141-55;
    Quo Vadis, Petre?, in: Oekumen. Einheit 2, 1951, S. 105-33;
    Ist d. päpstl. Unfehlbarkeit durch d. neue Dogma erschüttert?, ebd. 3, 1952, S. 216-28;
    Die Diskussion über d. wahre Marienverehrung in d. röm.-kath. Kirche, in: Eine Hl. Kirche 5, 1955/56, H. 1, S. 42-60;
    Aufbruch u. Mißverständnis, Zur Gesch. d. reformkath. Bewegung, 1969.

  • Literatur

    A. Kolping, Kath. Theol. gestern u. heute, 1964, S. 156-60;
    C. Weber, Der Rel.philosoph J. Hessen, 1994, passim;
    H. Wolf, Karl Rahner, Theol. u. phil. Zeitfragen im kath. dt. Raum (1943), 1994, S. 54-60;
    O. Weiß, Der Modernismus in Dtld., 1995, S. 549-67, 576-83;
    A. Klement, Versöhnung des Verschiedenen, Friedrich Heilers Ringen um d. eine Kirche, 1997;
    U. Scharfenecker, in: H. Wolf (Hg.), Antimodernismus u. Modernismus in d. kath. Kirche, 1998, S. 345-64;
    H. Wolf u. C. Arnold. Der Rhein. Reformkreis, 2 Bde., 2001 (W, L, P);
    L. Scherzberg, Kirchenreform mit Hilfe d. NS, Karl Adam als kontextueller Theol., 2001, S. 297-310;
    LThK3.

  • Autor/in

    Otto Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Otto, "Schroeder, Oskar" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 571 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd127285296.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA