Lebensdaten
1860 bis 1944
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Gotha
Beruf/Funktion
Geophysiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 104085614 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt, Adolf Friedrich Karl
  • Schmidt, Adolf
  • Schmidt, Adolf Friedrich Karl
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Zitierweise

Schmidt, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104085614.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich, Ing.;
    M Mathilde Eckstein;
    4 Geschw;-ledig.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung an einer Breslauer Oberrealschule nahm S. 1878 das Studium der Mathematik und Physik, daneben Englisch und Französisch an der dortigen Universität auf. 1882 erfolgte die Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation „Über die Theorie der Cremona Transformationen, speziell derer vierter Ordnung“. Zusätzlich erlangte S. die Lehrbefähigung für die Oberstufe der Gymnasien für Mathematik, Physik, Englisch und Französisch. Seit 1885 war er Oberlehrer und Professor am Gymnasium Ernestinum in Gotha und studierte daneben Geophysik an der dortigen Universität. 1902 wurde er als Nachfolger von Max Eschenhagen (1858–1901) zum Leiter des Meteorologisch-Magnetischen Observatoriums Potsdam berufen. 1907 erfolgte die Ernennung zum Honorarprofessor für Geophysik an der Univ. Berlin. Seit 1917 litt S. unter zunehmendem Verlust seines Augenlichtes, seit 1922 war er praktisch blind. Nach seiner Versetzung in den Ruhestand 1928 kehrte er nach Gotha zurück und lebte dort bis zu seinem Tod.

    Schon als Student hatte sich S. mit Geophysik beschäftigt (Auswertung geomagnet. Beobachtungen während d. 1. Internat. Polarjahres 1882/83). In seiner Zeit als Gymnasiallehrer in Gotha entstanden grundlegende Arbeiten, die sich mit der Neuberechnung des geomagnetischen Potentials zur Epoche 1885 befaßten und internationale Aufmerksamkeit erweckten. Arthur Schuster (1851–1934) hielt sie für die bedeutendsten Arbeiten im Bereich des Erdmagnetismus seit Gauss und veranlaßte 1898 die Einladung von S. zur „International Conference on Terrestrial Magnetism and Atmospheric Electricity“ in Bristol. Als Leiter des Potsdamer Observatoriums entwickelte sich S. vom hervorragenden Theoretiker zum bedeutenden Experimentator. Für die Arbeit an erdmagnetischen Observatorien konstruierte er den „Schmidtschen Normaltheodolit“ und die „Schmidtsche Feldwaage“ zur Messung der magnetischen Mißweisung bzw. der vertikalen und horizontalen Komponente des Erdmagnetfeldes. Die von ihm entwickelten Magnetographen mit Filmregistrierung wurden zum weltweiten Standard, seine Feldwaage bedeutendstes Instrument in der Erkundung lokaler erdmagnetischer Anomalien zur Erzprospektion. 1928 verlegte S. den gesamten geomagnetischen Beobachtungsdienst von Potsdam nach Niemegk am Flämling (Kr. Potsdam), da durch die Elektrifizierung der Berliner Vorortbahn in Potsdam Präzisionsmessungen unmöglich wurden. Er beteiligte sich mit der Auswertung des erdmagnetischen Beobachtungsmaterials auch noch aktiv am „2. Polarjahr“ 1932/33. Auf seine Anregung hin wurde hier das noch heute bestehende „Adolf-Schmidt-Observatorium für Erdmagnetismus“ errichtet und an seinem 70. Geburtstag eingeweiht. Unter S. wurde Potsdam zu einem international führenden Zentrum erdmagnetischer Forschung.

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (Berlin-Charlottenburg); Geh. Reg.rat; Mitgl. d. Internat. Comm. for Turrestrial Magnutism and Atmospheric Electricity (1898); Tit.-Prof. (1898); Mitgl. d. Leopoldina (1910), d. Ak. d. Wiss. in Berlin (korr. 1929), Göttingen (1917, ausw. 1925) u. Christiania, Oslo; Ehrenmitgl. d. Dt. Geophysikal. Ges. (1929); Adlerschild.

  • Werke

    Math. Entwicklungen z. allg. Theorie d. Erdmagnetfeldes, in: Archiv Seewarte 12, Nr. 3, 1889;
    Dermagnet. Zustand d. Erde z. Epoche 1885. o, analyt. dargest., ebd. 21, Nr. 2, 1898;
    Mitt. über e. neue Berechnung d. erdmagnet. Potentials, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 19, 1895, S. 1-66;
    Die Verteilung d. erdmagnet. Potentials in Bezug auf beliebige Durchmesser d. Erde, in: Terrestrial Magnetism 1, 1896, S. 18-27;
    Über d. gegenseitige Einwirkung zweier Magnete in beliebiger Lage, ebd. 17, 1912, S. 181-232, 18, 1913, S. 65-70;
    Ein Lokalvariometer f. d. Vertikalintensität, in: Veröff. d. Meteorolog. Inst. Potsdam 284, 1915, S. 109-34, 290, 1919, S. 87-106;
    Eine photograph. Registriereinrichtung mit weiter Zeitskala b. sparsamem Papierverbrauch, ebd. 335, 1926, S. 38-45;
    Ein neuer magnet. Normaltheodolit, in: Zs. f. Instrumentenkunde 48, 1928, S. 1-14;
    Hg.:
    Archiv d. Erdmagnetismus, 1903-28.

  • Literatur

    A. Nippoldt, in: Die Naturwiss. 18, 1930, S. 677 f.;
    ders., in: FF 6, 1930, S. 282 f.;
    J. Bartels, in: Terrestrial Magnetism and Atmospheric Electricity 51, 1946, S. 439-47;
    G. Fanselau, in: Btrr. z. angew. Geophysik 8, 1939, S. 443 f.: ders., in: FF 16, 1940, S. 234;
    ders., in: Zs. f. Geophysik 16, 1940, S. 101 (P);
    ders., in: Physikal. Bll. 17, 1961, S. 326 f.;
    ders., in: Veröff. d. Zentralinst. f. Physik d. Erde 70, 1981, S. 24-28;
    H. Roob u. P. Schmidt, in: Veröff. d. Forschungsbibl. Gotha, 24, 1985;
    A. Best, in: GFZ Proceedings 1995, S. 5-14;
    ders., in: Zur Gesch. d. Geophysik in Dtld. (FS Dt. Geophysikal. Ges.) 1997, S. 38-42;
    Wi. 1935;
    Pogg. IV-VII a.

  • Autor/in

    Martin Beblo
  • Empfohlene Zitierweise

    Beblo, Martin, "Schmidt, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 175-176 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104085614.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA