Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Photographen
Konfession
-
Normdaten
GND: 129420352 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schafgans

Verknüpfungen

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Zitierweise

Schafgans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129420352.html [25.08.2019].

CC0

  • Leben

    Der Porzellanmaler Johannes (1828–1905), aus Poppelsdorf bei Bonn, Sohn des Ackerers Adolf, aus Dansweiler bei Köln (s. W), gründete 1854 das heute in vierter Generation in Familienbesitz geführte Fotoatelier in Bonn als Freilichtatelier; 1861 errichtete er ein Glasdachatelier. Die Firma etablierte sich binnen weniger Jahre. Johannes, Schwiegersohn des Malers und Zeichenlehrers Nicolaus Christian Hohe (1798–1868), arbeitete anfangs mit der Technik des Engländers Fox Talbot und war beim finanzkräftigen Publikum rasch erfolgreich. Er hinterließ auch Außenfotografien wie eine Reportage vom Brand der Bonner Remigiuskirche 1888. 1892 übernahm sein Sohn Theodor (1859–1907) das Atelier und gestaltete es im historistischen Geschmack um. Er etablierte sich als Fotograf des Bürgertums der Kaiserzeit und erwarb 1901 den Titel eines sachsenweimar. Hofphotographen. Mit seinen Architektur- und Momentaufnahmen (Dokumentation vom Bau d. ersten Bonner Rheinbrücke 1897/98, Denkmalsenthüllung vor d. Bonner Univ. 1906) profilierte er sich auch als technischer Fotograf und Dokumentarist.

    Neuen wirtschaftlichen und künstlerischen Aufschwung nahm der Familienbetrieb mit Theodors Sohn Theo (1892–1976). Er absolvierte eine einjährige Lehrzeit im Kölner Atelier Liesendahl und besuchte 1908-10 die „Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie, Chemiegraphie, Lichtdruck und Gravüre“ in München. Hier erlernte er fotografische Edeldruckverfahren wie Bromöl- und Gummidruck und wurde besonders durch die Arbeiten von Frank Eugene (Smith) (1875–1936) beeinflußt. Nach Volontariaten bei Henry Traut (* 1857), Smith und Franz Grainer (1871–1948) übernahm er 19jährig das väterliche Atelier in Bonn und erhielt bereits 1912 und 1913 erste Auszeichnungen. Allmählich verband er die romantisierenden Effekte des Piktorialismus, den er als erster in die Bonner Region gebracht hatte, mit einer sachlich-dokumentarischen Auffassung (Porträts Elly Ney, 1912; Max Reger, 1913; Gerhard Fieseler, 1927). Während des 1. Weltkriegs war Theo als Luftschiffer-Fotograf an der Westfront eingesetzt. 1919 beteiligte er sich an der Gründung der „Gesellschaft Deutscher Lichtbildner“ (GDL) und etablierte sich als einer der bedeutendsten dt. Porträtfotografen. Er verfolgte die technische Weiterentwicklung der Fotografie und arbeitete schon Mitte der 20er Jahre mit der damals neuen Jos-Pe-Farbtechnik. Nach 1933 hatte Theo, der mit einer Jüdin verheiratet war, vielfache Diffamierungen und Beschränkungen seiner Arbeit hinzunehmen. 1944 kam er in ein Lager bei Bedburg/Erft, aus dem er jedoch fliehen konnte. Bis Kriegsende lebten er, seine Frau und sein Sohn im Untergrund. Am 1.10.1945 eröffnete er das zerstörte Atelier wieder und beteiligte sich 1950 an der ersten Photokina in Köln, auf der sein Adenauer-Porträt von 1950 prämiert wurde. Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre pflegte Theo auch die Reportagefotografie. Seine Arbeiten spiegeln die frühen Jahre der Bonner Republik in vielfältiger Weise. Sein Sohn Hans (* 1927), der als Architekturfotograf den Wiederaufbau in Bonn dokumentiert hatte, übernahm 1967 den Familienbetrieb und widmete sich fortan v. a. der Porträtfotografie. Dessen Sohn Boris (* 1961), Fotograf und Filmregisseur, verwaltet das Schafgans-Archiv. – zu Theo: Mitgl. d. GDL (1919, Ehrenmitgl. 1964); BVK 1. Kl. (1962); o. Mitgl. d. Dt. Ges. f. Photogr. (DGPh) (1964); – zu Hans: o. Mitgl. d. Dt. Ges. f. Photogr. (1972); BVK am Bande (1986).

  • Werke

    Bestände im Mus. f. Kunst u. Gewerbe, Hamburg;
    Rhein. Landesmus., Bonn (Dauerleihgabe);
    Schafgans Archiv, Bonn;
    Weitere W zu Johannes: Gem.:
    Porträt Johann Georg Moritz, Bleistiftzeichnung, 1851;
    Blick auf Nonnenwerth mit Rolandsbogen u. Siebengebirge, Porzellanbild, vor 1854;
    Fotogrr.: Porträts u. a. Adolf Schafgans, 1854;
    Christian Hohe, um 1854;
    Wilhelm Erbprinz zu Wied, um 1855;
    Karl Simrock, 1860er Jahre;
    Ks. Wilhelm II. als Student, 1878;
    F. A. Kekulé v. Stradonitz, 1880er Jahre;
    Rudolf Clausius, 1880er Jahre;
    Luigi Pirandello, 1890;
    zu Theodor:
    Kronprinz Wilheim, 1902;
    Prinz Eitel Friedrich, 1902;
    Atelierporträts u. Studentenaufnahmen;
    Teleskopaufnahmen d. Mondes, Ende 1890er Jahre (nicht erhalten);
    Architektur- u. Reportagefotogrr.;
    zu Theo:
    Der Fotograf József Pécsi im ägypt. Kostüm, 1910;
    Der Geiger Adolf Busch mit Braut, 1913;
    Pappeln, um 1925;
    Paris-Mappe, 1926;
    Ingeborg v. Rath, um 1930;
    Karl Schönböck, 1936;
    Autostraße, 1936;
    Der Pianist Alfred Cortot, 1938;
    Theodor Heuss, 1950, 1954, 1958;
    Bernhard Minetti, 1950;
    Kurt Schumacher auf d. Totenbett, 1952;
    Kard. Joseph Frings, 1953;
    Ludwig Erhard, 1955;
    Konrad Adenauer, 1956;
    Carlo Schmid, 1956;
    Heinrich Lübke, 1959;
    Schrr:
    seit 1912 Bildveröff. in fotogr. Publl.: „Das Dt. Lichtbild“ u. a.;
    Sechs J.zehnte hinter der Kamera, Mein Leben als Fotograf, in: Bonner Gesch.bll. 36, 1984, S. 335-408 (P);
    – zu Hans: Porträts u. a. Gustav Heinemann, 1969;
    Helmut Schmidt, 1977;
    Jean Améry, 1978;
    Gert Fröbe, 1979;
    Richard v. Weizsäcker, 1984;
    Udo Zimmermann, 1988;
    Richard Holbrooke, 1993;
    Jutta Limbach, 1995;
    Johannes Rau, 2001;
    Architekturaufnahmen, 50er u. 60er Jahre; Schrr.:
    ca. 300 Btrr. zu fotograf. Themen in Fachzss. u. Büchern sowie Gedichte, Erzz. u. Romane.

  • Literatur

    F. Kempe, Photogr. zw. Daguerrotypie u. Kunstphotogr., 1974;
    J. Heusinger v. Waldegg, Die Zwanziger J. im Porträt, 1976;
    Fotogr. 1919-1979 – Made in Germany, Die GDL-Fotografen, 1979;
    R. Heidt, Porträtfotogr. in vier Generationen, Das Atelier S. in Bonn, 1980 (P);
    G. Koshofer u. S. Gohr, Farbe im Photo, 1981;
    K. Honnef, Lichtbildnisse, Das Porträt in d. Fotogr., 1982;
    L. Kräussl, Fotogr. zw. Handwerk – Kunsthandwerk – Kunst, Die Gesch. d. „Ges. Dt. Lichtbildner“ seit 1919, 1988;
    Photogr. Perspektiven aus d. 20er Jahren [CD], Mus. f. Kunst u. Gewerbe, Hamburg 1995 (enth. 23 Porträts v. Theo S.);
    I. Becker, Der fixierte Blick, 1996;
    U. Pohlmann u. R. Scheutle, Lehrjahre – Lichtjahre, 2000;
    S. Cremer, Nicolaus Christian Hohe Univ.zeichenlehrer in Bonn, Diss. Münster 2001;
    Schafgans, 150 J. Fotogr., Ausst.kat. hg. v. Rhein. Landesmus. Bonn, 2004 (P);
    T. Roth, Architekturfotogr. in d. 50er Jahren, Fotografien v. Hans S. im Spannungsfeld zw. Kunst u. Dok., Diss. Bonn (in Vorbereitung);
    J. Krichbaum, Lex. d. Fotografen, 1981;
    M. u. M. Auer, Enc. Internat. des Photographes de 1839 à nos jours. 1985.

  • Autor/in

    Eva Chrambach
  • Empfohlene Zitierweise

    Chrambach, Eva, "Schafgans" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 543-544 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129420352.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA