Lebensdaten
1903 bis 1990
Geburtsort
Bortfeld (Niedersachsen)
Sterbeort
Cronenberg bei Wuppertal
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124881920 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schrader, Paul Gerhard Heinrich

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Zitierweise

Schrader, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd124881920.html [23.08.2017].

CC0

Schrader, Paul Gerhard Heinrich

Chemiker, * 25.2.1903 Bortfeld (Niedersachsen), 10.4.1990 Cronenberg bei Wuppertal. (evangelisch)

  • Genealogie

    Aus Bauernfam.; V Heinrich (* 1861), aus Schandelah b. Braunschweig, Kantor u. Lehrer seit 1902 in B., seit 1913 in Klein Stöckheim b. Braunschweig; M Elise (1873–1943), T d. Heinrich Mund (1840–1913), Landwirt, Steinbruchbes. in Devental (Weserbergland), u. d. Johanna Jürgens (1843–98); 2 ältere Geschw; – Elberfeld 1929 Gertrud. T d. N. N. Ahlers ( 1936), Pastor, zuletzt in Magdeburg; 1 S, 2 T u. a. Wiebke (* 1930), Prof. f. Systemat. Philos., Problemgesch, d. Philos. u. Phil. Soziol. in Würzburg (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2005).

  • Leben

    S. besuchte seit 1914 das Wilhelm-Gymnasium in Braunschweig und studierte nach dem Abitur 1923 an der TH Braunschweig Chemie. 1928 wurde er mit einer Arbeit „Zur Chemie des Rutheniums und Osmiums“ zum Dr.-Ing. promoviert. Im selben Jahr trat er in die „Farbwerke Bayer“ in Leverkusen ein. Sein Arbeitsgebiet wechselte von der anorganischen zur organischen Chemie. 1930 in das Hauptlabor versetzt, arbeitete S. über Naphthol-Farbstoffe, seit 1934 erforschte er Schädlingsbekämpfungsmittel, insbesondere Phosphorsäureester. Bei Versuchen mit einem Cyanphosphorsäureester, der später unter dem Namen „Tabun“ als Kampfgas bekannt wurde, erlitt S. 1936 schwere Vergiftungen. Die weitere Untersuchung dieser Stoffklasse führte zu anderen hochwirksamen Giften (1938 Sarin, 1942 Blandan, 1944 Parathion/E 605) und weckte das Interesse des dt. Heereswaffenamts, das die weitere Tabun-Forschung und -produktion für den Einsatz als Kampfstoff (der dann allerdings nicht erfolgte) übernahm. Eine Beteiligung von S. an diesen Maßnahmen ist nicht bekannt. Im März 1945 kam S. in amerik. Gefangenschaft und wurde einige Monate in der Festung Kranzberg (Taunus) interniert. Er wurde aufgefordert, seine Forschungsergebnisse schriftlich darzulegen (Die Entwicklung neuer Insektizide auf d. Grundlage organ. Fluor- u. Phosophor-Verbindungen, 1951). Anklage wurde erhoben, allerdings bald fallengelassen. S. lehnte Angebote aus England ab und arbeitete weiter in Deutschland bei Bayer. 1952 wurde das von ihm entwickelte Schädlingsbekämpfungsmittel „Systox“ international erfolgreich auf den Markt gebracht.

  • Auszeichnungen

    Silberne Ehrenplakette d. Bundesmin. f. Ernährung, Landwirtsch. u. Forsten (1951); Otto-Appel-Denkmünze d. Dt. Phytomed. Ges. (DPG) (1955); Ehrenmitgl. d. DPG; Adolf-v.-Baeyer-Denkmünze d. Ges. Dt. Chemiker (1956); Dr. agr. h. c. (Bonn 1959); Dr. vet. med. h. c. (Tierärztl. Hochschule Hannover 1963); Dr. rer. nat. h. c. (Braunschweig 1977).

  • Werke

    Die insektiziden Phosphorsäureester, in: Angew. Chemie 69, 1957, S. 86 ff.; Zur Kenntnis neuer, wenig tox. Insektizide auf d. Basis v. Phosphorsäureestern, ebd. 73, 1961, S. 331 ff.; Die Entwicklung neuer insektizider Phosophorsäure-Ester, 1951, 31963; – Patente Schädlingsbekämpfungsmittel, DRP 767723, 1937; Verfahren z. Herstellung v. neutralen Estern d. Thiophosphorsäure, DBP 818352, 1949; Verfahren z. Herstellung v. organ. Phosphorverbindungen, DBP 1032247, 1954.

  • Literatur

    Mitt. d. Biolog. Bundesanstalt Land- u. Forstwirtsch. 85, 1956 (P); Chemical Age, 1951, S. 813-16; Agriculture and Food Chemistry 1, 1953, S. 880-82; Bayer-Pflanzenschutzkurier 1, 1956, Nr. 2, S. 3, 4, 1959, Nr. 3, S. 34 f.; Nachrr. aus Chemie u. Technik 4, 1956, S. S. 286 (P); U. Deichmann, Flüchten, Mitmachen, Vergessen, Chemiker u. Biochemiker in d. NS-Zeit, 2001, S. 421 f.; O. Pfingsten. G. S., Der Erfinder d. Schädlingsbekämpfungsmittels E605, 2003; Personenlex. Drittes Reich; Pogg. VIIa, VIII.

  • Autor

    Klaus Ruthenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Ruthenberg, Klaus, "Schrader, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 508 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd124881920.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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