Lebensdaten
1889 bis 1979
Geburtsort
Gießen
Sterbeort
Kronberg (Taunus)
Beruf/Funktion
Kaufmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124434754 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schlosser, August Hermann
  • Schlosser, Hermann
  • Schlosser, August Hermann

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Zitierweise

Schlosser, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124434754.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1846–1926), Pfarrer, Geh. Kirchenrat in G., S d. Peter Georg (1817–78), ghzgl. Min.-Kanzlei-Insp. in Darmstadt, u. d. Anna Margaretha Scheerer (1821–76);
    M Marie Luise Elisabeth (1855–1947), T d. Heinrich Rendtorff (1814–68), Pfarrer in Berlin u. Preetz, u. d. Emma Louise Schmid (1819–1904);
    Om Franz Rendtorff (1860–1937), Prof. d. Prakt. Theol. u. d. NT in Leipzig, Geh. Kirchenrat, Domherr zu Meißen, Präs. d. Gustav-Adolf-Ver., Dr. h. c. (s. Rhdb.; Biogr. Lex. Schleswig-Holstein II; NDB 21 Fam.art.);
    5 B u. a. Heinrich (1876–1953), Jur. in Saarbrücken u. Linz (Österr.), Rudolf (1880–1944), Pfarrer in Rodheim, Soz.päd. in Bräunsdorf (Sachsen), Hans (1882–1914), Lehrer in Frankfurt/M., Gustav (1891–1969), Kaufm. in Göritzhain (Sachsen), 3 Schw;
    Mainz 1915 Emilie (1891–1978), T d. Heinrich Grub (1860–1931), Oberbahnassistent in Langgöns, u. d. Luise Ströhmann (1863–1940);
    3 S u. a. Hermann (* 1929), Kaufm. in Bad Homburg, 1 T;
    Vt Heinrich Rendtorff (1888–1960), Prof. d. Prakt. Theol. in Kiel, Landesbf. v. Meckl. (s. Biogr. Lex. Schleswig-Holstein II; NDB 21 Fam.art.).

  • Leben

    Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium in Gießen und einer Kaufmannslehre in Hamburg bei „Meyer & Soetbeer“ seit 1908 wurde S. 1910 Mitarbeiter der Firmenniederlassungen im damaligen Brit.-Ostindien, 1912 deren Leiter. 1914 meldete er sich freiwillig an die Front, wurde bald darauf verwundet und entlassen, arbeitete seit 1915 als Handlungsgehilfe bei der „Dt. Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler“ (Degussa AG) in Frankfurt/M. und leistete 1916-18 erneut Kriegsdienst. Zur Degussa zurückgekehrt, baute S. seit 1919 von den Niederlanden aus das Auslandsgeschäft, insbesondere mit den USA, neu auf, wurde 1922 Prokurist und Leiter der Chemikalienabteilung der Degussa, 1926 stellv. und 1928 o. Vorstandsmitglied. 1939 Vorstandsvorsitzender, führte er v. a. die von seinem Vorgänger Ernst Busemann begonnene Neuorganisation bzw. Divisionalisierung des Konzerns fort und vollendete die bereits 1930/31 formell vollzogene Fusion zwischen der Degussa und der „Holzverkohlungs-Industrie AG“, Konstanz (Hiag), sowie dem „Verein für Chemische Industrie“, Frankfurt, die den Einstieg der Degussa in die organische Chemie einleitete.

    National-konservativ geprägt und von einem pragmatischen Geschäftssinn geleitet, verfolgte S. als Vorstandsvorsitzender eine NS-orientierte Unternehmenspolitik. Nach der Ablehnung seines 1933 gestellten Aufnahmeantrags in die NSDAP wegen seiner Zugehörigkeit zu den Freimaurern wurde er als Vorstandsvorsitzender der Degussa „durch Gnadenerlaß des Führers“ 1939 in die Partei aufgenommen. Während des 2. Weltkriegs beschäftigte die Degussa Tausende Zwangsarbeiter, verarbeitete aus jüd. Besitz stammendes Gold bzw. Zahngold ermordeter KZ-Häftlinge und machte große Gewinne mit kriegswichtiger Produktion. Anfang 1943 übernahm S. auf Vorschlag der Chemischen Industrie die Leitung und damit die Neuorganisation der Wirtschaftsgruppe Chemie. Im Sept. 1945 verfügte die amerik. Militärregierung die Entlassung S.s, das Spruchkammerverfahren 1947 stufte ihn als „Minderbelasteten“ (Gruppe III) mit einer zweijährigen Bewährungszeit ein; dieses Urteil wurde 1948 revidiert und S. als „Mitläufer“ (Gruppe IV) eingestuft. Da er seit 1940 Mitglied im Verwaltungsrat der „Dt. Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung“ (Degesch) war (1926-39 deren Geschäftsführer), wurde er 1948 im Zuge der Ermittlungen zum Zyklon-B-Prozeß verhaftet. Der Haftbefehl wurde jedoch nach wenigen Wochen aufgehoben.

    Seit 1947 wieder Berater für die Degussa, wurde S. 1949 erneut Vorstandsmitglied, 1950-59 erneut Vorstandsvorsitzender. In seiner Amtszeit erfolgte der Wiederaufbau, die Modernisierung und Erweiterung des Unternehmens. 1959-65 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Degussa, seit 1965 Ehrenvorsitzender.

  • Auszeichnungen

    Wehrwirtsch.führer (1943); Ehrenmitgl. d. Verbandes d. Chem. Ind. (1952, 1. Präses d. Ältestenrats 1960); Ehrenplakette d. Stadt Frankfurt/M. (1954); Gr. BVK (1955, mit Stern 1965); Ehrenbürger d. Stadt Gießen (1965); Hermann-Schlosser-Stiftung d. Degussa z. Förderung naturwiss. Nachwuchses (1955), 2001 in d. Degussa-Stiftung eingebracht.

  • Literatur

    M. Wolf, Im Zeichen v. Sonne u. Mond, 1993;
    P. Hayes, Die Degussa im Dritten Reich, 2004;
    Rhdb.;
    Frankfurter Biogr. (P).

  • Portraits

    Fotos (Frankfurt/M., Untern.archiv d. Degussa AG).

  • Autor/in

    Andrea Hohmeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Hohmeyer, Andrea, "Schlosser, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 105 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124434754.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA