Lebensdaten
1888 bis 1958
Geburtsort
Ober-Baumgarten (Kreis Bolkenhain, Schlesien)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Jurist ; Rechtsphilosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116868155 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schönfeld, Walther
  • Schoenfeld, Walther
  • Schönfeld, Walter
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Zitierweise

Schönfeld, Walther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116868155.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Fritz, Pastor in O., später Lehrer am Friedrichsgymn. in Breslau;
    M Martha Matzke; Vorfahren Gregor Brück (1483–1557), Kanzler Friedrichs d. Weisen (s. NDB II), Lukas Cranach (1472–1553), Maler (s. NDB III);
    Greifswald 1926 Barbara (1904–2001), aus Aachen, T d. Karl August Leipoldt (1858–1905), aus Eickel (Kr. Bochum), Geh. Finanzrat, u. d. Anna Kulenkampff (* 1878, ⚭ Christoph Bosse, 1863–1950, Kurator d. Univ. Greifswald, 1903-08 Mitgl. d. Preuß. Abg.hauses, Kunsthist., Geneal., Geh. Oberreg.rat, s. Wi. 1935; NDB II*; Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus I, S d. Robert Bosse, 1832–1901, Konsistorialrat, Oberpräsidialrat in Hannover, Staatssekr. d. Reichsjustizamts, s. NDB II), aus Bremen;
    2 S, 2 T.

  • Leben

    Nach Besuch des Gymnasiums in Liegnitz und Strehlen (Abitur 1906) studierte S. Rechtswissenschaften in Göttingen, Leipzig und Breslau. Das 1. und 2. jur. Staatsexamen legte er 1909 und 1914 ab, 1911 wurde er in Breslau mit einer strafrechtlichen Arbeit promoviert. Nach Kriegsdienst 1914-18 war er 1919-21 in Berlin Assistent am Kirchenrechtlichen Institut von Ulrich Stutz, habilitierte sich 1921 in Breslau für Dt. Recht, Handelsrecht und Kirchenrecht und wurde 1922 nach Königsberg berufen, von wo er 1925 nach Greifswald wechselte. 1928-46 und wieder 1949-54 war er Professor für Dt. Recht, Kirchenrecht und Rechtsphilosophie in Tübingen. 1927-33 war S. Mitglied der DNVP, seit 1932 des Stahlhelm, der 1933 in die SA eingegliedert wurde, von wo S. in die Reiter-SA wechselte. Seit 1933 Mitglied des Bunds nationalsozialistischer Juristen, seit 1935 Vertrauensmann für den NS-Dozentenbund, trat er 1937 der NSDAP bei. Berufungen nach Leipzig (1934), Königsberg (1937) und Breslau (1943) lehnte er ab. 1945 wurde S. suspendiert und 1946 aus dem Beamtenverhältnis entlassen. 1945-47 studierte er ev. Theologie und war 1947-49 als Pfarrer tätig. Er bemühte sich aber mit Unterstützung durch Heinrich Mitteis (1889–1952) erfolgreich um seine frühere Professur.

    Neben rechtshistorischen und kirchenrechtlichen Arbeiten wandte sich S., der stets umfangreiches Bildungsgut verarbeitete, seit Mitte der 1920er Jahre besonders der Rechtsphilosophie zu. Unter Anlehnung an Hegels Philosophie und beeinflußt durch Gierke, postulierte er dabei die Überwindung des Dualismus von Rechtspositivismus und Jurisprudenz einerseits sowie Naturrecht und Rechtsphilosophie andererseits in einer „dt. Rechtswissenschaft“. Diese Position verband er nach 1933 mit einer enthusiastischen Unterstützung von Hitlers „Führertum“ (Zur ge|schichtl. u. weltanschaul. Grundlegung d. Rechts, in: Dt. Rechtswiss. 4, 1939, S. 201-21). Der Positivismus wurde von ihm auch unter Verwendung antisemitischer Formulierungen angegriffen (Die Gesch. d. Rechtswiss. im Spiegel d. Metaphysik, 1943). Forderungen, die Kategorie des subjektiven Rechts zu beseitigen, lehnte er entsprechend seiner dialektischen Auffassung ab (Der Kampf wider d. subjektive Recht, in: Zs. d. Ak. f. dt. Recht, 1937, S. 107-10). Nach 1945 dominiert, unter Beibehaltung der Trias von Rechtsphilosophie, Jurisprudenz und Rechtswissenschaft, in seinen Veröffentlichungen eine betont christliche Ausrichtung (Grundlegung d. Rechtswiss., 1951), mit der er auf Erik Wolf (1902–77) Einfluß hatte.

  • Auszeichnungen

    E. K. I; Dr. theol. h. c. (Tübingen 1952).

  • Werke

    Weitere W Die Teilnahme v. Zivil- u. Mil.personen an gemeinen u. mil. Delikten in strafrechtl. u. prozessualer Beziehung, Diss. Breslau 1911;
    Die Vollstreckung d. Verbürgungen v. Todes wegen im MA nach sächs. Qu., in: ZSRG 42, 1921, S. 240-379 (Habil.schr.);
    Die Xenodochien in Italien u. Frankreich im frühen MA, in: ZSRG 12, 1922, S. 1-54;
    Die jur. Methode im Kirchenrecht, Eine rechtstheoret. Auseinandersetzung mit Rudolph Sohm, in: Archiv f. Rechts- u. Wirtsch.philos. 18, 1924/25, S. 58-95;
    Die Rev. als Rechtsproblem, Ein Vortrag, in: AöR NF 12, 1927, S. 161-86;
    Die log. Struktur d. Rechtsordnung, 1927;
    Vom Problem d. Rechtsgesch., 1927;
    Über d. Begriff e. dialekt. Jurisprudenz, 1929;
    Puchta u. Hegel, in: K. Larenz (Hg.), Rechtsidee u. Staatsidee, Festgabe f. J. Binder, 1930, S. 1-62;
    Von d. Rechtserkenntnis, 1931;
    „Der Traum d. positiven Rechts“, in: Archiv f. d. civilist. Praxis 135, 1932, S. 1-66;
    Dt. Rechtsanschauung, in: Archiv f. Rechts- u. Soz.philos. 27, 1933/34, S. 463-79;
    Zur Kritik d. Positivismus, ebd. 28, 1914/35, S. 416-24;
    Das Rechtsbewußtsein d. Langobarden auf Grund ihres Edikts, Entwurf e. dt. Rechtslehre, 1934;
    Rechtsphilos., Jurisprudenz u. Rechtswiss., in: Zs. f. dt. Kulturphilos. 1, 1934/35, S. 61-90;
    Freiheit u. Persönlichkeit in d. Lebensanschauung d. dt. Volkes, ebd. 5, 1938/39, S. 47-75;
    Der dt. Idealismus u. d. Gesch., 1936;
    Vom Rechte, das mit uns geboren ist. Eine Rede, 1940;
    Über d. Gerechtigkeit, 1952;
    Mithg.:
    Archiv f. d. civilist. Praxis 1932-44;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.ar-chiv Tübingen.

  • Literatur

    E. Wolf, Das Problem d. Naturrechtslehre, 1955, S. 104 f.;
    G. K. Schmelzeisen, in: ZSRG 75, 1958, S. 582-89;
    G. Brun, Leben u. Werk d. Rechtshist. Heinrich Mitteis unter bes. Berücks. seines Verhältnisses zum NS, 1991, S. 157-61;
    Ch. M. Scheuren-Brandes, Der Weg v. Nat.soz. Rechtslehren z. Radbruchschen Formel, 2006, S. 83-128;
    Wi. 1935.

  • Autor/in

    Wolfgang Forster
  • Empfohlene Zitierweise

    Forster, Wolfgang, "Schönfeld, Walther" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 410-411 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116868155.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA