Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Bankiersfamilie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139805141 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt

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Zitierweise

Schmidt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139805141.html [20.04.2024].

CC0

  • Biographie

    1828 eröffnete der Kaufmann Christian Karl Matthäus (1806–75), dessen Vorfahren in Wunsiedel als Tuchmacher tätig waren, dort ein Spezereiwarengeschäft, einen Handel mit wild wachsenden Heilkräutern aus dem nahen Fichtelgebirge sowie 1842 den Vertrieb von in der Region erzeugten Nägeln und Eisenwaren. Seit 1832 unternahm er auch Geld- und Wertpapiergeschäfte. Er hinterließ einen umfangreichen Immobilien- und Effektenbesitz sowie ein Barvermögen von fast 150 000 fl. Der Sohn Gottlieb Wilhelm (1831–92), der in Regensburg eine kaufmännische Lehre absolvierte und anschließend beim Nürnberger „Bankhaus Lödel & Merkel“ als Buchhalter wirkte, erweiterte nach dem Eintritt in die „Karl Schmidt OHG“ 1860 v. a. das Bankgeschäft und bekleidete bis zu seinem Tod zahlreiche Ehrenämter seiner Heimatstadt.

    Der Enkel Karl (1860–1949), der bis 1892 in mehreren in- und ausländischen Waren- und Speditionsgeschäften berufliche Erfahrungen sammelte, steigerte den Großhandel mit medizinischen Vegetabilien durch Importe aus Spanien, Rußland und Übersee. Gleichzeitig intensivierte er im Zuge der Industrialisierung durch Kredite an die im Geschäftsbezirk ansässige klein- und mittelständische Stein-, Porzellan-, Textil- und Holzindustrie das Bankgeschäft, zwischen 1893 und 1914 errichtete er 28 Niederlassungen im nordostbayer. Raum. 1905 verlegte er den Firmensitz von Wunsiedel nach dem verkehrsmäßig|zentraler gelegenen Hof/Saale. Aufgrund einer Kapitalaufstockung gehörte seit 1907 der aus Kulmbach stammende Albert Theodor Kispert (1866–1928) als geschäftsführender Teilhaber dem Unternehmen an, dessen Nachfahren der Bank dauerhaft als Familienkomplementäre verbunden blieben.

    Der Urenkel des Firmengründers, Wilhelm (1892–1958, s. Klimesch), trat nach einem 1919 mit der Promotion beendeten Jurastudium und einer anschließenden Praxis bei Großbanken in München und Berlin 1923 in das mittlerweile auf das Bankgeschäft konzentrierte Unternehmen ein. Er übernahm 1936 das „Privatbankhaus M. Siml“ in Bruck (Oberpfalz) und erweiterte das Filialnetz des „Bankhauses Karl Schmidt“ bis 1939 auf 56 Niederlassungen mit einer Bilanzsumme von 35 Mio. RM.

    Nach dem 2. Weltkrieg expandierte das Bankhaus unter der Leitung des seit 1962 mit der Geschäftsführung beauftragten Sohnes von Wilhelm, Karl Gerhard (* 1935), der nach einem 1958 mit der Promotion abgeschlossenen Studium der Volkswirtschaft eine Bankpraxis in Deutschland und den USA durchlaufen hatte. Er realisierte eine stetige Erweiterung des Filialnetzes und die Übernahme weiterer Privatbanken (in Nürnberg: Bankhaus Walk & Grün, 1958; Bankhaus Hagenbauer, 1964; Kupfer-Bank KG, 1977; in Viechtach: Bankhaus Fidel Schub, 1967). Mit 90 Niederlassungen, über 1100 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von über 3 Mrd. DM (mit Spareinlagen von über 1,4 Mrd. DM) im Geschäftsjahr 1988 galt die Hofer Regionalbank in ihrem nordostbayer. Wirkungsfeld als privat geführte Sparkasse und als wichtiger Kreditgeber für die klein- und mittelständische Wirtschaft.

    Seit 1990 verfolgte das Unternehmen, das 1992 ohne Änderung der Familiengesellschafterstruktur in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (SchmidtBank KGaA) umgewandelt wurde, eine massive Expansion durch den Aufbau von Filialen in den Bundesländern Sachsen und Thüringen, die Gründung von in- und ausländischen Tochterunternehmen (v. a. Investmentgesellschaften) sowie den Erwerb der „Thurn und Taxis-Bank“ in Regensburg 1992. Mit 2300 Mitarbeitern, 140 Niederlassungen und einer Bilanzsumme von über 16 Mrd. DM im Geschäftsjahr 2000 rückte die Schmidt-Bank unter der Leitung von Karl Gerhard, der sich stark in der Kulturförderung seiner oberfränk. Heimat engagierte, zur zweitgrößten unabhängigen Privatbank in Deutschland (nach Sal. Oppenheim in Köln) auf. Sein Sohn Karl Matthäus (* 1969) gründete nach einem Studium der Volkswirtschaft in Nürnberg 1994 das Tochterunternehmen „ConSors Discount-Broker“, das er 1999 an die Börse brachte und das im Jahr darauf mit einer Marktkapitalisierung von über 5 Mrd. DM vorübergehend zum europ. Marktführer bei elektronischen Finanzdienstleistungen aufstieg.

    Der Erfolg der Nürnberger Konzerntochter verdeckte die strukturellen Probleme der Hofer Muttergesellschaft. Die von der Schmidt-Bank eingegangenen hohen Risiken im Kreditgeschäft und in Ostdeutschland sowie der Absturz der Consors-Aktie brachten das Unternehmen an den Rand des Zusammenbruchs. Im Nov. 2001 übernahm ein Bankenpool aus den vier großen dt. Geschäftsbanken und der Bayer. Landesbank das Kreditinstitut mit einem geschätzten Sanierungsbedarf von 1,5 Mrd. Euro und bewältigte damit die bislang teuerste Krise der bundesrepublikanischen Bankengeschichte. Im Zuge der Abwicklung erfolgte 2002 der Verkauf der Consors-Beteiligung an den Pariser Finanzkonzern „BNP Paribas“ und danach die Schließung der Hofer Zentrale und der Hälfte der Bankniederlassungen. 70 Filialen der aufgelösten Schmidt-Bank übernahm 2004 die Frankfurter „Commerzbank AG“.

  • Literatur

    (jeweils mit P zu einzelnen Fam.mitgll.) Wilhelm Schmidt, 100 J. Karl Schmidt Bankgeschäft 1828-1928, FS z. 26. Febr. 1928, 1928;
    ders., 125 J. Karl Schmidt Bankgeschäft 1828-1953, Eine FS f. d. Kunden unseres Hauses, 1953;
    Werner Schmidt, 150 J. SchmidtBank 1828-1978, 1978; |

  • Quellen

    Qu Firmenunterlagen im Bayer. Wirtsch.archiv München (F 94).

  • Autor/in

    Richard Winkler
  • Zitierweise

    Winkler, Richard, "Schmidt" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 164-165 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139805141.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA