Lebensdaten
1628 bis 1668
Geburtsort
Delft
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
schwedischer Feldmarschall ; Diplomat
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 135698111 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dohna, Christoph Delphicus von

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Zitierweise

Dohna, Christoph Delphicus von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135698111.html [18.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph s. (3);
    B Friedrich s. (6), Christian Albr. s. (2); Schwager u. Vt Fabian (s. Einl. e); Cousine Kfn. Luise Henr. v. Brandenburg ( 1667);
    Oldesloe 19.8.1658 Anna (1620–91), T des Reichsadmirals u. Reichsschatzmeisters Gabriel Bengtson Gf. Oxenstierna v. Korsholm u. Wasa, u. der Anna Banér (Schw des schwedischen FM Johann Banér, 1641, Gen.gouverneur in Pommern);
    S Frdr. Christoph (1663–1727), schwedischer Gesandter (u. a. in Wien), brandenburg-preußischer Gesandter (in Stockholm) u. Gen.Lt., dann schwedischer Gen.Lt., Präs. des Tribunals zu Wismar (s. Svenskt Biogr. Lex. XI, Stockholm 1945, S. 334 ff., P); 2 Töchter; Schwiegersohn u. N Alexander s. (8).

  • Leben

    Bis 1639 zusammen mit seinem Vetter Wilhelm (II.) Prinzen von Oranien erzogen, erwarb D. erste militärische Erfahrungen unter Prinz Friedrich Heinrich von Oranien im Feldzuge von 1646 gegen die Spanier. Als nach dem Tode Wilhelms II. (1650) die oranienfeindliche Partei die Politik bestimmte, trat er Anfang 1653 als Kammerherr in schwedische Dienste, wurde bald Oberst der Leibgarde, Oberkammerherr, Kriegsrat im Kriegskollegium. Er gehörte dem intimen Kreise der Königin Christine an, übte indessen keinen politischen Einfluß aus. Im schwedisch-polnischen Kriege verwundet, wurde er Gouverneur von Marienburg (1656), später (1658) Vizegouverneur des Herzogtums Bremen; zugleich vertrat er die Krone Schweden bei der Fürsteneinigung von Hildesheim. 1659 als General der Infanterie zum Gouverneur der besetzten dänischen Inseln Falster, Laaland und Möen ernannt, ist ihm fast ein Drittel der gesamten schwedischen Armee unterstellt. Nach dem Tode Karls X. Gustav wird D. nicht mehr ständig gemäß seinen Fähigkeiten verwandt. Zwar ist er 1660 noch als Mitglied der Kommission zur Heeresverminderung tätig und geht 1661 als Gesandter zum Kurfürsten von Brandenburg nach Kleve; doch erhielt er im September 1661 den Befehl, seine Regimenter aufzulösen, was faktisch das Ende seiner militärischen Tätigkeit bedeutete. Eine Ernennung zum Vizegouverneur von Pommern (1664) widerrief der Regentschaftsrat innerhalb von 14 Tagen. D. war von seinem „Fall“ schwer betroffen; charakteristisch ist der auf religiöse Betrachtung gestimmte Ton der Korrespondenz mit seinem Bruder Christian Albrecht, der ihn zu trösten suchte. Trotz allem lehnte D. wiederholte Angebote, in andere Dienste (unter anderem von Brandenburg, Kurpfalz und Hannover) zu treten, ab. Nur als er nach dem Tode Franz Graf Fuggers (1664) Generalissimus der deutschen Allianzarmee gegen die Türken werden sollte, suchte er um die Erlaubnis der vormundschaftlichen Regierung nach, die er aber nicht erhielt. Doch im schwedischen Kriege gegen die Stadt Bremen wird D. als|Feldmarschall-Leutnant der höchste Befehlshaber nächst dem Reichsfeldherrn C. G. Wrangel, den er auch während dessen Abwesenheit vom Kriegsschauplatz vertritt (1666 Feldmarschall).

    Vor die wichtigsten Aufgaben aber wird D. in den letzten anderthalb Jahren seines Lebens gestellt. Um die Jahreswende 1666/67 wird er als Botschafter zum Haag entsandt, wo er – unterstützt durch den schwedischen Residenten Appelboom – die Aufhebung der für Schwedens Handel ungünstigen „Elucidation“ zum Elbinger Traktat erreicht. Zugleich vermittelte D. als schwedischer Bevollmächtigter – zusammen mit Jöran Fleming – den Frieden zu Breda zwischen England und den Niederlanden (Juli 1667). Anschließend unterhandelte er – nach Flemings Tode allein – über einen Anschluß Schwedens an ein Bündnis der Seemächte. Die Stellung D.s war bei alldem äußerst schwierig, da im schwedischen Reichsrat das Tauziehen zwischen der franzosenfreundlichen und -feindlichen Gruppe andauerte und er keine eindeutigen Instruktionen erhielt. Er mußte vermeiden, daß Schweden seine traditionelle Freundschaft mit Frankreich aufs Spiel setzte, durfte jedoch auch Holland nicht zurückstoßen. Eine Erschwerung für seine Verhandlung lag schließlich in der schwedischen Forderung von Subsidien. Am 13.1.1668 unterzeichneten D. und Appelboom im Haag eine provisorische Akzessionsakte. Die noch ungelöste Subsidienfrage wurde weiteren Verhandlungen in London überlassen. Im selben Monat noch ging D. als Botschafter dorthin. In Westminster am 25.4.1668 trat D. im Namen Schwedens dem als „Tripelallianz“ bekannten Bündnis bei. In einem besonderen Vertrag erhielt er die Zusage einer Subsidienzahlung durch Spanien. – Seine militärischen und diplomatischen Fähigkeiten und Leistungen ließen noch viel von ihm erwarten, als er 39jährig starb.

  • Literatur

    Handlingar rörande Sverges historien, hrsg. v. A. Fryxell, I, IV, Stockholm 1836/43;
    F. F. Carlson, Sverges historia under kon. af pfalziska huset II, ebd. 1856, S. 280, 295, 297, 305 f.;
    Biogr. Woordenboek d. Nederlanden IV, Haarlem 1858, S. 146 f.;
    Siegmar D., Die Dohnas (s. o.) II, S. 35-52, 58 f., 77-81, 99-105, 126-45, 276-95 (mit Abdruck vieler Dokumente);
    Svenska män och kvinnor II, Stockholm 1944, S. 269 (P);
    Svenskt Biogr. Lex. 11, S. 326-33 (Qu., L, P);
    vgl. d. „Mémoires“ s. B Friedrich s. (6), S. 38 f., 155 ff., 230, 242 f., 253, 272.

  • Portraits

    Ölgem. (Fürst Wied, Schloß Runkel/Lahn);
    v. D. Klöcker v. Ehrenstrahl (Stockholm, Svea livgarde). – Grabmal v. Pieter Verbruggen d. Ä., 1687.

  • Autor/in

    Lothar Graf zu Dohna
  • Empfohlene Zitierweise

    Dohna, Lothar Graf zu, "Dohna, Christoph Delphicus von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 48 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135698111.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA