Lebensdaten
1832 bis 1919
Geburtsort
Eschlkam (Bayerische Wald)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Erzähler ; Dramatiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118608886 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt genannt Waldschmidt, Maximilian (seit 1898 Ehrenname)
  • Schmidt, Maximilian
  • Schmidt genannt Waldschmidt, Maximilian (seit 1898 Ehrenname)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schmidt, Maximilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608886.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adalbert (1791–1862), Hauptzollamtsverw. in Hof, S d. Alois (1762–1830), Baumeister in Kempten, u. d. Anastasia Klotz (1769–1840);
    M Karoline (1800–57), T d. Johann Jakob v. Karg (1749–1810), fürstäbtl. kempt. Hol- u. Kammerrat, u. d. Crescenzia Ehlich (1768–1806);
    München 1863 Auguste (1844–1908), T d. Augustin Haßlacher (1789–1858), Goldbortenfabr. in M.;
    5 K (2 früh †), 1 S Maximilian S. gen. W. (1867–1960), Oberstlt., 2 T Marie S. gen. W. (1865–1916), Amanda S. gen. W. (1880–1958);
    Ur-E Rolf S. gen. W. (Rolf W.) (* 1930), Dr. phil., RA in M. (s. Kosch, Lit.-Lex.3; L), Andreas S. gen. W., RA in M.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Klostergymnasiums in Metten sowie der Gewerbeschulen in Passau und Hof studierte S. seit 1848 am Polytechnikum in München. 1850 trat er in den bayer. Militärdienst ein und kam nach bestandenem Offiziersexamen 1853 als Situationszeichner in das topographische Büro des Generalstabs. Erste literarische Erfolge hatte er mit Lustspielen für das Liebhahertheater (u. a. Die Verlobung im Arrest, 1857) als Leutnant in Ingolstadt. 1859 erfolgte die Berufung als Erziehungsoffizier an das Kgl. Kadettenkorps in München, wo er mit der Inszenierung von Schwänken (u. a. Der Knopf im Sacktuch, UA 1861 im Hoftheater) die Gunst der kgl. Familie gewann. Nach Teilnahme an den Kriegen 1866 und 1870/71 nahm S. aus gesundheitlichen Gründen im Rang eines Hauptmanns seinen Abschied aus der Armee und lebte seitdem als freier Schriftsteller in München.

    S.s dichterisches Werk wurzelt in tiefer Heimatverbundenheit, wie seine Autobiographie „Meine Wanderung durch 70 Jahre“ (2 Bde., 1902) bestätigt. Inspiriert von Adalbert Stifters Beschreibung des Böhmerwalds, setzte S. mit seinen „Volkserzählungen aus|dem Bayer. Wald“ (4 Bde., 1863–68) der Landschaft seiner Herkunft ein literarisches Denkmal. In kraftvollen, detailgetreuen Erzählungen (z. B. Glasmacherleut, 1869, Neuausg. 1995), in denen die Sprache der „Waldler“ authentisch wiedergegeben wird, schildert er auch die sozialen Probleme des ländlichen Lebens. Die oft in den Text eingeflochtenen Lieder, Sagen und Legenden verleihen S.s Erzählungen kulturhistorischen Wert.

    Dem böhm. Nachbarland sind „Kulturbilder“ wie „Der Herrgottsmantel“ (1882, tschech. 1897) oder „Hančička das Chodenmädchen“ (1893, Neuausg. 1998, tschech. 1896) gewidmet. Gleichsam zum Volkslied des bayer.-böhm. Grenzgebirges wurde das von S. entdeckte und verbreitete Lied „Tief drin im Böhmerwald“, das er in der Erzählung „Am Goldenen Steig“ (1893, Neuausg. 1998) veröffentlichte. In der Tradition von Franz v. Kobell, Ludwig Steub und Karl Stieler sind die „Hochlandsgeschichten“ (u. a. Die Blinde v. Kunterweg, 1883; Der Musikant v. Tegernsee, 1886) Zeugnisse der literarischen Entdeckung der Alpen. Erfolgreich war S. zeitlebens auch als Bühnenautor. Seine Bauernstücke (u. a. Das Austragsstüberl, 1882) beherrschten die Münchner Volksbühne am Gärtnerplatz, z. T. fanden sie auch in Rußland und Amerika Beifall.

    S., der sich selbst als Volksschriftsteller und Volkserzieher verstand, gehörte zu den bekanntesten und beliebtesten Vertretern volkstümlicher Erzählkunst im Bayern des 19. und frühen 20. Jh. Über seine literarische Arbeit hinaus war er auf vielfältige Weise bemüht, seiner Geburtsheimat zu größerer Aufmerksamkeit zu verhelfen. 1890 gründete er den „Landesverband zur Hebung des Fremdenverkehrs“, 1895 organisierte er das erste historische Volkstrachtenfest in München, das Vorbild des heutigen Trachtenfestzugs beim Münchner Oktoberfest.

  • Auszeichnungen

    bayer. HR (1884); Waldschmidt-Ver., Eschlkam (1984); Waldschmidt-Bühne, ebd. (seit 2004); Waldschmidt-Preis (jährl. seit 1985).

  • Werke

    Ges. Werke, 34 Bde., 1898-1910;
    Autobiogr.
    in: Geistiges u. künstler. München in Selbstbiogrr., hg. v. W. Zils, 1913;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bayer. Staatsbibl., München.

  • Literatur

    Rolf Schmidt gen. Waldschmidt, M. S. gen. W. im Spiegel d. Presse, Diss. München 1955;
    ders., Auf d. Spuren des Waldschmidt, Erinnerungsbd. z. 150. Geb.tag v. M. S. gen. W., 1982, (Verz. d. Auszeichnungen, W, P);
    H. Rösel, Grenzlandschaften, Sujets dichter. Gestaltung b. Alois Jirásek u. M. S., 1982;
    L. Stockinger, in: Ostbair. Grenzmarken 25, 1983, S. 224-57;
    E. Dünninger, „Tief drin im Böhmerwald“, Aus d. Leben u. Werk v. M. S. gen. W., in: Bayerland 1985, H. 4, S. 48-52 (P);
    W. Baumann, Die Choden, unsere Nachbarn, Zu e. Kulturbild M. S.s gen. W., in: Btrr. z. Gesch. im Lkr. Cham 2, 1985, S. 255-80;
    P. Dietl, Der Volksschriftst. M. S., 1980;
    G. Bauernfeind, M. S. gen. W., Führer d. Waldschmidt-Ausst. Eschlkam, 1987 (P);
    H. Seitz, Berühmten Leuten auf d. Spur, 1988, S. 200-06;
    H. Kreutzer, Ein Maler mit d. Feder, in: Lit. in Bayern 52, 1998, S. 2-9, 26-29 (P);
    B. Setzwein, in: Unser Bayern 48, 1999, S. 84-86 (P);
    D. Heißerer, Wellen, Wind u. Dorfbanditen, Lit. Erkundungen am Starnberger See, 1999, bes. S. 141-48, 202-06;
    A. J. Weichslgartner, Schreiber u. Poeten, Schriftst. aus Altbayern u. Schwaben im 19. Jh., 2001, S. 84-88;
    DBJ II. Tl.;
    Biographisches Lexikon Passau;
    Bosl;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L).

  • Portraits

    Ölgem., um 1900 (Eschlkam, Waldschmidt-Ausst. im Gasthof „Zur Post“);
    Denkmal auf d. Riedelstein, 1909 (Lkr. Regen).

  • Autor/in

    Manfred Knedlik
  • Empfohlene Zitierweise

    Knedlik, Manfred, "Schmidt, Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 206-207 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608886.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA