Lebensdaten
1712 bis 1781
Geburtsort
Allrode bei Blankenburg (Harz)
Sterbeort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
preußischer Oberpräsident ; brandenburgischer Staatsmann
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 123248418 | OGND | VIAF: 10748912
Namensvarianten
  • Domhardt, Johann Friedrich von
  • Domhardt, Johann Friedrich
  • Domhardt, Ioannes Fridericus de

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Zitierweise

Domhardt, Johann Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123248418.html [05.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Just Heinr. ( 1736), Domänenpächter;
    M Kath. Gertrud Trüstedt aus Ratsgeschlecht in Gardelegen;
    1740 Joh. Amalia (1716–79), T des Joh. Casp. Keydel, braunschweigischer Forstinspektor, dann Domänenpächter in Ostpreußen; 10 Kinder, u. a. Ludw. Frdr. (1745–1814), Geh. Oberfinanzrat, 1782 Kammerpräsident in Bromberg, 1786 in Marienwerder.

  • Leben

    D. hat wohl in Halberstadt und Tilsit die Schule besucht, bevor er bei seinem Vater die Landwirtschaft erlernte. Der Vater übersiedelte 1724 nach Ostpreußen und pachtete dort 1728 die Domäne Althof-Ragnit, 1734 Sommerau. Der Sohn übernahm 1734 die Pachtung Ragnit, 1736 auch Sommerau. Durch wirtschaftliche Tüchtigkeit erwarb er bald ein ansehnliches Vermögen. Er kaufte 1744 das Gut Wischwill, später weitere Güter in Ostpreußen, 1746 trat er in den Staatsdienst und wurde als Kriegs- und Domänenrat an die Kammer in Gumbinnen versetzt. Dort erwarb er sich besondere Verdienste bei der Verwaltung des Stutamtes Trakehnen. 1756 wurde er 2. Direktor, 1757 Präsident der Kammer Gumbinnen. Obgleich, wie die ganze Provinz Preußen, nach dem 2. Russeneinfall gezwungen, 1758 der Kaiserin Elisabeth zu huldigen, blieb D. im Herzen seinem Vaterlande treu. Friedrich der Große verdankte ihm wertvolle Berichte über die Lage der Provinz. Nachrichten, daß er den König auch nach der Besetzung durch die Russen durch besondere Hilfsleistungen unterstützt habe, sind nicht genügend verbürgt. D. hat es jedoch verstanden, auch während der russischen Besetzung seinen Kammerbezirk in guter Ordnung zu halten, so daß er sofort nach der Rückgabe an Friedrich den Großen (1762) bedeutende Leistungen aufbringen konnte. Der König ernannte D. in Anerkennung seiner Verdienste 1762 auch zum Präsidenten der Kammer Königsberg und vereinigte damit die wirtschaftliche Verwaltung der Provinz Preußen in D.s Hand. D. förderte die Wirtschaft der Stadt Königsberg und versuchte, den Merkantilismus des Königs zu mildern. Ein besonderes Verdienst ist der Bau des masurischen Kanals (1764–66). Außenpolitisch trug D. 1764 zur Vorbereitung des Vertrags mit Rußland bei. Die Erwerbung Westpreußens (1772) stellte ihn vor neue Aufgaben. Der König betraute ihn mit der Einrichtung der Kammer Marienwerder und unterstellte ihm 1775 auch die Kammer Bromberg (Netzedistrikt). Die Organisation der Verwaltung in diesen Gebieten ist wesentlich D.s Werk. Er hat auch mit der Förderung der Landeskultur und der Heranziehung von Siedlern begonnen. Mit den Absichten des Königs ging D. nicht immer konform. Auf dem Boden der Provinz Preußen ist D., der nicht allgemein beliebt und eigenwillig, aber selbstlos war, wohl der bedeutendste Staatsmann der Friderizianischen Zeit gewesen. Die Machtfülle und Ämterhäufung, die in D.s Hand vereinigt waren, wurden nach seinem Tode aufgeteilt.

  • Literatur

    ADB V;
    F. E. Jester, in: Btrr. z. Kunde Preußens I, 1818, S. 1-32 (P);
    E. Joachim, J. F. v. D., 1899 (P);
    Altpreuß. Biogr.

  • Portraits

    Gem. v. Tischbein (verschollen); Stich v. Facius nach Gem. v. J. G. Becker, Abb. b. Jester (s. L);
    Stich v. J. F. Bause, Abb. b. Joachim (s. L).

  • Autor/in

    Kurt Forstreuter
  • Empfohlene Zitierweise

    Forstreuter, Kurt, "Domhardt, Johann Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 66 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123248418.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Domhardt: Joh. Friedrich v. D., der erste Oberpräsident in der Provinz Ost- und Westpreußen, geb. 18. Sept. 1712, 20. Novbr. 1781. Der Sohn eines aus dem Harzlande 1724 nach Lithauen eingewanderten tüchtigen Landwirths, erhielt er im Halberstädter und Tilsiter Gymnasium gute Schulbildung, und übernahm 19jährig, nach des Vaters Ableben, dessen Pachtung der kgl. Domaine Ragnit. Ausdauernd in der Arbeit, eifrig und gediegen in seinen landwirthschaftlichen Verbesserungsbestrebungen, erwarb er sich König Friedrich Wilhelms I. besondere Zufriedenheit. Der Kronprinz lernte D. 1735 persönlich kennen und nahm ihn als „Genie“ in petto für eine Verwerthung in der Staatsverwaltung. Scharfes Eindringen in schwierige Aufgaben, rasches Erkennen und sachgemäßes Benutzen der maßgebenden Umstände, im Verein mit unwandelbarer Redlichkeit; Thatendrang gepaart mit stillem Berufsfleiß; große Bescheidenheit und rege Menschenfreundlichkeit — dies sind Eigenschaften, welche D. als Staatsbeamten zieren. Von König Friedrich II. bald nach der Thronbesteigung zum Kriegs- und Domainen-Rath ernannt und mit der alleinigen Aufsicht über das königliche Gestüt Trakehnen betraut, stieg D. — in Folge genauer und umsichtiger Erledigung belangreicher, unmittelbar vom König ihm ertheilter Geschäfte — kurz vor Ausbruch des Krieges 1756 zum zweiten Director der lithauschen „Kammer“. Demnächst übertrug der König „aus Eigener Bewegung“ D. die Verpflegung der gegen den russischen Einbruch versammelten Truppen. Der commandirende General rühmte dem König Domhardt's gute Dienste; der Monach beförderte, ohne Rückfrage beim (Berliner) „Generaldirectorium“, D. am 25. Octb. 1757 zum Präsidenten der Kammer in Gumbinnen. Anmerken müssen wir, daß D., um den von den Russen arg verwüsteten Orenzorten rasche Hülfe zu bringen, sich den Husaren anschloß, welche die abziehenden Feinde verfolgten, aber sich durch den Anblick seiner eigenen in Flammen aufgehenden ländlichen Gebäude nicht aufhalten ließ; denn — so sagte D. zu dem ihn begleitenden Beamten — „des Königs Dienst geht vor“. — Domhardt's weitere, recht schwierigen und, bei seinem unbeugsamen Patriotismus, sehr gefahrvollen Leistungen, vom Novb. 1757 an bis zum Friedensschluß mit Rußland, machen mit seinen besten Ruhm aus. Der König dankte D. 1763 in äußerst gnädiger, eigenhändiger Zuschrift und ernannte ihn zum Präsidenten beider Kammern in der Provinz Preußen. 1766 erhielt D. Sitz und Stimme für alle Cameralsachen bei der Provinzial-Justizoberbehörde. Domhardt's Bemühungen brachten die durch den Krieg hart geschädigte Provinz bald zu neuer Blüthe. Der König ertheilte, dies anerkennend, D. und seinen Nachkommen 1771 den Adel und zeichnete ihn zugleich durch neue gewichtige und außergewöhnliche Aufträge aus.|D. ermüdete nicht bei Erledigung derselben, obwol sie seine Kräfte fast im Uebermaße in Anspruch nahmen.

    Domhardt's mühevollste und belangreichste Thätigkeit entfaltet sich bei Erwerbung und nach Uebernahme Westpreußens, dieses „Zipfels Anarchie“, der Friedrich dem Großen 1772 zufiel. (S. des Königs Brief an d'Alembert vom 27. Octb. dieses Jahres.) Des wohlwollenden und geschickten „alten Domhardt“ ruhmreiche Theilnahme an der moralischen Eroberung von Polnisch-Preußen durch deutsche Civilisationsimpulse sollte füglich nimmer in Vergessenheit kommen. Freilich amtirte der große König eigentlich Höchstselbst als „Ober-Präsident von Ost- und Westpreußen"; aber es blieb dem (seit 1775) als Präsident sämmtlicher dortigen Kammern fungirenden D. „viel Verdienst übrig“. Einen actenmäßigen Ausweis über Domhardt's Sorgen und Schaffen in und für Westpreußen findet man in dem 1866 bei E. Lambeck in Thorn erschienenen Buch „Westpreußen unter Friedrich dem Großen“. In Ostpreußen, wohin der große König seit dem 7jährigen Kriege nie wieder kam, war D. sozusagen Vicekönig; und für Westpreußen, wo der König alljährlich Revue abhielt, können wir D. getrost den Titel eines, Civil-Feldmarschalls geben. Erst sterbend (nach wochenlangem Krankenlager und zuletzt an beiden Armen gelähmt) hörte D. auf Dienste zu leisten. Den Tod auf den Lippen, sagte er: „Jetzt werde ich mich ordentlich ausruhen.“ Seine Asche ruht in Bestendorf bei Preuß.-Holland; hier befindet sich auch, im Besitz Domhardt'scher Nachkommen, ein schönes Tischbeinsches Bild dieses durch eigene Kraft und eigenes Verdienst vom schlichten Gutspächter zum Verwalter zweier Provinzen aufgestiegenen wahren Biedermanns. Am Sockel des Friedrichsmonuments in Berlin findet man Domhardt's ehrenvollen Namen neben zwei andern Helden der Feder: Cocceji und Hertzberg. — Das Magazin für die Litteratur des Auslands Jahrgang 1872 Nr. 35 enthält eine auf amtlichen Schriftstücken und zuverlässigen Familienaufzeichnungen beruhende ausführliche Domhardt-Biographie.

  • Autor/in

    Graf zur Lippe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lippe, E. Graf zur, "Domhardt, Johann Friedrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 325-326 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123248418.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA