Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Industriellenfamilie ; Wein- und Sektfabrikanten
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119327465 | OGND | VIAF: 37724141
Namensvarianten
  • Schlumberger

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Schlumberger, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119327465.html [26.05.2024].

CC0

  • Biographie

    Die Familie stammt aus dem schwäb. Raum bei Ulm, wo erstmals 1438 ein Hanns Schlumpperger urkundlich erwähnt wird. 1542 erhielten die Brüder Hanns und Christoph Schlumperger einen ksl. Wappenbrief, 1592 wurden die Brüder Hans, Jakob und Abraham sowie ihr Vetter Martin Schlumperger in den Reichsadelsstand erhoben. 1545 wird Claus in Setzingen, 1547 werden die Brüder Georg und Christian in Öllingen bei Langenau erwähnt. Die Familie trat zur Reformation über und siedelte sich um 1547 auch in Mülhausen (Elsaß) an. Familienmitglieder waren tätig im Handwerk und im Stadtrat, die Familie stellte in den folgenden 200 Jahren mehrere Räte und Bürgermeister. Sie spielte eine führende Rolle bei der Industrialisierung der Stadt und verbreitete sich dann zuerst in anderen oberelsäß. Städten, im 19. Jh. in Österreich, im 20. Jh. in Frankreich und den USA.

    Georg Jacob (1733–1811), zuerst Tuchmacher in Mülhausen, trat 1764 hier in das Textilunternehmen „Heilmann-Blech und Cie“, seit 1793 „Blech, Schlumberger & Cie“, ein, wo er sehr schnell Hauptleiter wurde. Sein Bruder Peter (1750–1830) gründete 1819 die Manufaktur „Schlumberger, Grosjean und Cie“; Ahnherr von sieben Generationen Industrieller, hinterließ er ein großes Vermögen und ließ sich betiteln als „S. v. Löwenfels“. Sein Vetter Daniel (1764–1827) gründete eine Indiennemanufaktur, eine Baumwollweberei und -Spinnerei und war Mitbegründer der ersten Freimaurerloge in Mülhausen (Perfekte Harmonie).

    In der 2. Generation war Isaac (1761–1815), Sohn Georgs, Leiter des väterlichen Unternehmens und Mitunterzeichner des Angliederungsvertrags der Stadt an Frankreich|(1798). Die Brüder Jacob (1777–1861) und Hartmann (1780–1868), Söhne Peters, leiteten die väterliche Manufaktur. Ihr Bruder Nicolas (1782–1867) gründete 1810 ein Unternehmen zur Herstellung von Textilmaschinen in Gebweiler (Guebwiler), das Weltruf erreichte und heute noch als „Nicolas Schlumberger & Cie“ besteht. Nicolas gelangen viele technische Erfindungen, durch ihn wurde Gebweiler zu einem Industriezentrum. Er förderte ev. Institutionen (Diakonat) und war Gründer der Gebweiler Linie der Familie S. Sein Bruder Daniel (1788–1840) war sein wichtigster Teilhaber und zehn Jahre lang Bürgermeister von Gebweiler. Jean-Georges (1788–1847) aus einer weiteren Linie der Familie in Mülhausen, war Leiter der von seinem Schwiegervater gegründeten Baumwollweberei „Schlumberger-Steiner & Cie“ in Mülhausen mit seinem Bruder Pierre (1794–1845), der später die Linie von Rappoltsweiler (Ribeauvillé) gründete und dessen Sohn Camille (1831–97) 1880-96 Bürgermeister von Colmar war.

    In der dritten Generation wurde Isaac (1792–1866) Nachfolger seines Vaters Isaac in der nun „Isaac Schlumberger und Cie“ genannten Indiennemanufaktur. Er war 1826 einer der Gründer und erster Vorsitzender der „Industriellen Gesellschaft“ in Mülhausen. Jules (Julius) Albert (1804–92) wandelte das Unternehmen seines Großvaters Pierre um in „Schlumberger Fils et Cie“, eines der größten im Elsaß mit 2500 Arbeitern 1892; er war 42 Jahre Vorsitzender der Handelskammer von Mülhausen. Henry (1817–76), Sohn von Nicolas, vergrößerte das Unternehmen seines Vaters in Gebweiler, wo er 1859-70 auch Bürgermeister war, erheblich. Sein Bruder Jean (Johann v. S., preuß. Adel 1895) (1819-1908) spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle im Unternehmen, das er 60 Jahre leitete. Er gründete das Weingut Schlumberger, war Schmetterlingssammler, stiftete der Stadt ein Spital und war politisch tätig im Reichsland Elsaß-Lothringen als langjähriger Vorsitzender des Landesausschusses (1874–1903). Er war Staatsrat und Geheimrat.

    In der vierten Generation ragt Theodor (Théodore) (1840–1917), Sohn Jules Alberts, Industrieller, Mitglied des Reichstags (1900–07, s. RT-Abg. Liberale), des Landtags und des Direktoriums des dt. Patronats heraus. Zwei Mitglieder dieser Generation errangen Ruhm auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet: Gustave (1844–1929), Enkel Daniels, als Spezialist der byzantin. Geschichte und Numismatiker, Mitglied der Bayer. Akademie der Wissenschaften und Präsident der Société des antiquaires de France (s. Geist u. Gestalt, Erg.bd.; NDBA 33; BBKL) und Camille (1864–1958), Sohn des Colmarer Bürgermeisters Camille, als Kunstmaler.

    In den späteren Generationen waren künstlerisch und wissenschaftlich erfolgreich: Jean (1877–1968), Enkel Jeans (1819–1908), als Schriftsteller und Gründer der einflußreichen Nouvelle Revue française, der Kunstmaler Eugène (1875–1960), Sohn Gustaves, der 1946-64 in Afghanistan tätige Archäologe Daniel (1904–72), dessen Bruder Jean (1907–87), als weltberühmter Schmuckdesigner (2 J.zehnte tätig für Tiffany & Co.). Conrad (1878–1936) und sein Bruder Marcel (1884–1953), Brüder Jeans (1877–1968), waren Erfinder einer Methode für die Suche nach neuen Erdölquellen sowie Gründer und Leiter der „Schlumberger Well Surveying Corporation“ in den USA (1934), heute weltweit größtes Service-Unternehmen für Öl- und Gasförderung. Von den Unternehmungen der Familie S. existieren außerdem heute ein großes Weingut (140 ha, 1% d. elsäß. Rebenfläche) sowie die Bank Neuflize, Schlumberger, Mallet, Demachy.

    Aus dem in Württemberg ansässigen Familienzweig ließ sich Robert Alwin S. v. Goldeck (1814–79, österr. Adel 1879), aus Stuttgart, zuvor sieben Jahre Betriebsleiter beim franz. Champagnerhersteller Ruignard Père & Fils in Reims, 1843 in Österreich nieder, wo er Gründer der Wein- und Sektkellerei in Bad Vöslau wurde. Er etablierte 1859 die älteste registrierte österr. Weinmarke (Vöslauer Goldeck), hatte große Verdienste um die Entwicklung der österr. Weinwirtschaft und dehnte sein Unternehmen europaweit und bis in die USA aus (s. ÖBL). Sein Enkel Robert S. v. Goldeck (1874–1944), Wein- und Sektfabrikant, legte eine weinhistorische Sammlung an und publizierte über Weinhandel und Weinbau. Das Unternehmen wurde von ihm, seit 1945 von seinem Sohn Robert (1902–84) geführt und gehört seit 1973 zur „Underberg AG“ (s. ÖBL).

  • Werke

    zu Jean (1819–1908): César et Arioviste (1877), Chronique du couvent de Schoenensteinbach (1897), Chronique des Dominicains de Guebwiller (1898);
    zu Gustave:
    Les principautés franques du Levant au Moyen-Age, 1877;
    Numismatique de l'Orient latin, 2 Bde, 1878-82;
    Un empereur byzantin au Xe siècle, Nicéphore Phocas, 1890;
    L'épopée byzantine à la fin du Xe siècle, 3 Bde., 1896-1903;
    Mes Souvenirs, 1844–1928, 1934;
    zu Jean (1877–1968):
    Le lion devenu vieux, 1924;
    Hist. des quatre potiers, 1935, Jalons, 1940, Eveils, 1949, Rencontres, 1968;
    zu Daniel (1904–72):
    La Palmyrène du|Nord-Ouest, 1951;
    Descendants non méditerranéens de l'art grec, 1960;
    L'Orient hellénisé, 1970.

  • Literatur

    Hist. documentaire de l'industrie de Mulhouse et environs au XIXe siècle, 1902;
    Clarisse Schlumberger, Portraits mulhousiens, 1906;
    Das Kinderheil d. Stadt Gebweiler, Stiftung Dr. Johann u. Clarisse v. S., 1909;
    Schlumberger, Cartulaire de la famille S., 1912;
    Cinquantenaire de Théodore S. à la Soc. industrielle de Mulhouse, 1912;
    C. de Lacroix, Théodore S. (1840-1917), in: Bull. de la Soc. industrielle de Mulhouse, 1920, S. 18-23;
    J. Schlumberger et D. de Ménil, Conrad S., 1936;
    Tableaux généalogiques de la famille S., 1953-1956;
    Nicolas Schlumberger et Cie, 1958;
    Ch. Wetterwald, Guebwiller à travers son passé, 1971;
    P. Teissonnière-Jestin, Itinéraire social d'une grande famille mulhousienne: les S. de 1830 à 1930, in: Bull. de la Soc. académique du Bas-Rhin, CIX-CX, 1989-90, S. 119-213 u. 244-47;
    N. Stoskopf, Les patrons du Second Empire, Alsace, 1994;
    Cat. de l'exposition Jean S., Un diamant dans la Ville au Musée des Arts décoratifs, 1995;
    O. Conrad, Le Conseil général du Haut-Rhin au XIXe siècle, 1998;
    Clarisse Schlumberger, S., racines et paysages, 1998;
    C. Bizot, The jewels of Jean S., 2001;
    Enc. de l'Alsace, XI, 1985, S. 6748 f.;
    Dict. du monde religieux dans la France contemporaine. l'Alsace, 1987, S. 382-84;
    NDBA 33, 1999, S. 3452-68;
    Dt.GB 70, 1930, S. 356-58;
    GHdA 125 (Adelslex. XII), 2001, S. 501 f.; |

  • Quellen

    Qu Archiv d. Soc. Nicolas Schlumberger et Cie, Guebwiller; Bibl. d. Soc. industrielle de Mulhouse.

  • Porträts

    Zahlr. Gem. u. Fotos in d. Bibl. Nat. et Universitaire de Strasbourg.

  • Autor/in

    Bernard Vogler
  • Zitierweise

    Vogler, Bernard, "Schlumberger" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 114-116 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119327465.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA