Lebensdaten
1889 bis 1989
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Genf
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
-
Normdaten
GND: 115539212 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schnitzer, Adolf Friedrich
  • Schnitzer, Adolf
  • Schnitzer, Adolf Friedrich
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Orte

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Zitierweise

Schnitzer, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115539212.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N.;
    N. N. ( v. 1989);
    2 T.

  • Leben

    S. studierte 1907-09 Rechtswissenschaften und politische Wissenschaften in Berlin und Freiburg (Br.). 1910 legte er das Referendarexamen ab, wurde im selben Jahr promoviert und 1914 Assessor. 1914-18 war er beim Amtsgericht und bei der Staatsanwaltschaft in Berlin tätig, 1918-33 war er Anwalt in Berlin, seit 1928 auch Notar. Im Juli 1933 emigrierte er in die Schweiz und lebte in Genf. Seit dieser Zeit wissenschaftlich tätig, war er Lehrbeauftragter an der Universität und am „Institut des Hautes Etudes Internationales“ in Genf sowie am „Institut für Rechtsvergleichung“ in Lyon (Frankreich). Er spezialisierte sich auf internat. Privatrecht und Rechtsvergleichung. 1935 erwarb er an der Univ. Genf den Docteur ès sciences politiques (Staats- u. Gebietshoheit, 1935).

    Nach dem 2. Weltkrieg wurde S. Rechtsberater in verschiedenen internat. nicht-gouvernementalen Organisationen (1946–48); 1948-52 wirkte er in der internat. Flüchtlingsorganisation und 1952-73 am europ. Sitz der UNO in Genf als Leiter des internat. Büros für die Toderklärung verschwundener Personen. Er nahm 1948-59 Lehraufträge an der Univ. Genf für internat. Privatrecht und Rechtsvergleichung wahr. An der internat. Fakultät für Rechtsvergleichung der Univ. Luxemburg lehrte er 1960-66 vergleichendes Familienrecht. Außerdem war er tätig als Rechtsgutachter und -berater.

    Sein „Handbuch des internat. Privatrechts“ (1937, 2 Bde., 41957/58) war über Jahrzehnte führend im dt.sprachigen Raum und wurde weltweit beachtet. Es war die erste große Darstellung des internat. Privatrechts auf einer rechtsvergleichenden Grundlage überhaupt; es verarbeitete die damaligen Entwicklungen in ganz Europa. Nord- und Lateinamerika sowie punktuell in afrikan. und asiat. Staaten und versuchte auf kritischer Analyse auch soziologischer, kultureller und wirtschaftlicher Aspekte aus einer übernationalen Sicht verallgemeinerungsfähige und praktikable Lösungen zu erarbeiten. Als einer der wenigen Autoren bezog S. schon damals auch prozeßrechtliche und materiell-privatrechtliche, nicht nur kollisionsrechtliche Gedankengänge ein. In zahlreichen dogmatischen Grundsatzfragen entwickelte er eigene Beiträge zum Fortschritt der Methode des internat. Privatrechts, etwa im Zusammenhang mit seinen Ausführungen zum Renvoi und mit seiner Lehre von der mehrstufigen Qualifikation. Weltweit berühmt wurde S. mit seiner Lehre von der Anknüpfung der Schuldverträge aufgrund der charakteristischen Leistung. Diese Regel – von der es auch teils von S. selbst entwickelte Ausnahmen gibt – wurde nicht nur in ganz Europa übernommen|(z. B. Art. 4 Abs. 2 des EWG-Übereinkommens über d. auf vertragl. Schuldverhältnisse anzuwendende Recht, 1980; Art. 117 d. schweizer. IPR-Gesetzes, 1987; alle geltenden nat. Gesetzgebungen in West- u. Osteuropa), sondern darüber hinaus auch in Nord- und Lateinamerika und den meisten außereurop. Staaten weitgehend befolgt. S.s „Vergleichende Rechtslehre“ (1945, 21961) ist eine großartige Gesamtsicht der Rechtsentwicklung, geschichtlich und vergleichend, zugleich die erste systematische Rechtsvergleichung im modernen methodologischen Verständnis.

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Genf 1965, Uppsala 1969); Ehrenmitgl. d. Monetary Law Comm. in d. Internat. Law Association; korr. Mitgl. d. Inst. f. internal. u. ausländ. Recht d. Univ. Athen u. d. rechtsvgl. Inst. d. Univ. Mexico; Gründungsmitgl. u. Vizepräs. d. Cercle des juristes internationaux, Genf (1959); Ehrenpräs. d. Inst. universitare de hautes études internationales, Genf; Gr. BVK (1979).

  • Werke

    Weitere W Hdb. d. internat. Handels-, Wechsel- u. Checkrechts, 1938;
    De la diversité et de l'unification du droit, Aspects juridiques et sociologiques, 1946;
    Die funktionelle Anknüpfung im internat. Vertragsrecht, in: FS f. Wilhelm Schönenberger, 1968, S. 396 ff.;
    Betrachtungen z. Gegenwart u. Zukunft d. Internat. Privatrechts, in: Rabels Zs. f. ausländ. u. internat. Privatrecht, 1974, S. 322 ff.

  • Literatur

    D. Pfaff, in: Außenwirtsch.dienst d. Betriebs-Beraters, H. 20, 1974, bes. S. 254;
    P. H. Neuhaus, Die Grundbegriffe d. internat. Privatrechts, 21976, bes. S. 188;
    Liber amicorum A. F. S., hg. v. d. Faculté de Droit de l'Université de Genève, 1979, bes. S. 531 (W. P);
    Göppingen I. Schwander, Einf. in d. Internat. Privatrecht, I. 32000. S. 79-81, II, 21998, S. 233-36.

  • Autor/in

    Paul Volken, Ivo Schwander
  • Empfohlene Zitierweise

    Volken, Paul; Schwander, Ivo, "Schnitzer, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 330-331 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115539212.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA