Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Schweizer Industriellenfamilie
Konfession
-
Normdaten
GND: 118805010 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidheiny

Verknüpfungen

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Zitierweise

Schmidheiny, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805010.html [19.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die Familie ist ansässig in der Gemeinde Balgach (St. Gallen) und St. Gallen, eingebürgert seit 1860. Der Name tritt 1440 im Toggenburg auf; in Balgach ist er seit 1533 nachweisbar.

    Der Stammvater Jacob (I) (1838–1905), Sohn eines Balgacher Kleinbauern und Schneidermeisters, selbst gelernter Weber, der zuvor eine kleine Weberei in der Weiersegg bei Balgach betrieb, kaufte 1867 Schloß Heerbrugg (Kt. St. Gallen), zu dem eine kleine Ziegelei gehörte. Er modernisierte und vergrößerte diesen Betrieb und erbaute weitere Ziegeleien (Espenmoos, Kronbühl, Horn) im Kt. St. Gallen, wobei er auch selbst wichtige technische Verbesserungen im Produktionsprozeß entwickelte („dreifacher Kollergang“). 1902 traten seine Söhne Ernst (I) (1871–1935) und Jacob (II) (1875–1955) als Partner in die Firma „Jacob Schmidheiny und Söhne“ ein. Seit 1903 war Jacob Präsident des Verbandes Schweizerischer Ziegler. Nach seinem Tod bauten die beiden Brüder die Ziegeleibetriebe unter dem Namen „Jacob Schmidheinys Söhne“ weiter aus. Ernst, Kaufmann, seit 1904 auch initiativ in der regionalen Elektrizitätswirtschaft (1905 „Bodensee-Thurgau AG“, seit 1914 „Aktiengesellschaft der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke“, Verw.ratsvizepräs. 1914–24), erweiterte seine Tätigkeit in den Zement-Bereich, 1906 gründete er die „Rheintal. Cementfabrik Rüthi AG“, 1910 kam maßgeblich auf seine Initiative die „Eingetragene Genossenschaft Portland“ zustande. 1912 entstanden durch Fusionen die „Zürcher Ziegeleien“, wo Ernst bis 1925, zuletzt als Vizepräsident des Verwaltungsrats, tätig war. 1914 beteiligte er sich an der 1912 gegründeten „Aargau. Portlandcementfabrik AG Holderbank-Wildegg“ durch Fusion mit der Cementfabrik Rüthi und trat in ihren Verwaltungsrat ein (1921 Präs.), er war seit 1914 auch Verwaltungsratsmitglied der „Schweizer. Cement-Industrie-Gesellschaft Ennenda“. 1911-19 war Ernst Nationalrat, 1915-17 Leiter des eidgenöss. Kompensationsbüros und bis 1918 Unterhändler für Handelsverträge. 1920 übernahm er mit Jean Baer, Direktor der 1903 gegründeten „Schweizer. Eternit-Werke AG“ in Niederurnen, deren Aktienmehrheit und war 1929 Mitgründer der „Internat. Asbestzement AG“. 1930 wurde die Fabrikation und Holdingfunktion der unter Ernsts Präsidentschaft ebenfalls international (u. a. nach Ägypten) stark expandierten Holderbank getrennt in die „Cementfabrik Holderbank Wildegg AG“ und die Finanzgesellschaft „Holderbank Financière Glarus AG“. Ernst, der auch an zahlreichen Wohltätigkeitsprojekten in seiner Heimatregion beteiligt war, starb 1935 bei einem Flugzeugunfall in der Sinai-Wüste. Jacob (II) (Dipl.-Ing. ETH Zürich 1899) weitete seine Tätigkeiten neben der Beteiligung an den unter seiner Führung ständig expandierenden Ziegeleien (seit 1907 alleiniger Gesellschafter d. väterl. Untern., nun „Jacob Schmidheiny & Co.“,|1933-55 Verw.ratspräs. d. Zürcher Ziegeleien) in neue Bereiche aus: 1921 gründete er zusammen mit Heinrich Wild und Robert Helbling die „Heinrich Wild, Werkstätte für Feinmechanik und Optik“, Heerbrugg, die 1923 in eine AG umgewandelt wurde. 1924 beteiligte sich Jacobs Bruder Ernst, Jacob war Verwaltungsratspräsident bis 1954. 1936 übernahm Jacob die Aktienmehrheit der Maschinenfabrik „Escher Wyss AG“, deren Verwaltungsratspräsident er 1937-53 war (Dr. h. c. ETH Zürich 1945). Er war Oberst und Artilleriechef eines Armeekorps.

    Die Söhne Ernsts (I), Ernst (II) (1902–85) und Max (1908–91) vergrößerten das Erbe ihrer Vorfahren. Ernst (II), ausgebildeter Kaufmann, war neben seinem Engagement bei den Zement- und Asbest-Beteiligungen (u. a. Verw.ratspräs. d. Cementfabrik Holderbank 1947-74 u. d. Holderbank Financière 1955–74) Verwaltungsrat der „Schweizer. Bankgesellschaft“ (SBG) (Vizepräs. 1966–74) und der „Swissair“ (Präs. 1958–65). 1972 gründete er die „Ernst Schmidheiny Stiftung zur Förderung des Interesses und Verständnisses in der Öffentlichkeit für die wirtschaftlichen Zusammenhänge im Rahmen der freiheitlichen Marktwirtschaft“ (Dr. sc. économiques h. c. Genf 1968). Max (Dipl.-Ing. ETH Zürich 1931) saß nach 1935 in verschiedenen Verwaltungsräten (u. a. Eternit, Niederurnen; Eternit AG Berlin, stellv. Vorsitz 1940, Vorsitz 1948–80; Gipsunion, 1936; Landis & Gyr, Zug; Schweizer. Bundesbahnen). Er baute das Engagement seines Vaters in der Zement- und Eternitindustrie im arab. Raum (v. a. Libanon u. Ägypten) in den 1930er bis 1950er Jahren aus (Commandeur de l'Ordre du Cèdre 1969). In der Wild-Heerbrugg AG war er Vizepräsident (1935–54) und Präsident (1954–83) des Verwaltungsrats. Er baute die „Brown, Boveri & Cie.“, Baden (BBC), (Verw.rat 1962–80, Präs. 1966–70) zum Weltkonzern aus und initiierte 1967 die Fusion von BBC und der „Maschinenfabrik Oerlikon“ (MFO). Er war Nationalrat 1959–63, Dr. phil. h. c. (Basel 1952), Dr. rer. oec. h. c. (St. Gallen 1967) und Träger der Ernst-Reuter-Plakette (1980). 1977 setzte er sich tatkräftig für die Renovierung, den Wiederaufbau und die Ausgestaltung der Kartause Ittingen (Kt. Thurgau) ein. Max war Gründer der „Adda-Marietta-Schmidheiny-Stiftung“ zugunsten des Schanfigger Dorfes Pagig, 1978 der „Max Schmidheiny Stiftung“ an der Hochschule St. Gallen und war bekannt als Kunstsammler. Der Sohn von Jacob (II), Peter (1908–2001) (Dipl.-Ing. ETH Zürich 1932), bewohnte als letzter das Schloß Heerbrugg (Verkauf 2005). Er war seit 1939 Direktor der hydraulischen Abteilung der Escher Wyss, anschließend hatte er die Gesamtleitung, 1953-71 war er Präsident, bis 1981 Verwaltungsratspräsident der Escher Wyss, deren Zusammenschluß mit der „Gebr. Sulzer AG“ er in mehreren Schritten 1966-69 betrieb. 1969 wurde als Gemeinschaftsunternehmen der BBC-MFO und der Escher-Wyss-Sulzer AG die „Turbomaschinen AG Zürich gegründet, deren Präsident Peter war. Daneben war er Verwaltungsratsmitglied der Schweizer. Kreditanstalt (1950–78), von Wild-Heerbrugg (Vizepräs. 1955-83), der MFO (1954–67) und der „Gebrüder Sulzer AG“ (1967-82), Präsident der Zürcher Ziegeleien (1955–84) und seit 1946 Vorstandsmitglied des „Vereins Schweizer. Maschinen-Industrieller“. Die vierte Generation, Jacob (III) (* 1943), Sohn von Peter, sowie Thomas (* 1945) und Stephan (* 1947), Söhne von Max, teilte die Unternehmensbereiche auf, während der jüngste Sohn von Max, Alexander (1951–92) das Weingut Cuvaison in Kalifornien betrieb. Jacob (III.) (Lic. Wirtsch.wiss. Univ. Zürich 1971) übernahm von seinem Vater den Ziegeleibereich (1978–2001 Leitung der Zürcher Ziegeleien, heute Conzzeta Holding), 1996-99 wurden die Ziegeleigeschäfte verkauft. 1983-90 war er Vizepräsident der Gruppe Wild-Leitz Heerbrugg, 1993 initiierte er die Übernahme der Toko AG. Thomas (Dipl.-Ing. ETH Zürich 1969) widmet sich der Baustoffbranche, die „Holderbank“ (1992 Holderbank Cement u. Beton AG, 2001 Holcim Ltd.) wurde unter seiner Leitung (1978–2003) zum weltweit führenden Baustoffhersteller. 1984-89 leitete er zusätzlich die Wild Heerbrugg AG und deren Tochter Leitz, die 1988 die „Kern & Co. AG, Aarau“ übernahm. 1989 übernahm er die Gips-Union und die Eternit AG von seinem Bruder Stephan. Auch Thomas ist Kunstsammler (Dr. h. c. Tufts Univ. Massachusetts 1999). Stephan (Dr. iur. 1972) hatte seit 1976 die Gesamtleitung der Eternit-Gruppe, die 1989 an Thomas ging. Stephans Industriebeteiligungen wurden aufgeteilt in „Unotec“ (Landis & Gyr AG, Leica, SMH und BBC/ABB), „Nueva““(Stahl, Kunststoff, Faserzement) und „Anova“ (Handel u. Immobilien). Er war auch Verwaltungsrat bei SBG, Nestlé und ABB und engagierte sich aktiv im Umweltschutz; 1992 war er im Auftrag der UNO Präsident des „Business Council for Sustainable Development“. 2003 brachte Stephan das Unternehmen „Grupo Nueva“ in den „Viva Trust“, Costa Rica, ein, der nachhaltige, umweltgerechte wirtschaftliche Entwicklung in Lateinamerika unterstützen soll. Die 1994 gegründete „Avina-Stiftung“ fördert Entwicklungsprojekte v. a. in Lateinamerika. Stephan ist ebenfalls als Kunstsammler bekannt.

  • Werke

    zu Max: Die schweizer. Cementind., 1956;
    Die schweizer. Erdölforsch., Eine Aufgabe unserer Zeit, 1959;
    Zus.arb. in d. Entwicklungshilfe auf privatwirtschaftl. Ebene, 1961;
    Aufgabe u. volkswirtschaftl. Bedeutung e. Investitionsrisiko-Garantie, 1967;
    Untern.konzentration in der Ind., 1968;
    zu Stephan:
    Die Schweiz im Wettbewerb d. Nationen, 1989;
    Kurswechsel, Globale Unternehmer. Perspektiven f. Entwicklung u. Umwelt, 1992, 51992;
    Finanzierung d. Kurswechsels, Die Finanzmärkte als Schrittmacher d. Ökoeffizienz, 1996 (mit F. Zorraquín);
    Walking the talk, The business case for sustainable development, 2002 (mit Ch. O. Holliday u. Ph. Watts);
    - zu Thomas: Die Schweiz am Scheideweg, 1990.

  • Literatur

    H. O. Staub, Von S. zu S., Schweizer Pioniere d. Wirtsch. u. Technik Nr. 61, 1994 (P);
    Jost Schmid, in: Rheintaler Köpfe, 2004, S. 316-22 (P); – zu Max:
    P. Eisenring u. a. (Hg.), Spectrum 2000, FS z. 60. Geb. v. M. S., 1968;
    Ferdinand Hodler, Slg. M. S., Kunstmus. d. Kt. Thurgau Kartause Ittingen, 19. Juni – 27. Aug. 1989, Kat. d. Gem., bearb. v. M. Baumgartner, 1989;
    zu Thomas:
    Ferdinand Hodler, Slg. T. S., hg. v. Schweizer. Inst. f. Kunstwiss. anläßl. d. Ausst. Univ. St. Gallen 8. Mai- 20. Juni 1998, 1998.

  • Autor/in

    Urs Widmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Widmer, Urs, "Schmidheiny" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 158-160 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805010.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA