Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Grafen ; Fürsten
Konfession
-
Normdaten
GND: 118764446 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schaumburg-Lippe

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Zitierweise

Schaumburg-Lippe, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118764446.html [19.05.2019].

CC0

  • Leben

    Nach dem Aussterben der Grafen zu Holstein-Schaumburg 1640 wurde deren Grafschaft geteilt, einige Ämter als braunschweig. Lehen eingezogen. Über die weiteren Teile kam es nach langwierigen Verhandlungen 1647 zu einer Einigung zwischen Lgf. Wilhelm VI. zu Hessen-Kassel (noch unter Vormundschaft seiner Mutter Amalie Elisabeth) und Gf. Philipp zur Lippe-Alverdissen ( 1681). Philipps Ansprüche beruhten darauf, daß seine Schwester Elisabeth Mutter Gf. Ottos V. war, des letzten Grafen zu Holstein-Schaumburg. Gf. Philipp besaß aus väterlichem Erbe das Paragialamt Alverdissen in Lippe. Er erhielt durch den Teilungsvertrag von 1647 die schaumburg. Ämter Arensburg, Bückeburg, Hagenburg, Stadthagen und Teile des Amtes Sachsenhagen. Über sie erkannte er die hess. Lehenshoheit an. Gleichzeitig heiratete er Sophie, Schwester des Lgf. Wilhelm V. zu Hessen-Kassel, und sicherte somit seinen Besitz. Aus der Bezeichnung Gfsch. S. lipp. Anteils entwickelte sich der Name „S.-L.“. Die gfl./fürstl. Familie ist genealogisch gesehen eine Nebenlinie des Gesamthauses Lippe (s. NDB 14), verselbständigte sich jedoch im Laufe der Zeit. In Philipps langer Regierungszeit gelang es, die Schäden des 30jährigen Krieges zu überwinden. Philipps jüngerer Sohn, Philipp Ernst ( 1723), wurde mit dem Amt Alverdissen ausgestattet und begründete das Jüngere Haus S.-L. Der ältere Sohn Friedrich Christian ( 1728) folgte dem Vater in der Regierung. Lediglich an den Einkünften aus der Grafschaft interessiert, hielt er sich meist auf Reisen auf und überließ die Regierung seinen Räten, die den Einfluß der Stände zurückdrängten 1702 floh seine Gemahlin Johanna Sophia aus dem Hause Hohenlohe-Langenburg vor seiner Gewalttätigkeit zusammen mit Erbgf. Albrecht Wolfgang ( 1748) nach Minden und stellte sich unter preuß. Schutz. Besonders Kf. Georg Ludwig von Hannover bot ihr Hilfe, so daß sie sich 1712 an seinem Hof niederließ und ihm 1714 als Oberhofmeisterin der Fürstin von Wales (Karoline Mgfn. v. Brandenburg-Ansbach) nach London folgte. Albrecht Wolfgang trat 1720 ebenfalls in brit. Dienste und wurde mit diplomatischen Missionen betraut. Er heiratete Gertrud v. Oeynhausen, die den Zeitgenossen als eine natürliche Tochter Kg. Georgs I. v. Großbritannien galt. Der König unterstützte den Grafen beim Kauf eines Regiments in den Niederlanden. Nach seinem Regierungsantritt bemühte Albrecht Wolfgang sich, die Mißwirtschaft, die unter seinem Vater geherrscht hatte, zu beheben und das Land zu modernisieren, gleichzeitig stürzte er es durch seine aufwendige Hofhaltung in neue Schulden. Ideen der frühen Aufklärung zugeneigt, schloß er sich 1725 in London den Freimaurern an und vermittelte 1738 die Aufnahme des preuß. Kg. Friedrich II. in die Hamburger Loge. Ihm folgte in der Regierung sein in London geborener Sohn Wilhelm ( 1777). Dieser kämpfte als kurhann. Generalfeldzeugmeister im Siebenjährigen Krieg und reorganisierte als brit. Feldmarschall die portugies. Armee. Wilhelm bemühte sich um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Grafschaft und organisierte deren Landesverteidigung. Er gründete eine Militärschule und machte sich einen Namen als Militärtheoretiker. Der Graf berief den Philosophen Thomas Abbt, Johann Gottfried Herder und den Bachsohn Johann Christoph Friedrich an seinen Hof. Mit Wilhelm starb das ältere Haus S.-L. aus.

    Das jüngere Haus

    Wilhelm folgte mit Philipp Ernst ( 1787) ein Enkel des gleichnamigen Gründers der Alverdissener Linie. Auch er stand in auswärtigen Militärdiensten, zuletzt als Generalleutnant en Chef des Bischofs von Münster. Als 1780 sein letzter Sohn starb und das Haus S.-L. auszusterben drohte, heiratete er einen Monat später die 19jährige Lgfn. Juliane ( 1799, s. NDB X) von Hessen-Philippsthal. Sie gebar ihm nach zwei Töchtern 1784 den Erbgf. Georg Wilhelm ( 1860). Als Philipp Ernst bald darauf starb, übernahm Fürstin Juliane (auf dem Titel bestand sie als geborene Landgräfin) zusammen mit dem hann. Feldmarschall Johann Ludwig v. Wallmoden- Gimborn (1736-1811), einem natürlichen Sohn Kg. Georgs II. v. Großbritannien, die Vormundschaft. Diese mußte sich sofort gegenüber Hessen-Kassel behaupten, das die Grafschaft als heimgefallenes Lehen betrachtete und zeitweilig besetzte. So freizügig Julianes Lebensstil und so aufgeklärt im Ansatz ihre Regierung waren, so schroff beharrte sie auf den landesherrlichen Rechten. Das führte zu Konflikten mit der Bevölkerung. Georg Wilhelm nahm 1807 aus eigenem Recht den Fürstentitel an und trat zusammen mit Lippe dem Rheinbund bei, wodurch er den Bestand des Fürstentums sicherte. Bei der Gründung des Dt. Bundes erlangte er die Souveränität. Schon Juliane hatte Güter in Mecklenburg aufgekauft. Der Fürst setzte diese Politik seiner Mutter fort und erwarb großen Landbesitz in Böhmen und Ungarn. 1812 wurde das Paragialamt Alverdissen an Lippe verkauft, der Streit um das Erbe Lippe-Brakes 1838 zu seinem finanziellen Vorteil beendet. Auf diese Weise legte er den Grund für den Reichtum des Hauses. Er gab S.-L. 1816 eine ständische Verfassung mit Beratungsrechten. Georg Wilhelm regierte sein Land patriarchalisch. So ließ er die Wechselordnung des Dt. Bundes nicht in Kraft setzen, weil er seine Untertanen vor Wechselgeschäften schützen wollte. Er selbst aber ließ Staatspapiergeld ausgeben und beteiligte sich an der Gründung einer Notenbank in Bückeburg. Für seinen jüngeren Sohn Wilhelm ( 1906) errichtete Georg Wilhelm die Sekundogenitur Nachod in Böhmen, die bis 1945 Bestand hatte. Dem älteren, Fürst Adolf Georg ( 1893), gelang es, S.-L. 1866 vor preuß. Annexion zu bewahren. Den steigenden Verwaltungsaufgaben war das Land aber allein nicht mehr gewachsen. Über Staatsverträge wurden daher zunehmend preuß. Behörden für innere Belange zuständig. Zur Zeit Fürst Georgs ( 1911) schien sich die Möglichkeit zu bieten, das Gewicht des Hauses entscheidend zu vergrößern. Unter Übergehung der älteren Linie Lippe-Biesterfeld beanspruchte Adolf ( 1916), der Bruder des Fürsten Georg ( 1911), vergeblich die Nachfolge im Fürstentum Lippe, obwohl Ks. Wilhelm II, mit dessen Schwester Viktoria er verheiratet war, sich für ihn einsetzte. Prinz Adolf ließ sich daraufhin in Bonn nieder; das 1858 errichtete Palais Schaumburg diente 1949-76 als Amtssitz des Bundeskanzlers. Georgs Sohn Fürst Adolf ( 1936) beabsichtigte, sein großes Vermögen dafür einzusetzen, Fürstentum und Residenzstadt Bückeburg kulturell zu fördern. Er ließ Eilsen zu einem Badeort ausbauen und errichtete in Bückeburg ein Institut für musikwissenschaftliche Forschung|sowie eine Kunst- und Handwerksschule. Von seinen weiteren Plänen wurde nur das übergroße Mausoleum in Bückeburg verwirklicht. Am 15.11.1918 verzichtete er auf den Thron. Zwei Jahre später übertrug er im Domanialteilungsvertrag etwa die Hälfte des Domanialbesitzes auf den Freistaat Schaumburg-Lippe. Adolfs jüngster Bruder Friedrich Christian (1906–83) machte als NS-Propagandist und Ministerialrat im Reichspropagandaministerium von sich reden (s. Munzinger). Wolrad (1887–1962), der älteste, folgte Adolf als Chef des Hauses. Diese Aufgabe nahmen danach in direkter Linie Philipp Ernst (1928–2003) und Alexander (* 1958) wahr.

  • Literatur

    F. Busch, Schaumburg. Bibliogr., 1964;
    Th. Hartwig, Der Überfall d. Gfsch. S.-L. durch Lgf. Wilhelm IX. v. Hessen-Kassel, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Niedersachsen 76, 1911, S. 1-117;
    Günther Schmidt, Die alte Gfsch. S., Grundlegung d. hist. Geogr. d. Staates S.-L. u. d. Kr. Gfsch. Rinteln, 1920;
    F.-W. Schaer, Gf. Friedrich Christian zu S.-L., Als Mensch u. Repräsentant d. kleinstaatl. Absolutismus um 1700, 1966;
    H. Reichold, Der Streit um d. Thronfolge im Fürstentum Lippe 1895-1905, 1967;
    D. Brosius, Von d. Monarchie z. Rep., Die Begründung d. Freistaates S.-L., in: Schaumburg-Lipp. Mitt. 19, 1968, S. 47-60;
    H. Bei der Wieden, Schaumburg-Lipp. Geneal., Stammtafeln d. Grafen – später Fürsten – zu S.-L. bis zum Thronverzicht 1918, 1969, 21995;
    ders., Die Niedersächs. Bank, Ein Btr. z. Gesch. d. dt. Notenbanken, 1982;
    G. Knake, Preußen u. S.-L. 1866-1933, 1970;
    C. Ochwadt, Zur Biogr. d. Gf. Wilhelm zu S.-L., in: Wilhelm Gf. zu S.-L., Schrr. u. Briefe. I, hg. v. C. Ochwadt, 1976, S. 463-88;
    C.-H. Hauptmeyer, Souveränität, Partizipation u. absolutist. Kleinstaat, Die Gfsch. S.(-L.) als Bsp., 1980;
    H. Höing (Hg.), Vom Ständestaat z. freiheitl.-dem. Rep., Etappen in Schaumburg, 1995;
    ders. (Hg.), Der Raum Schaumburg, Zur geschichtl. Begründung e. regionalen Identität, 1998;
    ders. (Hg.), Schaumburg u. d. Welt, Zu Schaumburgs auswärtigen Beziehungen in d. Gesch., 2002;
    A.-F. v. Schweinitz, Zum 300. Geb.tag d. ersten dt. Freimaurers, Albrecht Wolfgang, regierender Gf. zu S.-L., in: Quatuor Coronati 35, 1998, S. 69-85;
    A. v. Stieglitz, Ständegesch. d. hess. Gfsch. S. 1640-1821, 2000;
    dies., S.-L., Gfsch. u. S., Gfsch. hess. Anteils, in: Hdb. d. niedersächs. LT- u. Ständegesch., I: 1500-1806, hg. v. B. Bei der Wieden, 2004, S. 178-84, 391-404;
    S. Wagener-Fimpel, Ein Leben im Geist d. Pietismus, Gfn. Johanna Sophie zu S.-L. (1673–1743), in: Zs. d. Ges. f. niedersächs. KGesch. 100, 2002, S. 61-118.

  • Autor/in

    Helge Bei der Wieden
  • Empfohlene Zitierweise

    Bei der Wieden, Helge, "Schaumburg-Lippe" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 594-596 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118764446.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA