Lebensdaten
1842 bis 1901
Geburtsort
Däniken (Kanton Solothurn)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Speditionsunternehmer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 14054819X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schenker, Urs Josef Gottfried
  • Schenker, Gottfried
  • Schenker, Urs Josef Gottfried

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schenker, Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd14054819X.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Urs Josef (1811–65), Inh. e. Schmiede u. Schlosserei in D.;
    M Anna Maria Hagmann ( 1866);
    11 Geschw;
    1869 Elisabeth (Betty) Schulz (* 1851), aus Mainz;
    S Eduard (1872–92, Freitod);
    Adoptiv-S (seit 1896) August Angerer (1866–1914, Maria Gertrud (Gerty) Schulz, 1872–1918, aus Mainz, N d. Elisabeth Schulz, s. o.), Dr. iur., 1900 v. S. testamentar. als Nachfolger u. Universalerbe eingesetzt, Speditionsunternehmer, dessen S Gottfried S.-Angerer (1895–1980), August S.-Angerer (1897–1977), beide Speditionsunternehmer.

  • Leben

    S. besuchte die „Normalschule“ in Däniken, wechselte in die Kantonsschule Aarau (Abitur 1860) und begann 1861 in Heidelberg ein Rechtsstudium. Nach dem Abbruch des Studiums 1865 wegen Konkurs der väterlichen Schlosserei nahm S. die Stelle eines Beamten bei der Schweizer. Centralbahn an. 1866 wechselte er zur Firma „F. Braff & Eckert“, der Agentur der franz. Ostbahn, wo er mit dem Tarifwesen befaßt war. 1867 erhielt er die Leitung der in Wien gegründeten Filiale, wo er seine Tätigkeit auf die Getreideimporte Frankreichs aus Österreich-Ungarn konzentrierte. 1868 wechselte S. zur Hamburger Speditionsfirma „Elkan & Co.“ und übernahm deren Agentur in Wien. 1869 kurzzeitig selbständig tätig, arbeitete er seit 1871 für das Speditionsunternehmen „Rappaport & Kann“ als Fachmann für das Tarifwesen.

    1872 gründete S. mit Moritz Karpeles (1834–1903) und Moritz Hirsch (1839–1906), den Inhabern der Speditionsfirma „Karpeles und Hirsch“, die Firma „Schenker & Co.“ in Wien; „Karpeles und Hirsch“ wurde in der 2. Hälfte der 1890er Jahre mit „Schenker & Co“ verschmolzen. 1873 führte S. in seinem Unternehmen den Bahnsammelverkehr ein (1873 erster Bahnsammelgutverkehr Paris-Wien). Das Zusammenfassen von Kleinsendungen zu größeren Einheiten war eine der großen Neuerungen im Speditionsgewerbe|zur günstigeren Preisgestaltung und rascheren Abwicklung der Transporte unter Ausnutzung von Schiene, Straße und Wasserwegen. Zwei Jahre nach der Gründung der Spedition wurden in Budapest, Bukarest, Prag und London die ersten Niederlassungen errichtet, deren Zahl sich bis zu S.s Tod auf 33 erhöhte; bereits 1880 im Zuge der Gründung der „Adria Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ erwarb S. eine Beteiligung und gründete 1895 mit „Burrel & Sohn“ sowie seinem designierten Nachfolger August Schenker-Angerer die „Schiffahrts-Gesellschaft Austro-Americana“, die die regelmäßige Verbindung zwischen Amerika und Triest herstellen sollte. Die Linie betrieb zunächst vier, bis 1898 elf Schiffe. Im nahezu jährlichen Takt wurden die vertraglichen Verbindungen mit den wichtigsten Eisenbahn- und Schiffahrtslinien Europas und der USA ausgeweitet. Nach dem Ankauf von 60 Eisenbahnwaggons war „Schenker & Co.“ 1891 die einzige europ. Speditionsfirma, die von London bis Konstantinopel Eisenbahnfrachten zu durchgehend kalkulierten und verbindlich geltenden Tarifen anbieten konnte. Eine wesentliche und innovative Ausweitung des Dienstleistungssektors erfolgte mit der Etablierung eigener Reisebüros seit 1890, die u. a. mit der Ernennung von „Schenker & Co.“ zum offiziellen Spediteur für die verschiedenen Weltausstellungen zusammenhing.

    S., seit 1896 österr. Staatsbürger, wurde in seinem letzten Lebensjahr aufgrund einer fortschreitenden Krankheit unter Kuratel gestellt. Sein Nachfolger im Unternehmen, das in nahezu allen europ. Staaten vertreten war und in vielen davon die Marktführung hatte, wurde der 1896 adoptierte und mit einer Nichte seiner Frau verheiratete Jurist August Schenker-Angerer. 1928 wurde die Zentrale nach Wien verlegt, 1931 erfolgte die Übernahme durch die Dt. Reichsbahn. Nach dem Wiederaufbau nach Enteignung und Verlust zahlreicher Niederlassungen im 2. Weltkrieg mit weiterer Internationalisierung und Intensivierung der Luftfracht (1947 Gründung e. Tochterunternehmens in den USA) und Ausdehnung auf den asiatischen Markt (Gründung e. eigenen Ges. in Hong Kong 1966), dreimaliger Nominierung zum offiziellen Spediteur von Olympischen Spielen (München 1972, Sydney 2000 und Salt Lake City 2002) wurden die Anteile der Dt. Bahn an Schenker durch die Stinnes AG übernommen und das Unternehmen umstrukturiert. Die 1997 gegründete „Schenker AG“ mit den Geschäftsbereichen „Schenker Logistics“, „Schenker International“, „Schenker Eurocargo“ firmiert nach der Übernahme der schwed. „BTL AB, Göteborg“ (1999) als heute größter europ. Transport- und Logistikanbieter nach der Zusammenführung von „Schenker-BTL AG“ und der „Schenker International Deutschland GmbH“ zur „Schenker Deutschland AG“ 2002 nach wie vor unter dem Namen seines Gründers. – Rr. d. österr. Ordens d. Eisernen Krone III. Kl.; Offz. d. belg. Leopold-Ordens; bayer. Verdienstorden v. Hl. Michael III. Kl.; Kommandeur d. Takowa-Ordens; Rr. d. franz. Ehrenlegion; k. k. u. bayer. KR; Mitgl. d. Staatseisenbahnrates.

  • Werke

    Eine Skizze über meinen Lebenslauf als Spediteur, Erinnerungen (ungedr.), in: Schenker-Archiv.

  • Literatur

    Die Groß-Ind. Österreichs, III, 1908;
    Das Haus S. 1872-1932, FS z. 60j. Bestehen d. Firma, 1932;
    H. Matis u. D. Stiefel, Das Haus S., Gesch. d. internat. Spedition 1872-1931, 1995;
    A.-M. Deplazes-Haefliger, in: NZZ v. 26.11.2001 (P);
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien; |

  • Quellen

    Qu Schenker Archiv.

  • Autor/in

    Charlotte Natmeßnig
  • Empfohlene Zitierweise

    Natmeßnig, Charlotte, "Schenker, Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 681-682 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd14054819X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA